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Kultur Theaterstück zu Erhardts 100. Geburtstag wird uraufgeführt
Nachrichten Kultur Theaterstück zu Erhardts 100. Geburtstag wird uraufgeführt
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17:17 11.11.2009
Murat Yeginer als Ahmet Erhardt in dem Stueck „Ich, Heinz Erhardt“ im Staatstheater in Oldenburg. Quelle: Andreas J. Etter/Staatstheater Oldenburg
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Heinz Erhardt war Türke. Das ist nicht etwa eine neue biografische Erkenntnis über den Komiker der deutschen Wirtschaftswunderjahre, sondern der Ansatz von Dramaturg John von Düffel für eine aktuelle Deutschlandstudie. In seinem neuesten Theaterstück „Ich, Heinz Erhardt“, das am Freitag in Oldenburg uraufgeführt wird, verwebt der Bestsellerautor eine Hommage an den Humoristen Heinz Erhardt mit der aktuellen Thematik integrationswilliger Türken in Deutschland.

Heinz Erhardt zum Türken zu machen, hat für von Düffel einen tieferen Sinn. Man könne sich diesem herausragenden Komiker nur auf zwei Ebenen nähern, der reinen Imitation oder einem neuen Blickwinkel, sagt der Autor und fügt hinzu: „Ich habe mich für den schrägmöglichsten Blickwinkel entschieden.“ Und dieser schielt auf das breite Spektrum des heiklen Themas Einwanderung.

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In „Ich, Heinz Erhardt“ lernt das Publikum Ahmet Erhardt kennen, einen Migrations-Deutschen. Im Istanbuler Goethe-Institut bereitet dieser selbsternannte Sohn Heinz Erhardts integrationswillige Türken auf den Einbürgerungstest in Deutschland vor.

Generationen hat Heinz Erhardt mit seinem oftmals naiv wirkenden Humor begeistert. Der Komiker gilt als Prototyp des Wirtschaftswunder-Deutschen. „Dabei hat Erhardt als Migrant die Rolle eines Außenseiters gehabt, der sich nur auf der Bühne heimisch fühlte“, erklärt von Düffel mit Blick auf die deutsch-baltische Herkunft Erhardts, der 1909 im damals zum Russischen Reich gehörenden Riga geboren wurde. Auf der Bühne geliebt wird auch von Düffels Freund Murat Yeginer, der ihn nicht nur zu dem Stück animiert hat, sondern auch die Rolle des Ahmet Erhardt übernimmt.

Von 1987 bis 2007 gehörte Murat Yeginer zum Schauspielensemble am Staatstheater Oldenburg. Die Theatergänger liebten den Komiker Yeginer auf der Bühne, doch als gebürtiger Türke musste er gegen Vorurteile kämpfen. Dies sei nur eine der großen Parallelen zum Leben von Heinz Erhardt, sagt Yeginer. Der 50-Jährige pflegt seit Jahren eine enge Freundschaft zu Heinz Erhardts Tochter Grit, wollte unbedingt dem Vorbild ein Denkmal setzen. „Da es mehr als ein 08/15-Stoff werden sollte, war klar, dass John von Düffel das Stück schreiben muss“, sagt Murat Yeginer, seit nunmehr 17 Jahren Deutscher.

Yeginers Familie kam 1959 nach Deutschland. „Türkische Gastarbeiter wie diese gehören ganz deutlich zum Wirtschaftswunder“, sagt von Düffel. Für Murat Yeginer war hingegen der aus Riga stammende Heinz Erhardt das Abbild des Deutschen schlechthin. „Wir sind als Familie ins Kino gegangen und haben ihn bewundert. Er repräsentierte mit seiner netten Art und dem adretten Aussehen alles, was man von einem guten Deutschen erwartete“, erklärt Murat Yeginer.

Für John von Düffel sind Menschen wie Heinz Erhardt und Murat Yeginer zwei Beispiele einer gelungenen Integration, die jedoch keinesfalls reine Erfolgsgeschichten seien. In beiden Fällen habe der Humor Brücken gebaut. „In meinem Stück werden auch Defizite komisch“, sagt von Düffel.

Der Oldenburger Intendant Markus Müller ist glücklich über die Uraufführung an seinem Haus. „Menschen auf einer tieferen Ebene über Humor zu erreichen, ist ein gutes Mittel in der Krise“, sagt er und weiß sich dabei eins mit John von Düffel und Murat Yeginer. Über Humor könne man aktuellen Fragestellungen wie Integrationspolitik einen leichteren Anstrich geben, ohne Substanz zu verlieren, sagen sie. Da darf Heinz Erhardt auch Türke sein.

ddp

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