Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Alles Schwindel
Nachrichten Kultur Alles Schwindel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:51 11.09.2014
Überaus raffiniert: „The Vertigo Dance Company“. Quelle: Ammerpohl
Anzeige
Hannover

Die Israelin zählt zu den erfolgreichsten und produktivsten Choreografinnen ihres Landes. „Vertigo 20“ ist die turbulente und sehenswerte Zusammenfassung ihrer 20-jährigen Arbeit mit der von ihr 1993 gegründeten  „Vertigo Dance Company“.

Der Begriff Vertigo steht bei Wertheim zwar weniger für Alfred Hitchcocks gleichnamigen Psychothriller um einen von Liebeskummer und Höhenangst geplagten Polizisten als vielmehr für den lateinischen Ausdruck für Umdrehung oder Schwindel. Doch wer Wertheims Choreografie jetzt beim Festival Tanztheater International in der Orangerie Herrenhausen gesehen hat, musste unweigerlich an den Krimiklassiker denken: Kühl, elegant, spannungsgeladen und überaus raffiniert zieht „Vertigo 20“ die Zuschauer in seinen Bann.

Anzeige

Gleich zu Beginn der Produktion, die erstmals in Deutschland aufgeführt wurde, lässt Wertheim zwei Tänzerinnen mit turmhoch toupierten Haaren auftreten. Das Styling und die an die Mode der Renaissance erinnernden Kostüme mit bauschigen kurzen Hosen und eng anliegenden Spitzenoberteilen sind echte Hingucker. Das zwölfköpfige Ensemble hat den Sonntagsstaat angelegt, um zu feiern. Es wird ein Fest, bei dem es mal fröhlich und wild, mal melancholisch, mal dramatisch zugeht. Getanzt wird pausenlos. Es gibt kein Innehalten. Schließlich läuft die Zeit. Alles in dieser Retrospektive dreht sich um Höhen und Tiefen. An die Bühnenwände montierte Trittbretter nutzen die Tänzer immer wieder, um hinaufzuklettern und sich anschließend herunterfallen zu lassen.

Oftmals fegen sie in atemberaubendem Tempo über den Bühnenboden und nehmen Anlauf zu waghalsigen Sprüngen. Dann wieder schleichen sie katzenhaft umher oder winden sich geschmeidig wie Schlangen im Zeitlupentempo. Die Musik (Ran Bagno) ist abwechselnd geprägt von lautem Schlagwerk, verträumten Klavierklängen oder wildem Trommelrhythmus. Kaleidoskopartig führt Wertheim ihre reiche Bewegungssprache vor Augen. Dabei zuzuschauen, wie die Tänzer in wechselnden Formationen die Kapitel von Wertheims künstlerischer Vita perfekt miteinander verweben, ist ebenso schön wie schwindelerregend. WertheimsVertigo“-Effekt ist ein wahrer Rausch. Und zwar ganz ohne Absturzgefahr. Ovationen im Stehen.

Freitag und am Sonnabend, jeweils von 20 Uhr an, bestimmt Ann Van den Broek das Programm von Tanztheater International in der Orangerie Herrenhausen.

von Kerstin Hergt

Stefan Stosch 13.09.2014
Kultur Shortlist für den Deutschen Buchpreis - Eines wird das Beste sein
10.09.2014
Kultur „Not Punk, Pololo“ - Auf die Ohren
10.09.2014