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Kultur Theaterformen stellen Programm vor
Nachrichten Kultur Theaterformen stellen Programm vor
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19:46 11.04.2012
Von Ronald Meyer-Arlt
Haarige Angelegenheit: In „1999“ präsentiert der französische Performancekünstler Gérald Kurdian eine „One-Man-Science-Fiction-Lo-Fi-Oper“.
Haarige Angelegenheit: In „1999“ präsentiert der französische Performancekünstler Gérald Kurdian eine „One-Man-Science-Fiction-Lo-Fi-Oper“.
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Braunschweig

„100 Prozent Braunschweig“ heißt die erste Produktion der neuen Ausgabe des Festivals Theaterformen, das am 31. Mai beginnt. Für das Stück der Gruppe Rimini Protokoll, das im Braunschweiger Staatstheater aufgeführt wird, ist der Titel zutreffend, denn hier werden 100 Braunschweiger mitwirken und einige statistische Fragen zur Stadt auf der Bühne beantworten. Für das Festival freilich gilt der Titel nicht. Denn die Theaterformen sind nicht 100 Prozent Braunschweig, sondern nur 50 Prozent - und 50 Prozent Hannover. Es ist das einzige deutsche Theaterfestival, das abwechselnd in zwei Städten stattfindet. Im kommenden Jahr wird wieder Hannover der Veranstaltungsort sein.

Die Theaterformen gehören zu den wichtigen internationalen Theaterfestivals in Deutschland. In diesem Jahr liegt der Etat bei 950000 Euro; 400000 Euro kommen vom Land, 300000 Euro von der Stadt Braunschweig, 150000 Euro von der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz und 75000 Euro von der Stiftung Niedersachsen. Die Veranstalter rechnen mit 7300 verkauften Karten - was heißt, dass jede Karte mit etwa 130 Euro bezuschusst wird. Das muss kein schlechtes Geschäft sein. Denn die Theaterformen haben sich als Marke etabliert. Das Festival macht Werbung für Niedersachsen, und es hat immer wieder spannende neue Theaterformen präsentiert.

Bei der Vorstellung des Programms im Staatstheater Braunschweig wies Annette Schwandner, Leiterin der Kulturabteilung im Ministerium für Wissenschaft und Kultur, darauf hin, dass die Theaterformen Wichtiges für die Theaterlandschaft leisten. Sie bringen internationales Theater ins Land, führen dem Publikum neue Spielweisen vor und bieten viele Projekte an, bei denen die Zuschauer mitmachen können.

Ein Themenschwerpunkt des Festivals, das vom 31. Mai bis zum 10. Juni an verschiedenen Spielstätten in Braunschweig stattfindet, trägt den Titel „Du bist die Stadt“. „Der urbane Raum erlebt zurzeit auch als Ort der politischen Auseinandersetzung eine Renaissance“, sagte Festivalintendanten Anja Dirks bei der Vorstellung des Spielplans. Mit der Stadt beschäftigen sich nicht nur die Theatermacher von Rimini Protokoll. Es gibt auch Theater in einem Schaufenster, Choreografien auf öffentlichen Plätzen und eine utopische Stadt, die sich die Festivalbesucher aus Pappe selbst konstruieren können.

Aus Pappe sind auch die Spielobjekte von „Springville“, einem Stück der belgischen Künstlerin Miet Warlop. Ein Karton mit einer Art Rüssel und ein Stehtisch auf Stöckelschuhen spielen hier die Hauptrollen - diese surreale Geschichte ist sicher eine ganz besondere Theaterform. Skurril sind oft auch die Arbeiten der britischen Gruppe „Forced Entertainment“. Ihr Stück „The Coming Storm“ wird in Braunschweig kurz nach seiner Premiere zu sehen sein, danach wird es auf Festivals in Avignon, Zürich, Wien, Paris und London gezeigt. Spannend dürfte auch „Look at the Streets ... “ sein, ein Stück von Mohammad al-Attar (Text) und Omar Abu Saada (Regie) aus Syrien, das die politische Situation in ihrem Land reflektiert.

Einer der Höhepunkte unter den 59 Vorstellungen des Festivals, an dem sich 140 Künstler aus zwölf Ländern beteiligen, dürfte „Meine faire Dame - ein Sprachlabor“ sein. Christoph Marthaler, der Meister für aus der Zeit gefallenes musikalisches Theater, verlegt das Musical „My Fair Lady“ in ein Sprachlabor der siebziger Jahre.

Eine poetische, nachdenkliche und sehr komische Arbeit steuert Mats Staub bei. Der Künstler, der bei den Theaterformen in Hannover mit einen „Erinnerungsbüro“ dabei war und Besucher von ihren Großeltern erzählen ließ, wird eine Videoinstallation präsentieren, in der Menschen zu sehen sind, denen schwierige Fragen gestellt werden. Man kann sie dann beim Nachdenken beobachten.

Der Vorverkauf beginnt am Donnerstag. Informationen: www.theaterformen.de

Martina Sulner 11.04.2012
11.04.2012
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