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Kultur "Tannöd": Ein Dorf sucht einen Mörder
Nachrichten Kultur "Tannöd": Ein Dorf sucht einen Mörder
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09:35 14.11.2009
Brigitte Hobmeier als Barbara Danner und Werner Prinz als Pfarrer Meisner in „Tannöd“.
Brigitte Hobmeier als Barbara Danner und Werner Prinz als Pfarrer Meisner in „Tannöd“. Quelle: Constantin Film
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Auf dem idyllischen Tannöd-Hof inmitten der oberbayrischen Wälder ist ein schrecklicher Mehrfachmord geschehen. Mit einer Spitzhacke löschte ein unbekannter Täter sechs Menschenleben aus, darunter Frauen und Kinder. Auch zwei Jahre später ist das blutige Ereignis unaufgeklärt. In den Köpfen der Dorfbewohner ist der Vorfall allerdings noch äußerst präsent - schließlich könnte der Mörder einer von ihnen sein. Als die ehemalige Dorfbewohnerin Kathrin (Julia Jentsch) in den Ort ihrer Jugend zurückkehrt, trifft sie auf Menschen, die sich nur noch mit Misstrauen begegnen.

Der Thriller „Tannöd“ basiert auf einer wahren Bluttat. Anno 1922 tötete ein kaltblütiger Mörder auf einem abgelegenen Hof eine gesamte Familie. Bis heute wurde der Täter nie enttarnt. Allerdings lassen einige Indizien darauf schließen, dass er aus der direkten Nachbarschaft kam.

In diesem Kinojahr bezog sich bereits „Hinter Kaifeck“ auf die mysteriösen Geschehnisse jener Mordnacht. Basierend auf einer Romanvorlage von Andrea Maria Schenkel legt die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli („Die Herbstzeitlosen“) nun mit ihrer Version des Tathergangs nach.

Die Handlung wurde dabei allerdings in die 1950er Jahre verlegt. Auch die Namen der beteiligten Personen wurden verändert. Allein die Begleitumstände und möglichen Tatmotive erinnern an den wahren Mordfall.

Im Mittelpunkt von Oberlis Film, der von ihr in zwei parallel geschnittenen Zeitebenen erzählt wird, steht eine junge Frau, gespielt von Julia Jentsch („Sophie Scholl“), die zur Beerdigung ihrer Mutter in ihren Heimatort zurückkehrt. Die Menschen, die sie dort vorfindet, sind dieselben wie früher. Doch die Mordnacht hat sie verändert. Voller Misstrauen, Argwohn und Vorurteile begegnen sie sich inzwischen. Die Bluttat hat sie entzweit und innerlich verhärten lassen.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die mittlerweile verstorbene Schauspielerin Monica Bleibtreu in einer ihrer letzten Rollen. Sie spielt die Schwester eines Opfers, die mittlerweile die gesamte Dorfgemeinschaft unter Generalverdacht stellt und dabei zunehmend den Verstand verliert.

Oberlis Thriller erinnert an Michael Hanekes jüngstes Meisterwerk „Das weiße Band“. Auch „Tannöd“ handelt von einem Ort, der beschaulich anmutet und doch das Böse beherbergt. Oberli schafft es mit ihrem Werk allerdings nicht ganz, die Intensität und emotionale Wucht des diesjährigen Cannes-Gewinners zu erreichen. Trotzdem ist auch „Tannöd“ ein bewegender Thriller, der den Zuschauer mit einem gewissen Unbehagen aus dem Kino entlässt.

„Tannöd“, Thriller, Deutschland 2009, 90 Minuten, FSK: 12, Regie: Bettina Oberli, Darsteller: Julia Jentsch, Monica Bleibtreu, Volker Bruch, Brigitte Hobmeier

Kinostart: 19. November 2009

ddp