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Kultur „The Social Network“ räumt bei den Golden Globes ab
Nachrichten Kultur „The Social Network“ räumt bei den Golden Globes ab
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13:28 18.01.2011
Von Stefan Stosch
In Los Angeles wurden die Golden Globes verliehen. Quelle: dpa (Archiv)
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Die Golden-Globe-Verleihung bietet für Hollywoodstars einige Vorteile. Sie müssen nicht wie beim Oscar stundenlang wie angenagelt auf ihren reservierten Sesseln hocken und in die lauernden Kameras lächeln, sondern genießen großzügige Freilaufhaltung. Diese nutzen sie beispielsweise, um ihre Edelgarderobe für die neue Preissaison zu testen. Angelina Jolie etwa trug am Sonntagabend bei der Dinnerparty in Beverly Hills ein hautenges grünes Glitzerwerk spazieren, die schwangere Natalie Portman ein reizendes rosa Seidenkleid mit einer roten Rose am Dekolleté. Unbestrittener Höhepunkt der Preisverleihungen ist dann die Oscar-Show, terminiert auf den 27. Februar. Bei diesem Ernstfall muss die jetzige Vorstellung noch einmal getoppt werden.

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So genießen die Globes einen Ruf als Hollywoodparty – was wohl auch der britische Moderator Ricky Gervais so sah. Er habe sich auf „eine Nacht mit Partymachen und wildem Trinken“ gefreut oder – wie Michael Sheen es nennen würde – „Frühstück“, witzelte der Comedian. Gervais war so respektlos, dass er nicht unbedingt wieder mit einer Einladung im nächsten Jahr rechnen sollte.

Vergeben werden die goldglänzenden Weltkugeln von gerade einmal rund 100 Auslandsjournalisten in Hollywood, die sich immer mal wieder Korruptionsvorwürfen ausgesetzt sehen. Im unübersichtlichen Globe-Preisregen werden Fernsehen und Kino in einen Topf geworfen, gleichzeitig aber wird zwischen den Kategorien Drama und Musical unterschieden. Doch gilt die Verleihung als Oscar-Barometer – wenn auch nicht mit hundertprozentiger Treffergarantie. Im vorigen Jahr wurde bei den Globes „Avatar“ gekürt, bei den Oscars triumphierte dann aber „The Hurt Locker“.

David Finchers Chancen auf den großen Oscar-Coup dürften jedoch gestiegen sein. Sein biografisches Drama über die Karriere des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg wurde gleich mit vier Trophäen ausgezeichnet: als bestes Drama, für die beste Regie, das beste Drehbuch und auch die beste Filmmusik. Die Entscheidung ist nur zu begrüßen: Finchers „The Social Network“ gehört zu den brillantesten Filmen der Saison, und nebenbei mischt sich der Regisseur auch noch in unsere Gegenwart ein. Er geht Zuckerberg hart an und stellt den Mann mit den 500.000 Internet-Freunden als unkommunikativen Typen dar, dem es mit seiner Erfindung gewiss nicht darum ging, die Menschheit näher zueinander zu bringen.

Dass Michael Douglas dazu auserkoren war, den Hauptpreis im Beverly Hills Hotel zu vergeben, machte diesen Moment zu einem besonderen. Der stark abgemagerte 66-Jährige verkündete an diesem Abend, dass er den Kehlkopfkrebs endlich besiegt habe. Einen größeren Applaus als Douglas bekam kein Preisträger.

Es gab bei der Globe-Gala auch eindeutige Verlierer, allen voran der Deutsche Florian Henckel von Donnersmarck. Dreimal war dessen romantische Venedig-Komödie „The Tourist“ nominiert, dreimal ging der Film mit Johnny Depp und Angelina Jolie leer aus. Das Rennen in der Sparte „Beste Komödie/Musical“ machte „The Kids Are All Right“, eine amüsante Geschichte über ein lesbisches Paar, dessen Kinder ihren biologischen Vater kennenlernen wollen; Annette Bening heimste den Darstellerpreis ein und verwies Jolie auf die Plätze.

Überflieger Donnersmarck musste sich zu allem Überfluss Hohn und Spott auf offener Bühne gefallen lassen. „Ich habe ,The Tourist‘ gar nicht gesehen“, flachste Moderator Gervais. Und fügte hämisch hinzu: „Wer schon?“ An der Kinokasse war „The Tourist“ ein relativer Flop. Mancher Hollywoodianer hatte sich sowieso darüber gewundert, dass es die Komödie überhaupt auf die Nominiertenliste geschafft hatte.

Noch überraschender an diesem Abend aber war wohl, dass die Juroren Christopher Nolans hochgelobten Thriller „Inception“ mit Leonardo DiCaprio komplett übergingen (auch den nominierten deutschen Komponisten Hans Zimmer). Das Historiendrama „The King’s Speech“ (deutscher Kinostart: 17. Februar), das mit sieben Nominierungen als Favorit galt, musste sich am Ende mit einem einzigen Preis begnügen. Den holte sich Hauptdarsteller Colin Firth als stotternder König Georg VI.

In der weiblichen Konkurrenz setzte sich dagegen erwartungsgemäß die Favoritin durch: Natalie Portmans Auftritt als selbstzerstörerische Balletttänzerin in „Black Swan“ (ab Donnerstag im Kino) konnten die Auslandsjournalisten nicht widerstehen.

So lagen an diesem Abend in Hollywood Frust und Freude dicht beieinander. Vielleicht muss man die Gelassenheit eines Robert De Niro mitbringen, um das Globe-Spektakel nicht ernster als nötig zu nehmen.

Der 67-Jährige wurde unter Bravorufen für sein Lebenswerk geehrt – und witzelte, dass die Juroren wohl seinen jüngsten Film noch nicht gesehen hätten. Seine aktuelle, belanglose Komödie heißt „Meine Frau, unsere Kinder und ich“. Doch wusste De Niro genauso wie alle anderen, dass er für Kinosensationen wie „Taxi Driver“ oder „Wie ein wilder Stier“ da oben auf der Bühne stand.

Die Gewinner in den wichtigsten Sparten:

Bestes Filmdrama: „The Social Network“

Beste Komödie oder bestes Musical: „The Kids Are All Right“

Bester ausländischer Film: „In einer besseren Welt“ von Susanne Bier (Dänemark)

Beste Regie: David Fincher („The Social Network“)

Bester Schauspieler in einem Filmdrama: Colin Firth („The King’s Speech“)

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: Natalie Portman („Black Swan“)

Bester Schauspieler in einer Komödie oder einem Musical: Paul Giamatti („Barney’s Version“)

Beste Schauspielerin in einer Komödie oder einem Musical: Annette Bening („The Kids Are All Right“)

Beste Fernsehserie in der Sparte Drama: „Boardwalk Empire“

Beste Fernsehserie in der Sparte Komödie oder Musical: „Glee“

Beste Miniserie oder bester Film im Fernsehen: „Carlos – Der Schakal“

Ronald Meyer-Arlt 17.01.2011
Ralf Heußinger 17.01.2011