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Kultur Thomas Quasthoff liest und singt im Isernhagenhof
Nachrichten Kultur Thomas Quasthoff liest und singt im Isernhagenhof
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07:28 03.12.2012
Hüsch, Hüsch: Thomas Quasthoff. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Thomas Quasthoff hat den Gesang aufgegeben, und er wolle damit auch nicht wieder anfangen, sagt er an diesem Abend im Isernhagenhof. Ganz treu bleibt er diesem Vorsatz aber nicht. Zweimal singt er, wenn die Texte von Hanns Dieter Hüsch, die er vorträgt, es gebieten.

Das Kulturzentrum in Isernhagen ist gut besucht. Erschienen ist vorwiegend älteres Publikum, das aus jener Zeit kommt, als der Poet und Kabarettist Hüsch die Verhältnisse im Land ironisierte und das eigene Lager dabei nicht verschonte – so beim Stück über die Liedermacher, die verzweifelt nach ihrer gesellschaftlichen Bedeutung („Relevanz“ nannte man das damals) suchten. Manches, was der 2005 gestorbene Hüsch geschrieben hat, wirkt heute etwas angestaubt, manches aber zündet noch immer.

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Quasthoffs voller Stimme ist anzuhören, dass sie am Gesang geschult ist. Er lässt Hüschs Tonfall anklingen, empfindet dessen Sprachakrobatik nach und kann sogar ins Niederrheinische verfallen, wenn er im inneren Monolog über Lieblings- und Nichtlieblingsspeisen zur Aufdeckung kleinbürgerlicher Denkweisen kommt. Das Kleinbürgertum war überhaupt eine Zielscheibe für Hüschs Spott, abzuhören auch bei Erbstreitereien auf einer Beerdigungsfeier.

Aber Quasthoff macht bei der Auswahl der Texte deutlich, wofür Hüsch sonst noch stand. Er konnte mit moralischen Appellen ernst und anklagend sein, diese aber auch hinter Satire verstecken. Er konnte die Komik des Alltags schildern, hinter der sich in Wahrheit Aggressivität verbirgt. Und manchmal war er einfach nur witzig, sodass man sich gelegentlich an Jürgen von Manger erinnert fühlte.

Da hatte Quasthoff allerlei auf seinem Programm – von den Nöten eines Alleinunterhalters bis zu einem Hund, der sich nicht zu benehmen weiß. Hagenbuch, jene skurrile Figur in einer absurden Welt, tauchte natürlich auch auf. Eine schwierige Gestalt, räumte Quasthoff ein. Aber wenn sie vorgestellt wird, wie er es tat, kommt sie einem doch näher.

Ekkehard Böhm

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