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Kultur Teilweise witzig: Kolumnist Axel Hacke liest
Nachrichten Kultur Teilweise witzig: Kolumnist Axel Hacke liest
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20:48 13.10.2017
„Ich bin doch nicht wahnsinnig“: Axel Hacke.
„Ich bin doch nicht wahnsinnig“: Axel Hacke. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Mittendrin, als der Autor gerade überlegt, was er als nächstes Thema aufgreifen soll, ruft eine Frau aus dem Publikum: „Fußball!“ Der Autor antwortet: „Ich stamme aus Braunschweig. Ich werde in Hannover nicht über Fußball reden. Ich bin doch nicht wahnsinnig.“

Der Saal ist ziemlich voll, als Axel Hacke am Mittwoch im Pavillon liest, und der Kolumnist, der Braunschweig schon vor Jahrzehnten hinter sich gelassen hat und in München wohnt, bei bester Laune. Wie seine Zuhörerschaft auch. Hacke präsentiert ein Best-of seiner Glossen aus dem Magazin der „Süddeutschen“. Es geht um Kinderfrühstücksbrotkäsestücke zwischen Autositzen, an die man vor lauter Zopfgummis und Playmobilfigurteilen nicht mehr rankommt. Oder um den ultimativen Unterschied zwischen Opel- und Mercedes-Fahrern (Opel- Fahrer schütteln Fußmatten aus, Mercedes-Fahrer klopfen sich die Schuhe ab, bevor sie das heilige Gefährt betreten). Oder - ganz aktuell in Niedersachsen - um die Qual der Wahl, die Hacke anhand der immergleichen Entscheidung für die Eissorte Malaga abhandelt. Weswegen er nicht unpolitisch ist: Warum etwa, fragt er, verfügt die SPD über so viele Kanzleramtsbewerber mit „Sch“? Schmidt, Scharping, Schröder, Schteinbrück, Schulz?

Wie immer zum Sichwegwerfen: Hackes Recherchen zu den Missverständnissen, die durch die hingenuschelten Texte unseres Liedguts entstehen. Warum sonst besingt Roland Kaiser in seiner Oberschnulze „Santa Maria“ einen „Schnitzelwagen“?

Und dann las Hacke noch aus seinem neuesten Buch, es heißt „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“. Es erzählt von Gesprächen beim Bier über Moral. Es ist auch lustig. Aber, ach, meist ist es das nicht. Meist belehrt es den Leser und weiß keine Lösung. Außer der, dass man nicht alles tun darf, was erlaubt ist, und dass man auch denen mit Respekt begegnen sollte, die man nicht versteht.

Das hat Axel Hacke in seinen Glossen schon viel besser beschrieben.

Nächste Lesung im Pavillon: Heute Abend, 19 Uhr, stellt die Autorin Leïla Slimani ihr Buch „Dann schlaf auch du“ vor.

Von Bert Strebe