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Kultur Tausende demonstrieren in Berlin für Erhalt der East Side Gallery
Nachrichten Kultur Tausende demonstrieren in Berlin für Erhalt der East Side Gallery
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18:03 03.03.2013
5000 Menschen demonstrieren am Sonntag gegen den Teilabriss der East Side Gallery in Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Sie ist der längste noch erhaltene Abschnitt der Berliner Mauer: Etwa 6000 Menschen haben sich am Sonntag für den Erhalt der weltweit bekannten East Side Gallery stark gemacht. Trotz der unerwarteten Menschenmassen sei der Protest völlig friedlich und entspannt abgelaufen, berichtete eine Sprecherin der Polizei. Bei strahlendem Sonnenschein wurde auf einer Bühne neben dem bemalten Mauerabschnitt Musik gespielt, Teilnehmer hielten Reden. Es wurde auch zu einer Mahnwache aufgerufen. Die Galerie soll jetzt dauerhaft bewacht werden.

Auf dem betroffenen Gelände soll ein Hochhaus mit Luxuswohnungen errichtet werden. Bauherr Maik Uwe Hinkel kündigte ungeachtet des Protestes an, die Arbeiten schon an diesem Montag fortzuführen. In einer Stellungnahme wehrte er sich gegen die heftige Kritik an ihm und seiner Firma. Living Bauhaus habe sich vertraglich verpflichtet, die Versetzung der Mauerstücke zu organisieren.

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Auch Prominente wie der Schauspieler Ben Becker und der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele mischten sich unter die Menschenmenge an der Spree. „Ist Kultur den jarnischt mehr Wert?!“, stand auf einem der Plakate von Demonstranten. „Niemand hat die Absicht, Luxuswohnungen zu errichten“, spielte ein anderes Plakat auf Worte des einstigen DDR-Parteichefs Walter Ulbricht zum Mauerbau an.

Kinder hielten Plakate, auf denen stand: „Welche Mauer?“. Sterile Museen hätten niemals den gleichen Effekt wie ein Spaziergang an der echten Mauer, meinten einige Demonstranten.

Der von Künstlern bemalte Betonwall wird in nahezu jedem Berlin-Reiseführer als historische Sehenswürdigkeit gewürdigt. Die Empörung über die neuerliche Lücke in dem geschichtsträchtigen Bauwerk ist riesig - weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Auch die internationale Presse widmete sich dem Thema, nachdem Demonstranten am Freitag den vorläufigen Stopp der Bauarbeiten erzwungen hatten.

Medien wie die britische Tageszeitung „The Guardian“, der Fernsehsender „BBC“ oder die „Los Angeles Times“ informierten Leser und Zuschauer auf ihren Webseiten und via Twitter über den Streit an der Spree. „Herr Gorbatschow, reißen Sie die Mauer nieder, um luxuriöse Appartement-Blöcke zu bauen“, schrieb eine Leserin auf der Webseite des „Guardian“. Sie wandelte damit einen Appell des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan 1987 an den sowjetischen Parteichef ab.

„Wir haben den Regierenden Bürgermeister nach unserer heutigen Demonstration aufgefordert, dem geschichtsvergessenen Treiben Einhalt zu gebieten“ berichtete der stellvertretende Vorsitzende der DDR-Opferhilfe, Roland Schulz. „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt - diese Worte gelten auch heute.“ Ernst Reuter, legendärer Regierender Bürgermeister, hatte diese Worte 1948 während der Blockade West-Berlins durch die Sowjets gesprochen. Die Galerie müsse als Mahnmal für künftige Generationen erhalten bleiben.

Berlin muss historisch authentisch bleiben. Das ist unsere größte Stärke“, kritisierte der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Visit Berlin, Burkhard Kieker, den geplanten Teilabriss.

Nach Darstellung Hinkels sind seine Baupläne für den Luxusbau an der Spree nicht der Grund des Abrisses. Auch der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), hatte bereits Ende Februar der Nachrichtenagentur dpa gesagt, dass dieses Projekt nicht ausschlaggebend sei. Viel mehr solle an dieser Stelle auch die Brommybrücke über die Spree für Fußgänger und Radfahrer wieder aufgebaut werden - und dafür müsse eine Art Zugang geschaffen werden.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.