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Kultur Till Fellner und Xian Zhang bei der Radiophilharmonie
Nachrichten Kultur Till Fellner und Xian Zhang bei der Radiophilharmonie
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13:04 22.11.2010
Von Stefan Arndt

Er ist schon fast 40, doch der österreichische Pianist Till Fellner wirkt noch immer wie ein Jugendlicher. Darum ist man stets aufs Neue erstaunt, wenn man hört, wie dieser schlaksige junge Mann spielt: wie ein Alter. Vor allem Beethoven, dem Fellner sich in den vergangenen Jahren intensiv gewidmet hat, klingt bei ihm so selbstverständlich, klar und schlackenlos, wie es andere Pianisten höchstens ganz am Ende ihrer Karriere zustande bringen. Mit dem ersten Klavierkonzert war Fellner nun bei der NDR Radiophilharmonie zu Gast – und überbot das von der chinesischen Dirigentin Xian Zhang geleitete Orchester noch an Schlankheit und Eleganz.

Fellner sucht nur selten schwungvoll weite Bögen und nie den Effekt, doch sein Spiel ist atemberaubend detailscharf. Auch in den Verzierungen hat jede kleine Note deutliche Attacke, ohne je aus der (Ton-)Reihe zu fallen. Dieses zurückgenommene, streng logische Spiel ermöglicht einen wunderbar entspannten Überblick selbst über den durchaus rhapsodischen ersten Satz – und es sorgt für eine Überraschung im Finale: Die kleinen Stolperer, als die man die Akzente im sonst so leichtfüßigen Thema zu hören gewohnt ist, prägen hier den Charakter des ganzen Satzes und geben ihm bei aller Strenge etwas anziehend Irrlichterndes. Dass Fellner auch anders spielen kann, zeigt er dann in der schwärmerischen Zugabe: eine wasserglänzende Episode aus den „Pilgerjahren“ von Franz Liszt.

Romantisch ging es auch nach der Pause weiter: In den drei für Orchester bearbeiteten Sätzen aus Alban Bergs „Lyrischer Suite“ tritt auch ohne den delikaten Hintergrund (Berg hatte das Stück für seine heimliche Geliebte geschrieben) sehr deutlich Sinnlichkeit und Wärme aus einer atonalen Struktur hervor. Xian Zhang, die nun bereits zum wiederholten Mal in Hannover dirigierte, erwies sich dabei als technisch sehr versierte Orchesterleiterin und engagierte Stimmungsmacherin.

Das machte sich auch in Robert Schumanns schwungvoller vierter Sinfonie bezahlt, die in einer Bearbeitung von Gustav Mahler erklang. Anders als im Programmheft angedeutet, hatte der dirigierende Komponist sich durchaus nicht nur auf Retuschen in der Orchestrierung beschränkt, sondern (etwa durch vereinfachte Auftakte in der Einleitung des ersten Satzes) auch direkt in die Komposition eingegriffen. Das leichtgefügte Stück bekommt so eine Schwere, die es nicht nötig hätte – wirken tut es aber auch so.

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