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Kultur Tim Fischer singt auf neuer CD über pädophile Priester
Nachrichten Kultur Tim Fischer singt auf neuer CD über pädophile Priester
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18:57 18.12.2011
Von Wiebke Ramm
Rinnsteinprinz: Tim Fischer.
Rinnsteinprinz: Tim Fischer. Quelle: dpa
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Hannover

Mit seinem aktuellen Programm „Satiriker sind keine Lyriker“, das nun auf CD erscheint, beweist der 36-Jährige, dass er nicht nur Diva kann, sondern auch politisches Kabarett. Er singt von Kindesmissbrauch, Islamismus und Drogensucht. Er tut es so böse wie klug.

Was Fischer von – sagen wir – Ulrich Tukur unterscheidet, sind die Brüche im Leben, die Abgründe, die er überlebt hat. Drogensucht, Prostitution, Vagabundendasein. Fischer kennt die Gosse, von der er singt. Ein Wort, das viele benutzen, hat bei ihm Gültigkeit: Authentizität.

Tim Fischer funktioniert auch auf CD, nicht nur auf der Bühne. Denn er hat die Federboa gar nicht nötig. Auch nicht die exaltierte Geste, die er gerne zeigt. Fischer erzielt die größte Wirkung, je schlichter er daherkommt. Das war schon bei seiner „Rinnsteinprinzessin“ so. Gerhard Woyda, der 86-jährige Gründer des Stuttgarter Renitenztheaters, hat dies erkannt und ihm ein Programm auf den Leib geschneidert.

„Die Zeit schreit nach Satire“ – Woyda hat den Ruf von Kurt Tucholsky vernommen und für Fischer Texte verfasst und Melodien komponiert. Er lässt Fischer singen über den Widerstand unterm Kopftuch („Das Kopftuch“), die Heuchelei unterm Kirchenkreuz („Priestergeschichten“) und das Aufatmen der Erde nach dem Aussterben des Menschen („Was werde ich in fünfzig Jahren singen?“). Woyda selbst und Fischers langjähriger Partner Rainer Bielfeldt begleiten ihn dabei am Flügel.

Nicht jeder Text ist gelungen. In „Die Hose“ macht sich Gerhard Woyda – wenig originell – über Angelas Merkels Hosenanzug lustig und dechiffriert das Beinkleid der meisten Bundestagsabgeordneten als Botschaft an die Männer: „Hier haben wir die Hosen an.“ Auch „Berlusconi“ ist nur insofern interessant, als dass das Lied verrät, wie ein 86-jähriger Mann die Eskapaden des Italieners wahrnimmt.

„Satiriker sind keine Lyriker“ taugt nicht zum Nebenbeihören, auch wenn ausgerechnet „Guantanamo“ sehr gefällig daherkommt. Man sollte bei dieser Tim-Fischer-CD schon ganz genau hinhören. Das aber empfiehlt sich unbedingt.

Tim Fischer: „Satiriker sind keine Lyriker“, 18 Euro.

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