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„The Jeremy Days“ feiern Comeback – 23 Jahre nach ihrer Trennung

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11:25 14.08.2019
Der Musiker Dirk Darmstaedter (2.v.l.) und die Mitglieder der Hamburger Band The Jeremy Days kehren auf die Bühne zurück. Quelle: Dennis Dirksen/28IF MUSIKPROMOTI
Berlin/Hamburg

Dirk Darmstaedter hat schon viel erlebt in gut 30 Jahren Musik-Business, als Hamburger Jung' neigt er zur nüchternen Sprache. Für seinen Ausblick auf den Spätherbst hat der Singer-Songwriter und Label-Gründer auf seiner Webseite aber ausnahmsweise Worte aus dem Boulevard-Baukasten benutzt: „The Unlikely Return. The Jeremy Days sind zurück!“ Eine kleine Sensation für Freunde anspruchsvoller Popmusik aus Deutschland kündigt er da an.

Zwischen 1988 und 1996 war die Band eine große Nummer

Es ist tatsächlich „eine unwahrscheinliche Rückkehr“, wenn die Gitarrenpop-Band, mit der Darmstaedter zwischen 1988 und 1996 eine ziemlich große Nummer war, nun 23 Jahre später im reiferen Alter wieder auf die Club-Bühnen klettert. Fast droht bei all der Euphorie vieler Jeremy-Days-Fans unterzugehen, dass der 54-Jährige bereits im August ein neues Soloalbum vorlegt: „Strange Companions“ setzt die Serie von Platten fort, mit denen er seinen guten Ruf seit Mitte der 90er Jahre kontinuierlich ausgebaut hat.

Mehr zum Thema: Die Popastronauten

„Hätten Sie mich vor zehn Jahren gefragt, hätte ich gesagt: Wird nie stattfinden, kann gar nicht gehen“, sagt Dirk Darmstaedter über das Comeback seiner Jungs-Band, deren Ohrwurm „Brand New Toy“ (1989) immer noch gern im Radio gespielt wird. „Wir hatten ja seit fast 15 Jahren kaum mehr miteinander gesprochen. Aber wie das so ist im Leben: Manchmal passt es dann wieder.“

Für den Winter ist eine Tournee geplant

The Jeremy Days, zur Wende-Zeit eine der erfolgreichsten deutschen Bands mit dem in perfektem Englisch singenden Frontmann Darmstaedter, feierten schon Anfang dieses Jahres im Hamburger „Docks“ eine von 1500 Fans begleitete Rückkehr - zunächst als einmalige Sache. „Es war eine Stimmung im Saal, die ich kaum beschreiben kann“, erinnert sich der Sänger gern zurück. Nun soll es mit einer Tournee im November/Dezember - weitgehend in Jeremy-Days-Originalbesetzung - ebenso emotional weitergehen. „Das Schöne an der Sache ist ja: Der Druck ist raus, wir müssen nichts mehr beweisen“, sagt Darmstaedter. „Wir wollen unsere wiedergewonnene Freundschaft feiern und einfach Spaß haben.“ Dass der Sound der Band - beeinflusst vom 80er-Jahre-Britpop von The Smiths, Lloyd Cole & The Commotions oder Aztec Camera - bis heute funktioniert, steht für ihn außer Frage.

Frontmann Dirk Darmstaedter bewies nach Band-Aus Eigenständigkeit

Ob es dann auch ein neues, also ein sechstes Album der Jeremy Days - inzwischen fünf Männer um die Fünfzig - geben wird? „Wir machen das jetzt Schritt für Schritt. Aber warum nicht?“, sagt der Sänger. „Ich hab' ja sowieso immer zehn neue Songs in der Hosentasche. Alles kann, nichts muss.“ Darmstaedter geht es locker an - denn seit dem offiziellen Ende der Jeremy Days vor 23 Jahren bewies er schon oft genug seine Eigenständigkeit. Er hat die Hamburger Indie-Plattenfirma Tapete mitgegründet und zum Erfolg geführt (und dann freiwillig hinter sich gelassen). Er moderiert einmal pro Monat bei Radio Bremen seine eigene Sendung "Sounds Like Dirk" (Bremen zwei, freitags 19.00 bis 22.00 Uhr). Vor allem aber hat er seit Mitte der 90er ein Dutzend Alben unter eigenem Namen oder als Me And Cassity aufgenommen - mit einem typischen Darmstaedter-Klang.

Dirk Darmstaedter: "Ich laufe nicht hinter irgendwelchen Styles her"

Es sind stets warme, sauber komponierte und perfekt produzierte Lieder in der klassischen Besetzung: Gitarre, Bass, Schlagzeug, manchmal auch Klavier und Keyboards. „Ich möchte zeitlose tolle Popsongs zu schreiben. Ich laufe nicht hinter irgendwelchen Styles her“, so sein Credo. „Sie können mir zwei Trompeten geben und sagen: Machen Sie mal mit den zwei Trompeten eine Platte“, sagt der mit Ehefrau Georgia bei Hamburg lebende Vater von zwei erwachsenen Kindern. „Am Ende kommt dann doch eine Dirk-Darmstaedter-Platte dabei heraus. Und das ist in Ordnung.“

Eine schöne Platte, aber der große Hit fehlt

Auch "Strange Companions" ist nun wieder so ein grundsolides Werk: zehn Stücke, alle von ihm selbst geschrieben und produziert, mit nur wenigen Gastmusikern eingespielt. Eine schöne Platte, die Darmstaedter zwar keinen großen Hit wie "Brand New Toy" einbringen dürfte, auf die er aber stolz sein kann. Besonders zufrieden ist er mit den beiden ersten Songs des Albums: ""Wilhelmsburg" und "The Sea Before Us" gehören wohl in den Kanon meiner wichtigen Stücke. Das sind die beiden Lieder, die ich in zehn Jahren noch gern hören und spielen werde."

Auch der im Gespräch so munter klingende Dirk Darmstaedter kennt natürlich Phasen, in denen er am Pop-Business verzweifelt - erst recht in Zeiten der digitalen Entwertung von Musik. Doch zur Wehleidigkeit neigt der 54-Jährige nicht: "Warum soll ich klagen? Ich habe ein eigenes Studio, bin gesund, komme da also jeden Tag die Treppe hoch. Alles gut."

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RND/dpa

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