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19:01 10.07.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto: Leute, Leute: Bei „The Record“ sind Laiendarsteller auf der Bühne.
Leute, Leute: Bei „The Record“ sind Laiendarsteller auf der Bühne. Quelle: Cameron
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Theater entfaltet seinen besonderen Reiz, weil man nie genau vorhersagen kann, was geschehen wird. Kino ist immer gleich, Theater ist immer anders. Das dürfte auch bei dieser neuen Theaterform so sein, obgleich hier alles minutiös durchgeplant ist. „The Record“ der Gruppe „600 Highwaymen“ ist ein Spiel in einem engen Koordinatensystem. Es ist minutiös durchgeplant – und trotzdem spannend, weil viel geschehen kann.

Der Bühnenboden ist schachbrettartig strukturiert, die Darsteller bewegen sich etwa von A5 über B3 nach C4. Hinten im Zuschauerraum und rechts und links der Bühne befinden sich Bildschirme, die zehntelsekundengenau die Zeit anzeigen. Die Darsteller müssen also nur wissen, wann sie wo sein und was sie dort zu tun haben. Alles folgt einem präzisen Plan.

Dass bei dieser theatralen Installation trotzdem alles neu und aufregend ist, liegt an den 43 Darstellern. Ganz normale Menschen aus der Region treten auf. Die Altersspanne reicht von 7 bis 77, viele stehen hier zum ersten Mal auf der Bühne. Regisseurin Abigail Browde, die das Stück zusammen mit Michael Silverstone entwickelt hat, hat mit jedem Darsteller einzeln geprobt. Erst bei der Premiere im Ballhof fügten sich die Einzelaktionen zu einem großen Ganzen zusammen. Schrittfolgen sind zu sehen, Aufstellungen, Durchmischungen. Manchmal legt einer dem anderen die Hand auf die Schulter, manchmal reichen zwei einander die Hände, manchmal wird geklatscht. Gesprochen wird nicht. Man betrachtet das wie ein verrücktes Uhrwerk, freut sich, wie eins ins andere greift, wie das alles zusammenhängt und wie gut diese Theatermaschine funktioniert.

Aber da ist auch noch etwas anderes. Das Spiel ist zwar stumm, aber es erzählt doch etwas. Junge und alte Menschen stehen auf der Bühne, Frauen (in der Überzahl) und Männer, Jugendliche, Kinder. Alle tragen sommerliche Freizeitkleidung, jeder stellt etwas dar. Es ist spannend, wie sich aus lauter Individuen eine Gruppe formt, die sich dann wieder in lauter Individuen auflöst.

Bei der Zeitangabe 50:24 gehen sie alle gemeinsam in eine gewisse Schräglage, so als bliese ihnen ein starker Wind ins Gesicht. Das ist gar nicht nötig. Denn natürlich sind viele Freunde und Verwandte im Saal. Die spenden am Ende freundlichen Applaus. Und die Darsteller lächeln glücklich.

Am heutigen Sonnabend wird „The Record“ noch einmal um 16 Uhr im Ballhof aufgeführt. Die Theaterformen enden am Sonntag um 21.30 Uhr mit dem Abschlusskonzert der Pentatones im Festivalzentrum.

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