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Kultur Augen zu, Känguru
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08:24 25.03.2014
Foto: Sänger und Gitarrist David Domminney Fowler von The Australian Pink Floyd Show.
Sänger und Gitarrist David Domminney Fowler von The Australian Pink Floyd Show. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Der schöne junge Mann steht im Mittelpunkt. Dunkles, langes Haar, die Traurigkeit der Augen von Kajal betont. Ein Foto von Roger Keith „Syd“ Barrett, erster Sänger von Pink Floyd, ziert lange die runde Leinwand in der Bühnenmitte der Swiss Life Hall. Das hier ist nicht bloßes Nachspielen, das ist auch eine Hommage an diesen tragischen Helden, der der Band als schlechtes Gewissen folgt, seit sie ihn 1968 rauswarf. Mit ihm wäre Pink Floyd wohl keine Band geworden, die Jahrzehnte später, wenn auch mit enormem technischen Aufwand, einfach so nachgespielt werden könnte.

Es kam anders. Mit dem epischen „Shine On You Crazy Diamond“, der Ode an den einst verstoßenen und 2006 gestorbenen Barrett, beginnt die Australian Pink Floyd Show in Hannover. Ein klarer, voller Sound erfüllt den Raum. Kunstnebel steigt auf. Auf der Bühne eine runde Leinwand, mit Strahlern umrandet, später fahren grüne Laserstrahlen durch den Saal. Es ist eine kleine Version der Bühne, mit der die echten Floyds 1994 auf ihrer „Pulse“-Tour im Niedersachsenstadion in Hannover spielten.

Die Australian Pink Floyd Show gilt als die beste Kopierband der Briten. David Gilmour, Sänger, Gitarrist und Nachfolger Barretts bei Pink Floyd, adelte die Australier vor einigen Jahren. Er sah die Kopie und fand sie so gut, dass er die Bandmitglieder bat, bei seinem Geburtstag aufzutreten. Mittlerweile ist sie Stammgast in Hannover – und viele Besucher sind Stammgäste bei ihr.

Die Band spielt überwiegend Songs der Siebziger-Klassiker „The Dark Side of the Moon“ und „Wish You Were Here“ sowie vom letzten Studioalbum „The Division Bell“ von 1994. Das Spiel der Australier ist fast perfekt. Stimmlich passen sie zum Original, der Aussie-Akzent ist aber nicht gänzlich weggeschliffen – was ganz charmant ist. Sie wissen, dass eine Kopie das Original nicht ersetzt – und nehmen es mit Ironie.

Aus dem Prisma vom „Dark Side“-Cover wird der Grundriss Australiens. Zum Instrumentalstück „One of These Days“ wird in der Bühnenmitte plötzlich ein riesiges fleischfarbenes Känguru mit gebleckten Zähnen aufgeblasen. Wie beim Original vor 20 Jahren endet das Konzert mit dem gewaltigen „Run Like Hell“. Für Fans alles lieb gewonnene Gewohnheiten.

Die Stücke sind auch heute nicht veraltet, nicht musikalisch, nicht textlich. Das schulsystemkritische „Another Brick in the Wall“ könnte auch die Musik zum Dokumentarfilm „Alphabet“ sein. „Pigs“ passt auch heute noch gut zur Weltpolitik. Allein die Illustrationen, die an das Werk von Gerald Scarfe erinnern sollen, wirken manchmal ein wenig billig.

Pink Floyd wird es nie wieder geben. Auch nicht in der zweiten Besetzung, seit Keyboarder und Soundtüftler Richard Wright 2008 starb. Wer die Musik nicht nur im heimischen Wohnzimmer hören will, dem bleiben zwei Alternativen: die großartige Show zu „The Dark Side of the Moon“ im Planetarium Hamburg  und die Kopierer mit dem Känguru.

Am 10. April in der O2-World Hamburg.

Von Gerd Schild

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