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Kultur Tobias Feldmann im Finale des Violinwettbewerbs
Nachrichten Kultur Tobias Feldmann im Finale des Violinwettbewerbs
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08:45 10.10.2012
Von Rainer Wagner
Der Geiger Tobias Feldmann ist der einzige deutsche Teilnehmer im Finale des Joseph-Joachim-Violinwettbewerb in Hannover. Quelle: Kristoffer Finn
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Hannover

Im Semifinale mussten alle Teilnehmer des Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs ein Stück spielen, das eigens für diesen Zweck komponiert wurde und so seine zwölffache Uraufführung erlebte. Die Jury kürte am späten Dienstagabend folgende Finalisten: Bomsori Kim, Alexandra Conunova-Dumortier, In Mo Yang, Airi Suzuki, Dami Kim und Tobias Feldmann. Sie spielen am Donnerstag- und Freitagabend um den mit 140.000 Euro dotierten Preis.

Mozart bleibt das Maß der Dinge. Beim zweiten Mozart-Abend am Montag waren dessen Violinkonzerte einmal mehr der Maßstab für die Musikalität der Solisten. Da wurden beim Internationalen Violinwettbewerb in Hannover Erwartungen erfüllt, aber bisweilen auch enttäuscht.

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Alexandra Conunova-Dumortier hatte sich in ihrem Solorecital als selbstbewusste Geigerin gezeigt und mit vollem Ton gepunktet. Bei Mozarts 4. Violinkonzert KV 218 aber wirkte sie verkrampft und gejagt. Bei so viel Nachdruck verrutschte ihr Geigenklang schon mal ins Spitze. Das Andante cantabile geriet etwas gelassener, aber nicht übermäßig sanglich, die kapriziöse Kadenz verriet die Ambition der Geigerin. Das Rondeau begann sie angemessen beschwingt, vertrieb aber auch hier durch die Neigung zum Hetzen (und Mozart war jedes „Hudeln“ zuwider) den nötigen Charme, den ein „Andante grazioso“ verdient.

Im Semifinale müssen alle Teilnehmer ein Stück spielen, das eigens für diesen Zweck komponiert wurde und so seine zwölffache Uraufführung erlebt. Das geht eigentlich nicht, weil es das erste Mal nur einmal geben kann, aber bei solchen oft sperrigen Auftragskompositionen kann man erleben, dass sie immer wieder wie neu klingen.

Wie man (mit) Mozart spielen kann, das demonstrierte In Mo Yang. Der Koreaner (den wir gestern aus Versehen zum Japaner gemacht hatten) war der erste Geiger, der sich dem begleitenden Münchener Kammerorchester entgegen stellte: Er war im (Blick-)Kontakt mit den Musikern und brachte sich ein. Mit eher kleinem Ton zeigte er als Gestalter Format. Tänzerisch bewegt und im Seitenthema hochmusikalisch geformt ertönte der Kopfsatz, sportiv, spritzig und witzig der Schluss – dass er Humor hat und versteht, hatte er am Vortag schon mit dem Schubert-Rondo bewiesen. Im Adagio des selten gespielten B-Dur-Konzerts KV 207 stellte er dem eher spröden Klang des Orchesters sensible Töne gegenüber.

Auch Stephen Waarts brachte sich als Mitgestalter ein und startete als Tuttigeiger mit dem Orchester. Er begann das A-Dur-Konzert KV 219 zart und zerschmelzend, hatte aber dann nicht immer die Kraft, seine Ideen auch um- und durchzusetzen. Seine Quo-vadis-Kadenz war selbstvergessen bis selbstverliebt, und im Adagio führte er fast ein Selbstgespräch. Das Rondeau ging er beherzt, aber nicht draufgängerisch an. Man ahnt, was Waarts denkt, aber es bleibt zu oft bei der Vermutung.

Man hatte nach dem Solorecital Waarts höher eingeschätzt, aber auch Fumika Mohri konnte nicht ganz einlösen, was sie mit ihrem facettenreichen Strawinsky im Recital versprochen hatte. Sie musizierte das selbe Konzert arg geradeheraus, was im direkten Vergleich besonders auffiel. Das war im Adagio sehr gleichförmig, im Schlusssatz gefällig, aber auch nicht mehr. Ob das genug ist?

Es gibt ja noch vier Kandidaten. Von denen aber nur einer ahnen ließ, wie er am Dienstagabend seinen Mozart meistern würde.

Der Chinese Xiang Yu demonstrierte mit Debussy, Chausson und Szymanowski, dessen Tarantella er wie ein Geisterfahrer exekutierte, sehr uneindeutig seine interpretatorische Qualität.Die Japanerin Airi Suzuki überzeugte vor allem bei den ornithologischen Zwischenspielen der Lutoslawski-Partita und durch den (Über-)Mut zu Wieniawskis „Faust“-Fantasie. Die Koreanerin Dami Kim blieb bei Mozarts Adagio KV 416 in der Klavierfassung eher blass.

Und dann kam nach dreimal Geigenspiel endlich der erfolgreiche Versuch, Musik zu machen. Der Deutsche Tobias Feldmann spielte (wie Stephen Waarts) das Auftragswerk auswendig – und jetzt hatte man das Gefühl, Peter Francesco Marinos „unentrinnbar“ verstanden zu haben. Die fulminante Solosonate von Bartók brachte Dauerhuster zum Schweigen, bei Debussy fand Feldmann Farben, Formen und Facetten und bei Ysaÿe Spielwitz und Frechheit. Mehr als vielversprechend!

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