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Kultur Irren ist göttlich
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19:48 05.05.2015
Von Uwe Janssen
Im Bann des Ariadnefadens: Probenszene in der Eisfabrik. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Es ist ein bisschen Horrorfilm, was da von der Decke hängt. Wie Wirbelsäulen sehen die Stränge aus, stattdessen sind es Steine, die wie Perlen auf einer Schnur gereiht sind. Unter ihnen agieren Schauspieler. Sie schreien, reden, rudern mit den Armen. Einer boxt und murmelt dabei mantraartig Muhammad Alis Worte „Float like a Butterfly, Sting like a Bee“. Dann unterbricht Wolfgang A. Piontek. Der Regisseur geht am Rande der Spielfläche in der Eisfabrik mit wie ein Trainer in der Ringecke. Die Ali-Anspielung ist kein Zufall. Piontek ist bekennender Box- und Ali-Fan, er hat schon ein eigenes Stück über den größten Boxer der Geschichte gemacht. In seinem neuen Stück „Minotaurus/Selfie im Labyrinth“ übernimmt in einer Kampfszene ein roter Boxsack kurzzeitig eine Rolle in der griechischen Mythologie.

Die Proben für das neue Stück sind in vollem Gange. Ende Mai ist die Uraufführung, am 8. Mai bereits eine öffentliche Probe. Und es gibt buchstäblich viele Baustellen, denn nicht nur die Handlung rund um den Mythos des Minotaurus ist komplex, sondern auch das Spektrum der Darstellungsformen zwischen Musik, Theater und Tanz.

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Zudem kommt der Zuschauer in der Eisfabrik wieder mal gut rum. Denn Piontek, der mit den Choreografen Felix Landerer und Pedro Goucha Gomes das Stück für die Commedia Futura entwickelt, lässt das Publikum laufen. Zwischen den Spielorten, durch die Gänge. Ein bisschen Labyrinthgefühl soll ruhig auch beim Zuschauer aufkommen in der Geschichte des Stierkopfmenschen Minotaurus, dem in seinem labyrinthischen Gefängnis alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen geopfert werden.

Laufspiele in der Eisfabrik: die Commedia Futura probt das Stück „Minotaurus/Selfie im Labyrinth“.

„Archaisches, körperbetontes Bildtheater“ nennt der Regisseur seinen Part an der Inszenierung. Es gehe nicht darum, die ganze Geschichte zu erzählen, sondern die Sinne der Besucher wecken. Kein getanzter Wikipedia-Eintrag also. „Das ist schon zertrümmert und fragmentarisch, aber die Zuschauer sollen die Tiefen spüren. Sie sollen weinen und lachen.“

Das Motiv des Labyrinths taucht noch an anderer Stelle auf. Auch für die Schauspieler ist die Entwicklung des Stücks ein Suchen und Finden. „Die Schauspieler müssen sich öffnen, sie müssen improvisieren, sie haben keine Sicherheiten. Sie sind nicht aufgehoben wie in einem Shakespeare-Stück, sondern sie sind wie ein Stück Treibholz in einem Fluss.“ Heißt: Tänzer müssen schauspielern, Schauspieler müssen tanzen.

Froh ist Wolfgang A. Piontek über die Mitarbeit des Choreografen Landerer, auch bei der Suche nach den richtigen Schauspielern. „Felix’ internationale Kontakte sind sehr hilfreich. Aber er schätzt auch die Arbeit mit uns. Wenn er international agiert, muss er auch bedienen, da gibt es Erwartungen. Hier kann er ohne Wenn und Aber schöpfen, wie er möchte.“

Premiere von „Minotaurus/Selfie im Labyrinth“ ist am 29. Mai in der Eisfabrik, Seilerstraße 15f, das Stück läuft bis zum 11. Juli. Am 8. und 15. Juli um jeweils 18 Uhr gibt es öffentliche Proben, zu denen der Eintritt frei ist. Weitere Infos: www.commedia-futura.de.

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