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Kultur Tod eines Zeitreisenden
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00:15 12.01.2015
Von Stefan Stosch
Seine bekannteste Rolle: Rod Taylor (Zweiter von links) in „Die Vögel“. Quelle: dpa
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Hannover

Der Hollywoodstar weilte längst schon im Ruhestand. Er hatte nicht mal mehr einen Agenten, und das will etwas heißen in Los Angeles. Dann ereilte Rod Taylor der Anruf eines Filmverrückten. Der Mann schwärmte von Taylors legendären Rollen etwa in „Die Vögel“. Irgendwann in seiner Lobrede bot der Anrufer Taylor einen Auftritt in einem noch namenlosen Weltkriegsdrama an: Taylor müsse unbedingt Winston Churchill spielen.

Rod Taylor sagte Nein. So leicht war der Anrufer aber nicht abzuwimmeln. Es handelte sich um einen gewissen Quentin Tarantino, der gerade dabei war, seine Mannschaft für „Inglourious Basterds“ (2009) zusammenzutrommeln. Am Ende flog Taylor doch zu den Dreharbeiten ins Studio Potsdam-Babelsberg, wo das später gefeierte Kriegsdrama entstand. Im Film ist Taylor alias Churchill am Klavier und mit Zigarre zu sehen, Adolf Hitler, also Martin Wuttke, hat einen größeren Auftritt. Dennoch nahm Taylor die Aufgabe ernst: Wochenlang soll er sich mit Churchill-Dokus vorbereitet haben - Profi bleibt Profi.

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In Anzug und Badehose

So kommt es, dass heute auch Jüngere wissen, wer der am 11. Januar 1930 in Sydney geborene Schauspieler war. Ältere Kinozuschauer wissen das sowieso. In mehr als 50 Filmen hat der ehemalige Amateurboxer mitgespielt. Sowohl im Anzug als auch in Badehose machte er eine prima Figur.

In Hollywood galt er als das Sexsymbol mit dem schüchternen Lächeln. Zunächst brachten die Studiobosse den Neuzugang in romantischen Komödien wie „Mädchen ohne Mitgift“ (1956) oder „Immer die verflixten Frauen“ (1959) unter. Genauso ergatterte er eine Rolle in „Giganten“ (1956), James Deans letztem Film. Ruhm erntete Taylor im zivilisationskritischen Science-Fiction-Klassiker nach dem Roman von H. G. Wells „Die Zeitmaschine“ (1960), in dem er als Wissenschaftler George in die Zukunft düst, um eine bessere Welt aufzubauen. Taylors berühmteste Rolle ist die im Hitchcock-Thriller „Die Vögel“ (1963): An der Seite von Tippi Hedren flieht er mit letzter Kraft vor den gefiederten Angreifern.

In seiner langen Karriere spielte Taylor an der Seite von Doris Day, Jane Fonda, Richard Burton oder John Wayne, häufig in Western. Im Agentendrama „36 Stunden“ (1964) gab er einen deutschen Psychiater. Irgendwann wurden die Rollenangebote weniger, in Fernsehfilmen oder Serien wie „Falcon Crest“ verdiente sich Taylor in den Achtzigern sein Brot. Schließlich zog er sich aus dem Geschäft zurück - bis ein Filmverrückter anrief und ihn ans Set nach Deutschland einlud. Dort soll Tarantino die jungen Kollegen zuvor angehalten haben, sich Taylors Filme anzuschauen: Tarantino wusste eben, was einem Hollywoodstar der alten Schule gebührt. Kurz vor seinem 85. Geburtstag ist Rod Taylor am Mittwoch in seinem Haus in Los Angeles an einem Herzinfarkt gestorben.

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