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Kultur „Das ging so boom, tschack, slang“
Nachrichten Kultur „Das ging so boom, tschack, slang“
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21:08 09.04.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Spezialist für Geschichten zwischen zwei Welten: der Schriftsteller Gary Ghislain.
Spezialist für Geschichten zwischen zwei Welten: der Schriftsteller Gary Ghislain. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Am Ende, nach einigen Entfesselungstricks, einem Kampf auf den Dächern und ziemlich abgefahrener „Astral-Zoomerei“, schafft es der Junge, die Alien-Braut abzuschleppen. Daher hat das Stück auch seinen Namen: „Wie ich Johnny Depps Alien-Braut abschleppte“.

Es ist eigentlich kein Theaterstück, sondern ein Roman, eine witzige Science-Fiction-Horror-Coming-of-Age-Geschichte für Jugendliche die, schon etwas älter als zwölf Jahre sein sollten. Geschrieben hat sie Gary Ghislain, der in Antibes an der französischen Riviera wohnt, zuvor in Schweden und Neuseeland gelebt hat und auf Englisch schreibt.

Per Facebook Kontakt mit Ghislain

Ghislain ist in einer multinationalen Familie aufgewachsen, die Mutter spanisch, der Vater türkisch. Und weil sein Verlag seinen Sitz in Amerika hat, bezeichnet er sich als amerikanischen Autor. So passiert es, dass sein Verlag seine Bücher an einen französischen Verlag verkauft, dessen Vertreter sich dann bei Ghislain in Frankreich am Telefon auf Englisch meldet. Vor Kurzem aber gab es einen Anruf aus Deutschland. Das Staatstheater Hannover interessierte sich für die Rechte an der „Alien-Braut“; der Jugendroman war bereits in der deutschen Übersetzung erschienen.

Janny Fuchs, Jugendtheaterdramaturgin am Schauspiel Hannover, hatte das Stück gelesen und über Facebook Kontakt mit dem Autor aufgenommen. Es folgten ein paar Telefonate, und nun ist Gary Ghislain am Ballhof und hat – auf einem Fernsehmonitor – schon mal ein kleines Stück der Probenarbeit gesehen.

„Die Kinder werden es lieben“

Es war eine Fightszene zwischen der Alien-Braut Zelda und der chaotischen Malou, die herumposaunt, dass sie mit Johnny Depp befreundet sei. Intendant Lars-Ole Walburg inszeniert das Jugendtheaterstück – und er ist eigentlich nicht dafür bekannt, Romanvorlagen besonders vorsichtig auf die Bühne zu bringen. Er hat viele eigene Ideen. Aber der Autor ist mit dem, was er gesehen hat, sehr zufrieden. „Das ging so boom, tschack, slang. Ich bin sicher: Die Kinder werden es lieben.“

Die Geschichte ist inspiriert von den Marvel-Comics. Diese Hefte, dazu Horror- und Science-Fiction-Stories, hat Ghislain als Kind verschlungen. Von ihnen ist sein Schreiben stark beeinflusst. Und auch von Workshops für kreatives Schreiben.

Den besten Rat, sagt Ghislain, habe ihm die Leiterin eines Schreibworkshops gegeben: „Geh in eine Buchhandlung und schau dich dort um, wenn du keine Abteilung findest, in die deine Geschichte passt, dann vergiss die Geschichte.“ Es ist tatsächlich so, sagt der Autor; ob dein Agent die Geschichte großartig findet, ob dein Verleger die Geschichte großartig findet, das ist alles unwichtig, solange es kein Regal in der Buchhandlung dafür gibt.

Roman wurde mehrfach übersetzt

Ghislain lebt vom Schreiben. Er hat nie etwas anderes sein wollen als ein Schriftsteller. Seine ersten Prosaarbeiten kamen natürlich postwendend von den Verlagen zurück, dann hat er Schreibworkshops besucht und in Paris Literatur studiert. Er folgte dem Rat seiner Dozentin und schrieb für ein bestimmtes Genre – ausgerechnet romantische Liebesgeschichten. Aber es funktionierte. Die Geschichten verkauften sich.
Und dann die Johnny-Depp-Story. Die hat Ghislain in Schweden geschrieben. Die interplanetarische Liebesgeschichte hatte er schon früh im Kopf. Die Sache mit Johnny Depp ist ihm dann bei einem Waldspaziergang eingefallen. Er musste selbst lachen, als er den Einfall hatte.

Als das Buch fertig war, gab es gleich reges Interesse von Verlagen an dem Titel. Bis jetzt ist die Geschichte ins Französische, Deutsche und Portugiesische übersetzt worden. „Manchmal verspürt man so einen gewissen Sog“, sagt Ghislain, „dann weiß man, dass die Sache läuft.“

Diesen Sog hat er jetzt wieder verspürt. Gerade hat er den ersten Teil von „The Goolz next door“ fertig gestellt, einer Serie um einen Horror-Autor, der mit seinen beiden Töchtern in eine Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste zieht. Die Geister, die er heraufbeschwört, bringen auch die Nachbarschaft ganz schön durcheinander. Auch das Buch beschreibt einen Tanz zwischen zwei Welten.

Kulturtipp

Die Uraufführung von „Wie ich Johnny Depps Alien-Braut abschleppte“ ist am Sonntag um 19.30 Uhr im Ballhof. Es gibt noch wenige Restkarten. Weitere Informationen unter www.schauspiel-hannover.de

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