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Kultur Stummfilm „The Artist“ macht das Rennen bei den Golden Globes
Nachrichten Kultur Stummfilm „The Artist“ macht das Rennen bei den Golden Globes
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20:33 16.01.2012
Von Stefan Stosch
George Clooney hat seine derzeitige Freundin Stacy Keibler mitgebracht. Quelle: dpa
Los Angeles

Der kluge Jack-Russell-Terrier namens Uggie hätte am Sonntagabend zweifellos eine goldene Weltkugel verdient gehabt: Auf großer Hollywoodbühne überzeugte der Vierbeiner mit seinen Kunststückchen mehr als mancher Preisträger bei seiner Dankesrede – Madonna und Meryl Streep eingeschlossen. Ein Preis für einen Hund wäre dann aber doch des Ungewöhnlichen zu viel gewesen bei dieser sowieso schon ungewöhnlichen Golden-Globe-Gala.

Denn der große Sieger in Hollywood fällt aus dem Rahmen: Der schwarzweiße Stummfilm „The Artist“ (Kinostart: 26. Januar) – in dem der kluge Vierbeiner Uggie eine gewichtige Rolle spielt – gewann gleich drei Globes, darunter in der Komödien-Kategorie die Preise für den besten Film und für den Franzosen Jean Dujardin als besten Hauptdarsteller.

Eine Hommage an die Stummfilmära erobert die Herzen in Hollywood: Das lässt vieles als möglich erscheinen bei den Oscars Ende Februar, für die die Globes als Gradmesser gelten. Jedenfalls war Dujardin am Sonntag der erste Schauspieler, der seit dem Ende der wortlosen Filme als Stummfilmstar triumphiert.

Allerdings: Bei den Globes verteilen lediglich rund 90 Auslandsjournalisten des Verbands Hollywood Foreign Press die Trophäen und nicht die 6000 Mitglieder der US-Filmakademie. Und beim Oscar wird auch nicht zwischen Drama und Komödie unterschieden, nur ein Hauptdarsteller kann am Ende als Sieger durchs Ziel gehen.

Und da kommt George Clooney ins Spiel: Er wurde geehrt für seinen Auftritt in Alexander Paynes Familiendrama „The Descendants“ (Kinostart: 26. Januar), in dem er als überforderter Vater von zwei Töchtern und im bunten Hawaii-Hemd zu sehen ist. Wenn sich Hollywoods elegantester Star so unelegant präsentiert wie in dieser Rolle, muss das belohnt werden – seine Statue nahm Clooney selbstredend im Smoking entgegen. Einige verdiente Stars holten sich bei der von dem britischen Spötter Ricky Gervais moderierten Show ihre Preise ab. Meryl Streep gewann ihre achte Trophäe für ihren Auftritt als Margaret Thatcher in „Die eiserne Lady“ (Kinostart: 1. März) – musste bei ihrer Dankesrede aber passen, weil sie ihre Lesebrille im Saal vergessen hatte (in der Kategorie Komödie siegte Michelle Williams als Marilyn Monroe in „My Week With Marilyn“).

Martin Scorsese bekam für die 3-D-Verfilmung des Kinderbuches „Hugo Cabret“ (Kinostart: 9. Februar) seinen dritten Regie-Globe. Steven Spielberg siegte mit „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ in der Trickfilmsparte. Woody Allen wurde für seine Romanze „Midnight in Paris“ mit dem Globe für das beste Drehbuch gekürt.

Erstmals fand sich Popstar Madonna auf einer Globe-Bühne wieder. Für ihre Nebentätigkeit als Filmemacherin wird sie normalerweise bespöttelt. Ausgezeichnet wurde sie denn auch nicht für ihre Regieleistung, sondern für den besten Song („Masterpiece“) in ihrem Drama „W. E.“ über die einst skandalöse Liebe zwischen dem englischen König Edward VIII. und der bürgerlichen Amerikanerin Wallis Simpson. Mit dieser Würdigung hatte sie offenkundig nicht gerechnet. Die 53-jährige Sängerin stammelte ein wenig herum, fand aber mit Blick auf die vielen französischsprachigen Sieger des Abends eine elegante Wendung: „Ich bin nicht aus Frankreich, ich habe keine Ausrede“, sagte sie.

Da strahlte die versammelte Hollywoodelite, die sich an diesem Abend laut Veranstalter mit mehr als 9000 Gläsern Champagner Mut für die noch folgenden Ehrungen in den nächsten Wochen machte. Nur Moderator Gervais schüttete ein wenig Wasser in den Schaumwein: Die Globes seien so etwas wie die Oscars, „nur ohne das ganze Ansehen“, scherzte er. Womit er recht haben könnte.

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