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Kultur Theategruppen bringen Capote auf die Bühne
Nachrichten Kultur Theategruppen bringen Capote auf die Bühne
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09:18 02.05.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Anleitung zum Lustigsein: Alexandra Faruga, Matthias Buss und Sabine Trötschel. Quelle: Ralf Mohr
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Hannover

Truman Capote war ein großer Schriftsteller. Sein zweiter Roman, „Die Grasharfe“ (darauf folgte „Frühstück bei Tiffany“) ist eine wunderschöne Jugend- und Außenseitergeschichte. Drei freie Theatergruppen, das Theater Fenster zur Stadt, die Theaterwerkstatt und das Theater Triebwerk, haben sich jetzt zusammengetan, um den Roman auf die Bühne zu bringen. Es ist nicht die erste Koproduktion dieser Gruppen, 2008 schon haben sie das Kinderstück „Die Reise nach Ugri La Brek“ aufgeführt (und sind dafür mit dem Preis für Freies Kinder- und Jugendtheater der Lottostiftung ausgezeichnet worden), 2011 haben die Gruppen „Robin Hood – wir sind der Wald“ gemeinsam herausgebracht.

Im Zentrum ihrer Adaption von Capotes Roman steht Musik. Heino Sellhorn am Kontrabass und Uwe Schade am Cello unterlegen viele Szenen im Theater im Pavillon mit atmosphärisch passenden Zupf- und Streichklängen. Manchmal singt Heino Sellhorn auch, das klingt sehr schön nach Western und Sehnsucht und ein bisschen nach Verzweiflung.

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Alle Darsteller sind in verschiedenen Rollen zu sehen, die Hauptrolle, den heranwachsenden Collin, spielt Matthias Buss mit charmanter Verschrobenheit.  Knapp zwei Stunden dauert das Stück, es hat einige lichte, poetische Momente – aber es zieht sich auch. Die Inszenierung von Ruth Rutkowsky und Carsten Hentrich (von der Gruppe Fenster zur Stadt) ist oft recht konventionell. Das Freie Theater macht Stadttheater – Stadttheater von vor zwanzig Jahren.

Manche Szenen sind von großer Betulichkeit, und manchmal wirkt es, als ducke man sich vor schwierigen Fragen einfach weg. Wie soll man Catherine, die Freundin, mit der Dolly und Collin ins Baumhaus flüchten, darstellen? Sie ist dunkelhäutig; Blackfacing, das Dunkelschminken der Haut, gilt als unfein. Alexandra Faruga verzichtet auf Schminke, trägt aber dafür darstellerisch dick auf. Das ist wie Blackfacing ohne Schminke.

Und wenn ältere Schauspielerinnen junge Mädchen spielen und dabei ins Görenklischee verfallen, ist unverkennbar, dass das freie Theater auch ganz schön in die Jahre gekommen ist.

Wieder am 5., 6., 28. und 30. Mai sowie am 3., 4., 7., 8. und 9. Juli im Theater im Pavillon.

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