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Kultur Tanztheater International startet in Jubiläumsausgabe
Nachrichten Kultur Tanztheater International startet in Jubiläumsausgabe
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10:56 31.08.2010
Warm anziehen, bitte: Die belgische Compagnie Peeping Tom zeigt ihre neue Choreografie „32, rue Vandenbranden". Quelle: Handout

Christiane Winter tanzt nicht. Sie wuchs in den sechziger Jahren auf dem Lande auf. Dem mädchen­typischen Traum vom Ballett hing sie nicht nach; für rosa Tutus war kein Platz in ihrer Welt. Heute dagegen dreht sich in Christiane Winters Leben alles um Tanz. „Das ist mein Genre“, sagt sie und betont dabei jedes einzelne Wort.

Seit dem Start des hannoverschen Festivals Tanztheater International 1985 zeichnet die heute 55-jährige studierte Kulturpädagogin verantwortlich für die gesamte Organisation – von der Auswahl der Choreografen über die Programmzusammenstellung bis hin zu Vertragsverhandlungen mit Künstlern und Bühnenbetreibern. Sie arbeitet wie ein professioneller Tänzer: Nach hartem Vorbereitungstraining mit manchem Spagat, mutigen Sprüngen, komplizierten Drehungen, aber auch Kehrtwendungen folgt der große Auftritt. Und den hat das Publikum bislang stets bejubelt.

Der Erfolg gibt Christiane Winter stets aufs Neue die Energie, um weiterzumachen. Was an ihren Kräften zehrt, ist die jährlich wiederkehrende Frage der Finanzierung. Bisher hat ihr vor allem die Stadt Hannover den Rücken gestärkt; auch die Stiftung Niedersachsen, das Land sowie die Kulturstiftung des Bundes und Sponsoren wie die Sparkasse Hannover haben sich regelmäßig an den Kosten von rund 300.000 Euro beteiligt. Doch keine Institution mag sich auf Jahre hinaus zur Finanzierung verpflichten. So ist jede Bitte, jeder Antrag auf Förderung des im norddeutschen Raum einmaligen Tanzereignisses immer ein Akt zwischen Hoffen und Bangen.

In der Gründungsphase mag es unbürokratischer zugegangen sein, und die Töpfe waren voller, aber das vom damaligen Theaterbüro Hannover initiierte Festival hatte buchstäblich noch keinen großen Namen: „Theater 85“ zog nicht so recht bei Sponsoren. Doch die Zuschauer waren begeistert. Und so machte man mithilfe von Rechenkunststücken weiter. Das zunächst auf Theater konzentrierte Projekt war eine Reaktion auf die Entwicklung der freien Szene in Deutschland: Immer mehr Künstler wendeten sich ab vom Staatstheaterbetrieb, um mit neuen Themen und Ausdrucksformen zu experimentieren. Ihnen sollte auch in Hannover eine Bühne geboten werden.

Geradezu explosionsartig seien zu jener Zeit die Veränderungen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes gewesen, erinnert sich Christiane Winter: „Susanne Linke, Pina Bausch oder Johann Kresnik setzten vollkommen neue Maßstäbe.“ Aus dem Theaterprojekt wurde schließlich ein internationales Festival für Tanz- und Theater. Das „Und“ wurde mit den Jahren immer kleiner auf den Plakaten und 1997 ganz gestrichen. Übrig blieb Tanztheater International. Das Publikum hatte mittlerweile so viel Gefallen am reinen Tanz gefunden, dass das Festival ohne Programmstütze aus dem Bereich Theater auskam.

Es war, wie beim Balletttraining, ein Loslösen von der Stange hin zur freien Bewegung und schließlich zur Spitze. Die Expo kam nach Hannover, und der für das Kulturprogramm der Weltausstellung zuständige Tom Stromberg erkannte den Stellenwert des Festivals als nationales Aushängeschild und holte es 2000 für vier Wochen auf das Messegelände. Große Namen wie Pina Bausch oder Anne Teresa De Keersmaeker zogen die Massen an. Tanztheater International war endgültig etabliert.

Christiane Winter hat den rauschenden Beifall von allen Seiten genossen, doch sie hob nicht ab. Für sie war klar, dass der Expo-Auftritt einmalig war, und sie machte keine Anstalten, von nun an jedes Jahr eine mehrwöchige Supershow zu stemmen. Sie hält das Festival lieber klein, dafür auf gleichbleibend hohem Niveau. Zwei Ziele hat Winter dabei vor Augen: zum einen, dass das hannoversche Publikum einen Überblick über die aktuelle Entwicklung im zeitgenössischen Tanz bekommt. Zum anderen, Künstler auf ihrem Weg zu begleiten und sie immer mal wieder einzuladen. So hält sie dem finnischen Starchoreografen Kenneth Kvarnström oder dem Multitalent Jan Lauwers mit seiner Needcompany seit Jahren die Treue. Beide sind auch bei der Jubiläumsausgabe vom 2. bis 11. September dabei. Doch das Festival würde nicht dem Anspruch gerecht werden, einen Überblick auf Strömungen in der Szene zu geben, wenn nicht auch kontrovers diskutierte Choreografen wie VA Wölfl mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten regelmäßig zu Gast wären. Auch bei jungen Künstlern beweist Winter ein gutes Gespür für Trends. Sie holte den mittlerweile als Shootingstar gefeierten Israeli Hofesh Shechter nach Hannover, als er noch vergleichsweise unbekannt war.

Tanztheater International bereichert die in Norddeutschland eher karge Tanzszene seit einem Vierteljahrhundert um ein Kulturereignis mit Weltklasseformat. Und das ist mit dem Namen Christiane Winter untrennbar verbunden. Bei Profitänzern endet die Karriere in der Regel mit Mitte dreißig. Dieses Schicksal könnte auch das Festival ereilen. Zehn Jahre will Christiane Winter Tanztheater International auf jeden Fall noch betreuen. Danach müsste jemand in ihre Fußstapfen treten. Doch der ist bislang nicht in Sicht. Winter jedenfalls ist dann 65 – und hat endlich Zeit, selbst tanzen zu lernen.

Mehr zum Programm unter www.tantheater-international.de, Karten unter Telefon (05 11) 16 84 12 22.

Kerstin Hergt

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