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09:53 07.07.2014
Foto: Die wiederentdeckte Partitur der Oper «Orlando generoso» des Italieners Agostino Steffani (1654-1728). Das eigens für den Hof in Hannover komponierte Werk soll nach mehr als 250 Jahren beim Festival "Herrenhausen Barock" wieder aufgeführt werden.
Die wiederentdeckte Partitur der Oper «Orlando generoso» des Italieners Agostino Steffani (1654-1728). Das eigens für den Hof in Hannover komponierte Werk soll nach mehr als 250 Jahren beim Festival "Herrenhausen Barock" wieder aufgeführt werden. Quelle: dpa
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Einige Glanzlichter aus dieser Zeit haben dem Ring Barock der NDR Radiophilharmonie in der Galerie in Herrenhausen jetzt einen strahlenden Saisonabschluss beschert. Der heute kaum noch bekannte Komponist François Venturini schrieb im Jahr der beginnenden Personalunion, 1714, eine Sammlung von zwölf Concerti da camera zu Ehren des hannoverschen Kurfürsten Georg Ludwig. Wer nicht weiß, dass der Brüsseler für diese Stücke verantwortlich zeichnet, kann beim Hören des ersten Konzerts in e-Moll leicht glauben, es handele sich um eine Händel-Komposition. Bemerkenswert, welches Format Venturini dieser Gattung abzugewinnen vermag.

Händel kam 1710 an den hannoverschen Hof und nutzte die Zeit mehr als gut, sich für gleiche Aufgaben in London zu empfehlen. Das Opernleben an der Leine lag zu der Zeit ein wenig brach, es musste opernhafte Musik her. Händel schaffte es, die weltliche Kammerkantate zu einer Art Miniaturoper aufzuwerten. In Hannover beendete er die Arbeit an „Apollo e Dafne“. Bassist Andreas Wolf als impulsiver und bedrängender Halbgott und Sopranistin Johanna Winkel als ihm tapfer widerstehende Nymphe sind nicht nur absolut stilsicher mit Händels Musik vertraut, sie erfüllen diese Szene mit Vitalität und Esprit.

Nicht minder farbig in der Instrumentation und inspiriert im Umgang mit den etablierten Formen ist Händels „Wassermusik“, komponiert zur Begleitung einer Themsefahrt König Georgs I. im Jahr 1715. Die erste Suite ist nicht nur ein berühmtes, sondern auch dankbares Stück. Lajos Rovatkay, ausgewiesener Spezialist für die Musik dieser Zeit, leitet die NDR Radiophilharmonie hier wie den ganzen Abend zu klarem, nuanciertem Spiel an. Zurückhaltung und Leidenschaft wechseln einander so ab, wie es die Komposition vorgibt.

Agostino Steffani ist spätestens seit 1989 kein Unbekannter mehr in der Stadt. In jenem Jahr feierte Hannovers Oper ihren 300. Geburtstag und reanimierte dazu das Eröffnungsstück von 1689, Steffanis „Enrico Leone“. Schon vor 25 Jahren leitete Rovatkay die Aufführungen dieser Oper über Heinrich den Löwen. Und wenn er jetzt nur Auszüge daraus ins Programm nimmt, so wird doch deutlich, wie viel ihm dieser Komponist bedeutet. Erstaunlich, wie Steffani mit überraschenden Harmonien  seiner Zeit voraus zu sein scheint. Stimmungsstark ist die Sterbeszene des Titelhelden, und der fabelhafte Countertenor David Allsopp erfüllt sie mit teils fast gehauchten, aber höchst intensiven Tönen mit starker Spannung. Begeisterter Beifall.

Von Christian Schütte

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