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Kultur Til Schweigers „Zweiohrküken“ in der „Ladies Night“
Nachrichten Kultur Til Schweigers „Zweiohrküken“ in der „Ladies Night“
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18:07 04.12.2009
Von Uwe Janssen
Rechts oder links – das Beste ist in der Mitte: Nora Tschirner und ihr wunderbares Mienenspiel in „Zweiohrküken“.
Rechts oder links – das Beste ist in der Mitte: Nora Tschirner und ihr wunderbares Mienenspiel in „Zweiohrküken“. Quelle: Warner
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Und deshalb sitzen Filmkritikenschreiber plötzlich in öffentlichen Previews. Wär eigentlich kein Problem. Wenn es nicht gerade die „Ladies Night“ im Cinemaxx wäre. Das ist Til Schweigers Rache.

„Männer dürfen schon auch rein“, sagt die Frau vom Cinemaxx. Ja, klar. Zehn ungefähr auf gefühlt 5000 Frauen in Kino 7. Dafür gibt‘s „Bauchkribbeln garantiert“ mit einer Flasche des proseccoähnlichen Frauenszenegetränks „eve“, jedenfalls, solange der Vorrat reicht. Und dann kommt auch noch der Basti. Der Basti sagt immer „mon dieu!“ und findet alles ganz phantastisch. Den Film, Til Schweiger, Nora Tschirner – und vor allem seine „Ladies Night“-Aktion, bei der er ein „Gala“-Abo, einen Blumenstrauß und, großes Juchzen im Saal, „jaha, einen Douglas-Gutschein!“ verlost. Bitte nicht Sitzplatz D 26 ziehen, Basti. Kein Gala-Abo, keinen Douglas-Gutschein jetzt. Einfach dunkel machen und Film ab.

„Zweiohrküken“ also. Das Tier nach den „Keinohrhasen“, die, obwohl von der Kritik eher belächelt, mit sechs Millionen Zuschauern im vergangenen Jahr zum überraschenden Kassenschlager wurden. So etwas, weiß Produzent, Regisseur, Autor und Hauptakteur Schweiger, kann im Kinozeitalter der Sequels und Prequels nicht ungenutzt bleiben.

Die Story erlaubt eine Fortsetzung allemal. Ludo (Schweiger) ist vom Gesellschaftsreporter und Aufreißer zum Kindergärtner geworden – seiner Anna zuliebe. Diesmal gibt es die Beziehung im Alltagstest zwischen ausgenudelten Klischeethemen wie Müllentsorgung, Einkaufen und „Welche Schuhe, Schatz?“-Diskussionen vor der Party. Weil das allein keinen ganzen Film trägt und Vorgänger „Keinohrhasen“ auch wegen der lustigen Streitszenen so viele Kinogänger einte, muss richtiges Konfliktpotenzial her – Eifersucht. Das geht immer.

Ludo trifft in der Disko eine alte Freundin, die er vor allem wegen ihrer Oberweite schätzen gelernt hat. Anna (Nora Tschirner) bekommt Besuch von ihrem alten Freund Ralf (Ken Duken), der jetzt Entwicklungshelfer ist und im Bett unglaubliche Größe zeigt. Steht jedenfalls so in Annas Männernotizbuch, das Ludo zufällig findet. Stoff genug also für gut zwei Stunden temporeicher Beziehungskomödie mit vielen sachdienlichen Missverständnissen, reichlich „Sex & the City“-Thematik und ebenso lustigen wie realistischen Pärchendialogen. Vor allem Nora Tschirner spielt ihre Rolle zwischen Selbstbestimmtheit und Verliebtsein wunderbar nah am Leben. Man glaubt mindestens eine Frau zu kennen, die so ist, so guckt, so fragt und so schimpft.

Am 3. Dezember startet der Film „Zweiohrküken“, die Fortsetzung der Erfolgskomödie „Keinohrhasen“, in den deutschen Kinos. Die Hauptrollen spielen erneut Nora Tschirner und Til Schweiger.

Und wenn nicht – Kino 7 ist bestimmt voller Annas. Oder nicht? Das „Ladies Night“-Publikum lacht jedenfalls an ganz anderen Stellen, als es ein Männerpublikum tun würde. Wenn Til Schweiger morgens eine Art Strampelanzug als Schlafanzug trägt, schmeißen die sich weg hier. Oder wenn Anna mit ihrer sparsamen Oberweite im Dessousladen zum Zickenkrieg mit einer Doppel-D-Diva ansetzt. Oder wenn Matthias Schweighöfer als verklemmter Fotograf Moritz zur Slapstickshow in der Wohnung seiner sexsüchtigen Nachtbekanntschaft ansetzt. Und als „eve“ seine Wirkung tut und eine Dame vorne links ausgerechnet während eines ernsten Leinwanddialogs einen ansteckenden Lachanfall bekommt, sind die Zweiohrküken auch mal kurz Nebensache.

Das sind Ludo und Anna zwischendurch auch füreinander. Beide bespitzeln sich, beide gehen fremd – und beide machen das natürlich aus ganz unterschiedlichen Gründen. Am Ende kommt aber das Gleiche dabei raus: Sie streiten sich, sie trennen sich – und merken, dass sie doch nicht ohne einander können.

Das zieht sich dann doch ein wenig, zumal außer Mann, Frau und dem dazwischen nichts weiter passiert. Eine halbe Stunde kürzer hätte nicht geschadet. Aber wer im offenbar unkaputtbaren Komödienthema Beziehungen von der Mario-Barth-Ebene runter will, ohne bei Wissenschaftscomedian Hirschhausen zu landen, ist mit den „Zweiohrküken“ einen amüsanten Abend lang bestens bedient. Auch als Mann in der „Ladies Night“ ohne Parfümgutschein. Mon dieu!