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Kultur „The Help“ ist ein einfühlsames Drama über schwarze Haushaltshilfen
Nachrichten Kultur „The Help“ ist ein einfühlsames Drama über schwarze Haushaltshilfen
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16:19 10.12.2011
Kaffeeklatsch und Rassentrennung: Alle plaudern, eine arbeitet.
Kaffeeklatsch und Rassentrennung: Alle plaudern, eine arbeitet. Quelle: Walt Disney
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Hannover

Buch und Film sind in den USA ein Überraschungserfolg gewesen. Es geht um die strikte Rassentrennung, die noch in den frühen Sechzigern des vorigen Jahrhunderts vor allem im Süden des Landes praktiziert worden ist.

Unter der Apartheid leiden die schwarzen weiblichen Hausangestellten, die im Zentrum des Films stehen. Sie dürfen nicht einmal die Toiletten ihrer weißen Herrschaft benutzen – das Gesetz verbietet das.

Schauplatz ist Jackson, Mississippi. Dorthin kehrt nach Beendigung ihres Studiums die junge, weiße Eugenia „Skeeter“ Phelan (Emma Stone) zurück. Sie träumt von einer Karriere als Autorin im fernen New York und beginnt – um Berufserfahrungen zu sammeln – einen Job als Journalistin bei der Zeitung ihres Heimatortes. Anfangs ist sie als Kolumnistin zuständig für die Haushaltstipps. Weil sie davon als Sprössling einer reichen Südstaaten-Familie keine Ahnung hat, bittet sie Aibileen, die schwarze Hausangestellte ihrer Freundin Hilly Holbrook (wunderbar biestig: Bryce Dallas Howard), um Hilfe.

"The Help" lässt sich nicht leicht einordnen. Es ist Rassendrama über schwarze Hausmädchen, aber auch ein humorvoller Film über die weißen Society-Damen der 1960er Jahre. Der Film startet am 8. Dezember in den Kinos.

Durch die Gespräche mit Aibileen (Viola Davis) beginnt Skeeter, sich immer mehr für die schwarzen Hausangestellten zu interessieren. Sie bietet das Thema einem New Yorker Verlag als Stoff für ein Buch an. Aktuell und brisant ist das Thema auch im Norden der USA: Die Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King entsteht gerade.

Aibileen ist anfangs eher zögerlich und ängstlich, ja durch das Interesse an ihr irritiert, bis sie schließlich zunehmend bereit ist, über ihr Leben zu sprechen. Dabei erfährt der Zuschauer, dass die schwarzen Hausmädchen nicht nur für Putzen und Kochen zuständig gewesen sind, sondern dass sie sich auch als Ersatzmütter um die Kinder ihrer weißen Herrschaften gekümmert haben. So hat Aibileen in ihrem Angestelltenleben 17 fremde Kinder großgezogen. Sie hat die Kinder geliebt – bis sich diese als Erwachsene den von Weißen dominierten rassistischen Spielregeln ungebrochen angepasst haben.

Die Gespräche zwischen Skeeter und Aibileen verändern beide. So entwickelt sich die stille Hausangestellte zunehmend zu einer selbstbewussten Frau, die auch von ihrer Freundin Minny (Octavia Spencer) und anderen Leidensgenossinnen unterstützt wird. Skeeter wird durch die Erfahrungsberichte ihrer Gesprächspartnerinnen zunehmend zu einer Kritikerin der Rassentrennung und stößt selbst in ihrem Freundeskreis bald auf Widerstand. Konflikte sind programmiert.

Das alles klingt vielleicht ein bisschen trocken, ist aber im Film packend und überaus lebendig erzählt. Es gibt herrliche Szenen, die den Snobismus und die Verklemmtheit der Damen der weißen Gesellschaft auf durchaus komische Weise beschreiben. Dagegen wirken die weiblichen Hausangestellten bei aller Unterwürfigkeit wesentlich lebendiger, und ihre Geschichten stecken oft voll herrlicher Komik. Auch tragische Begebenheiten kommen nicht weinerlich daher, sondern besitzen stets eine Spur sich entwickelnden Rebellentums.

Ein großes Plus dieses empfehlenswerten Films sind die Schauspielerinnen. Die erst 23-jährige Emma Stone, die demnächst in „The Amazing Spider-Man“ zu sehen sein wird, beweist, dass sie auch ernste Rollen spielen kann. Und die beiden Afroamerikanerinnen Viola Davis und Octavia Spencer werden wegen ihrer großartigen darstellerischen Leistung schon jetzt als heiße Oscar-Anwärterinnen gehandelt.

Erwachendes Selbstbewusstsein: Einfühlsames Drama über schwarze Haushaltshilfen in den USA. Cinemaxx Nikolaistraße, CineStar.

Ernst Corinth