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Kultur Kindersoldaten, Sex und Liebe
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09:08 27.10.2014
Drastischer Stoff, überzeugend inszeniert: „Kinder/Soldaten“ im Ballhof. Quelle: Schauspiel Hannover
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Hannover

Das Schauspiel richtet bis heute das 25. Bundestreffen der Jugendklubs an Theatern aus. Sechs von Fuchs und weiteren Juroren ausgewählte Jugendklubs führen ihre Stücke vor, besuchen Workshops und diskutieren mit den Spielleitern. „Ohne Casting geht es bei dem großen Ansturm nicht mehr. Für manche Stücke haben wir mehr als 50 Bewerber, die können nicht alle mitspielen“, sagt Nathalie Forstman, Leiterin der Jungen Akteure am Theater Bremen.

Dessen im vollbesetzten Ballhof gefeiertes Stück „Kinder/Soldaten“ vermittelt den drastischen Stoff überzeugend – in einem gelungenen Wechsel von ruhiger eindringlicher Schilderung und gewalttätigen Szenen. Die eigene Person wird dabei nicht ausgespart: Im Hintergrund eingeblendet erzählen die zwischen zehn und 18 Jahren alten Schauspieler, was sie über die Gründe von Kriegen denken und ob sie sich vorstellen können zu töten.

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Die Osnabrücker Theaterpädagogin Anja Deu lobt die bessere Förderung der Jugendarbeit an deutschen Theatern sowie die wachsende Qualität der Jugendklubs und warnt zugleich: „Es ist eine gefährliche Entwicklung, wenn Jugendklubstücke im Spielplan die Aufführungen der Profischauspieler ersetzen, weil Stellen gestrichen werden.“ In Bremen stand „Kinder/Soldaten“ zehnmal im Programm, in anderen Städten werden Jugendklub-Aufführungen bis zu 20-mal gezeigt – und zwar gut besucht. Mit der erwünschten Folge, dass das Theaterpublikum deutlich jünger wird.

„Vor einigen Jahren wurden eigene Probleme wie die erste Liebe oder Ärger mit den Eltern auf die Bühne gebracht. Das war zuerst total erfrischend, wurde dann aber immer mehr. Inzwischen sind die Stücke politischer geworden“, sagt Katja Heiser, Theaterpädagogin am Staatsschauspiel Dresden. Beim Bundestreffen gibt es Stücke über Sexismus oder das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung zu sehen, zudem werden Klassiker wie „Kabale und Liebe“ geboten. „Der Trend geht zu Textvorlagen. Die Jugendlichen erwarten feste Vorgaben, die sie dann engagiert umsetzen. Früher gab es mehr Widerspruch, die Proben waren wichtiger. Heute zählt vor allem das Ergebnis“, sagt Matthias Heine, Leiter des Jugendclubs am Cottbuser Kinder- und Jugendtheater Piccolo.

80 Prozent seiner Jugendlichen wollen das Abitur machen, Haupt- und Realschüler sind in den meisten Jugendklubs eher selten. Was treibt junge Leute eigentlich trotz voller Stundenpläne über Monate regelmäßig zu den Proben? Für die 14-jährige Liv vom Jugendklub Hannover ist die Antwort einfach: „Hier traue ich mir Sachen zu, die ich sonst nie machen würde.“

von Joachim Göres

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