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Kultur „To the Sea“: Jack Johnson bringt neues Album raus
Nachrichten Kultur „To the Sea“: Jack Johnson bringt neues Album raus
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19:53 29.06.2010
Von Uwe Janssen
Jack Johnson Quelle: dpa
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Musik kann tolle Sachen. Sie kann Stimmungen beeinflussen, kann traurig machen, fröhlich oder gar euphorisch, kann Aggressionen auf- oder abbauen. Und Musik kann glauben machen. Sie kann einem zum Beispiel das Gefühl geben, dass das Leben schön und einfach oder einfach schön ist. Oberster Vorsänger in genau dieser Wohlfühloase ist seit einigen Jahren Jack Johnson. Und wenn man seine Biografie anschaut, ist das auch kein Wunder: geboren auf Hawaii, aufgewachsen auf dem Surfbrett, während der erfolgreichen Profisurferkarriere ein paar coole Wellenreiterfilme gedreht und übergangslos auf der Musikwelle in die Charts geritten. Nicht jede Karriere wird von so viel Sonne beschienen wie die des 35-Jährigen, und sein lässiger, harmonischer Akustikpop spiegelt dieses gute Gefühl auch in voller Breite wider.

Zu dem Gesamtprodukt gehört natürlich auch, dass sich T-Shirt-Jack nicht wie ein Rockstar gebärdet, sondern den netten Mucker von nebenan gibt, dem es egal ist, ob er auf dem Live-Earth-Konzert in Sydney vor 100.000 Menschen spielt oder wie vor zwei Wochen bei einem Überraschungskonzert eines Radiosenders vor 300 Leuten in Bad Oeynhausen. Hauptsache, die Leute haben ihren Spaß. Und es kommt Geld für seine Umweltstiftung zusammen, der er jeden Hundertsten seiner Einnahmen abführt.

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Da soll man sich also nicht wundern, wenn auch Johnsons neues Werk „To the Sea“ heißt und eine gute Stunde lang handwarm aus dem CD-Player plätschert – was in diesem Fall keine Abwertung sein soll, weil die genaue Dosierung der Temperatur eine Kunst ist, die Johnson meisterhaft beherrscht. Doch – huch, was ist das? Da kratzt zu Beginn die Gitarre, und der Sänger von „You and your Heart“ klingt mit der sonoren, gedoppelten Stimme wie Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers, die ja auch gern mal zum Surfsound greifen. Aber spätestens anderthalb Songs später ist man im typisch zurückgelehnten Johnson-Groove, der zwischen lauem Lüftchen und frischer Retro-Brise hin- und herwogt. Mal zitiert er sich mit halbakustischen Gitarren, Schepperschlagzeug („At or with me“) und „Huhuhu“-Chören („From the Clouds“) launig durch die Sechziger, dann wieder scheint man auf „Hey little Girl“ neben Gitarre und Gesang auch Strand, Lagerfeuer und die sternenklare Nacht gleich mitzuhören.

Sicher, diese Platte könnte man auch zum Weihnachtsgeschäft rausbringen. Aber jetzt im Sommer ist doch schöner.

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