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Kultur Neue Folgen der Theaterserie "Eine Stadt will nach oben"
Nachrichten Kultur Neue Folgen der Theaterserie "Eine Stadt will nach oben"
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00:16 18.10.2017
Von Stefan Arndt
Sonderbar:  Szene aus "Eine Stadt will nach oben"
Sonderbar:  Szene aus "Eine Stadt will nach oben" Quelle: Winarsch
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Hannover

Was bisher geschah? Eigentlich egal. In der Cumberlandschen Bühne hat das Schauspiel Hannover jetzt erstmals die dritte und vierte Folge seiner Theaterserie „Eine Stadt will nach oben“ gezeigt, die irgendwo zwischen bewegtem Fortsetzungroman und live gespielter Fernsehserie eine neue Form für die Bühne sucht. In zehn Folgen zu je 45 Minuten soll dabei eine neue Version von Hans Falladas Roman „Ein Mann will nach oben“ entstehen. In den ersten beiden teilen, die Hausregisseur Alexander Eisenach produziert hat, waren auch noch Anklänge an die Handlung des Romans zu erkennen, der schildert, wie der junge Karl Siebrecht aus der Provinz kommend in der großen Stadt landet und dort eine Karriere beginnt.

Für die beiden neuen Folgen mit den wohlklingend nichtssagenden Titeln „Onomatopoesie der Zeit“ und „Haifisch Klagegesang“ hat Eisenach den Staffelstab an Regisseur Gordon Kämmerer übergeben: Auch die drei noch ausstehenden Doppelfolgen werden von jeweils anderen Spielleitern in Szene gesetzt. Für den 1987 geborenen Kämmerer, der auch Schauspieler ist und in Hannover zudem selbst die spektakulären Kostüme entworfen hat, ist die Handlung nun Schall und Rausch.

Zur groben Orientierung werden zwar ab und an ein paar Namen und sogar einige Sätze aus dem Roman erwähnt; es geht allerdings eher um den Lärm der Großstadt, die Morphium-Sucht des Autors Fallada und den Nährwert von Kartoffeln. Vor allem aber ist der Abend ein buntes, wildes und oft ziemlich lustiges Theaterspektakel, der viel mehr auf die Form als auf den Inhalt setzt. Es gibt Schlagergesang und Werbeblöcke, Hochrechnungen zum aktuellen Drogenkonsum der Figuren, fingierte Sendestörungen und echten Theaternebel.

Das stark geforderte Ensemble um Wolf List als herrlich abgewrackter Autor kann dabei auch Nichts zum Ereignis machen. Einmal, es geht um eine Schreibblockende, buchstabieren die Schauspieler plastisch-drastisch das Alphabet, während sie zwischen den auf den Stufen sitzenden Zuschauern durch das Treppenhaus der Galerie kriechen. Natürlich ist das mehr Schaum als Substanz, aber ist das in anderen derzeit gefeierten Serien anders? Albern werden die Folgen trotz all der Exaltiertheiten immerhin nicht. Und Kartoffelsuppe für alle gibt es auch noch: ein sonderbar unterhaltsamer Abend.

„Eine Stadt will nach oben“: Doppelfolge Teile 3 und 4 wieder am 11. November, Einzelvorstellungen am 18. Oktober (Folge 3) und 14. Oktober (Folge 4) auf der Cumberlandschen Bühne.

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