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Kultur Gefühlvoller Leidenschaftler im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Gefühlvoller Leidenschaftler im Theater am Aegi
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09:07 03.03.2014
Foto: Tim Fischer stellte im Theater am Aegi sein neues Album vor.
Tim Fischer stellte im Theater am Aegi sein neues Album vor. Quelle: dpa
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Hannover

„Den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der anderen muss man leben“ – zutiefst ernste Worte wie dieses Zitat der Dichterin Mascha Kaléko machen die eine Seite von Tim Fischer aus. In diesen Momenten ist das Bühnenlicht heruntergedimmt, nur der Kopf des Sängers ist beleuchtet. Die Stimme tönt weich, nachdenklich und in den Refrains musical-ähnlich intensiv. Aber dann gibt es auch den Tim Fischer, der bitterböse Späße macht. Der davon singt, wie schnell ein Ehekrach um die sonntägliche Sportschau im Fernsehen eskalieren kann. Dann rollt er dramatisch das „r“, betont jeden Vokal akribisch, frech und scharf kann er klingen, und sein ganzer Körper spielt mit.

Mit seiner aktuellen Tournee „Geliebte Lieder“ feiert der Sänger Tim Fischer sein 25. Bühnenjubiläum, was bei einem 40-Jährigen bedeutet, dass Bühnen ihn schon sehr früh magisch anzogen. Die erste größere war die im Hamburger Schmidt-Theater, auf Fotos von Auftritten der folgenden Jahre sieht man ihn oft dick geschminkt mit knallroten Lippen und in ausgefallenen Klamotten. Heute, im Theater am Aegi, kommt Tim Fischer nahezu seriös im dunklen Anzug und lenkt den Blick auf das, was ihn künstlerisch ausmacht: ältere Chansons und neue Lieder nicht nur mit wandelbarer Stimme zu singen, sondern auch darzustellen. Zu seinem Repertoire gehört einiges von Jacques Brel und Zarah Leander. Viel liegt ihm außerdem an den Werken seines, wie er sagt, „guten Freundes“ Georg Kreisler (1922–2011). Der Wiener mit den schwarzhumorigen Texten liefert mit seinen Liedern eine Steilvorlage für Fischers schauspielerische Leidenschaft.

Als musikalische Partner unterstützen ihn Rainer Bielfeldt, am Klavier und bisweilen auch singend, und Thomas Keller mit Sopransaxofon, Akkordeon oder Percussion. Bielfeldt ist auch der Komponist vieler Lieder und steht mit Fischer, abgesehen von einer längeren Pause, seit vielen Jahren auf der Bühne. Die instrumentale Begleitung ist dezent, Keller lässt verschiedene Stimmungen und Orte erklingen, sei es ein Pariser Bahnhof mit Akkordeonromantik oder eine nicht enden wollende Zugreise mit zischenden Fahrgeräuschen. Auch einen Samba kann er vertonen, bei dem sich dann mal eben Tim Fischers Ehemann Rolando als Tanzpartner über die Bühne bewegt. Überhaupt ist da viel Bewegung, es gibt schnelle Themenwechsel in den Texten. Über die sehr direkten und bissigen Inhalte lacht man zuerst vielleicht verschämt, kann sich dann aber beim näheren Nachdenken wirklich amüsieren. So ist das bei guten Chansons.

Tim Fischer kann den hintergründig witzigen Chansonnier ebenso geben wie den gefühlvollen Leidenschaftler. Die Begeisterung im Publikum steigert sich, bis am Ende aufbrandender Beifall den Mann von der Bühne verabschiedet. Natürlich nicht ohne Zugaben, die dann nach tragischer Liebe, Sehnsucht und Tod auch wieder heiter sein dürfen.

Rebekka Sambale

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