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Kultur „Thriller – Live“ in der Swiss-Life-Hall Hannover
Nachrichten Kultur „Thriller – Live“ in der Swiss-Life-Hall Hannover
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00:21 06.05.2018
„Thriller - Live“: Die Michael-Jackson-Show in der Swiss-Life-Hall. Quelle: Christian Behrens
Hannover

 Nach knapp sechs Minuten Show wird das erste Mal gemoonwalkt. Michael Jackson sei, wird ein einer der Zwischenansagen von „Thriller – Live“ verlautbart, „der größte Entertainer aller Zeiten“ gewesen, man wolle sich, so heißt es anderer Stelle in der Swiss-Life-Hall, „dem Mann, der Musik, der Legende“ nähern. 

So sah die Show aus

Es ist eine Annäherung, die über zwei Stunden dauern soll, von den frühen Songs der Jackson 5 wie „I’ll be there“ oder „ABC“ über die legendären Alben „Thriller“ und „Bad“ bis zum Kitschmonster „Earth Song“ reicht und in Konfetti zu einem Mashup der auch vorher schon performten Songs „Smooth Criminal“ und „Thriller“ gipfelt. 

Thriller – Live“ tourt erfolgreich seit 2009 – also dem Todesjahr Jacksons – durch die Welt. Die Proben begannen schon 2008, Jackson persönlich segnete die Veranstaltung ab, die von seinem Freund Adrian Grant produziert wurde. Kein Wunder also, dass „Thriller – Live“ fleißig an der Jackson-Heldenverehrung herumbastelt. An einer Stelle läuft, beispielsweise, die politisch eher gewagte Bildreihe Martin Luther King, John F. Kennedy, Mutter Theresa, Ghandi, Nelson Mandela und Barack Obama über die LED-Leinwände, eine weitere, noch größere Leinwand klappt von der Decke herunter und zeigt als Abschluss der Bildreihe das Konterfei Jacksons. Während die Sänger, Tänzer und Musiker „They don’t care about us“ performen, flackern Worte wie „Hunger“, „Racism“ und „Conflict“ überall auf – Jackson als Erlöser und Weltverbesserer. 

Thriller – Live“ liefert eine schicke Lichtshow sowie all die Hits, von einer ausgezeichneten Live-Band gespielt. Der Song „Thriller“ wird brav im Zombie-Modus nachgetanzt, es wird gemoonwalkt und sich gegen die Schwerkraft gelehnt, dass es eine Freude ist. Die Sänger  liefern stellenweise eine geradezu gruselig gute Performance. Dennoch zeigt das Musical Jackson ausschließlich als Lichtfigur, sie zeigt ausschließlich das Talent und das Sendungsbewusstsein Jacksons und nicht den bunten Strauß an Eigenartigkeiten und – vielleicht – psychischen Störungen, der auch damit einher ging. Sie zeigt nicht den Mann, der an der Welt litt und sie im Gegenzug auch an sich leiden ließ, sie zeigt nicht den Mann, der bis zu seinem Tod versuchte, sich sein eigenes Menschsein wegzutranszendieren. 

Selbstverständlich kann und soll ein Unterhaltungsmusical keine differenzierte Charakterzeichnung abliefern. Dennoch ist es das, das „Thriller – Live“ fehlt – denn Jacksons Erfolg machten nicht nur die Lieder und sein Tanzstil aus – und das ist es, was „Thriller – Live“ reproduziert - sondern auch, dass, seit den frühen Jahren, Jackson immer etwas Gruseliges hatte. Ob es nun der Kinderstar ist, der für ihn viel zu erwachsene Liebeslieder singt, der Weltstar, der verzweifelt nach einer Verbindung zur Welt suchte und in Disneyland landete, das gebleichte Wesen er späten Jahre, das gar nicht mehr auf der Ebene anderer Menschen zu funktionieren schien. Es sind diese Ecken und Kanten, über die „Thriller – Live“ hinwegbügelt, es sind diese Ecken und Kanten, wichtig gewesen wären, hätte man sich tatsächlich „dem Mann, der Musik, der Legende“ nähern wollen. So gibt es einfach nur zwei Stunden gute Musik und guten Tanz.

Von Jan Fischer

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