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Kultur Tony Curtis war Herzensbrecher, Charakterdarsteller, Hollywoodstar
Nachrichten Kultur Tony Curtis war Herzensbrecher, Charakterdarsteller, Hollywoodstar
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23:15 30.09.2010
Von Stefan Stosch
Er mochte es heiß: Tony Curtis. Quelle: afp

In seiner berühmtesten Rolle spielte er eine Saxofonistin. Sie hieß Josephine, musizierte in einer Damenband, brach sich auf ihren Stöckelschuhen beinahe die behaarten Beine, war auf der Flucht vor der Mafia und verliebte sich in Marilyn Monroe. Der Kinoauftritt in Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“ muss 1959 eine echte Herausforderung für den Frauenschwarm Tony Curtis gewesen sein – und zugleich eine Chance, um sein umwerfendes komödiantisches Talent zu beweisen.

Außerdem durfte der Herzensbrecher in Wilders wunderbarer Komödie auch noch das tun, wofür er berüchtigt war: In dem Film verkleidet er sich auch noch als Millionär, der sich ausgiebig von Sugar-Monroe abknutschen lässt. So gesehen war eine von Tony Curtis’ Lieblingsbeschäftigungen, die Fraueneroberung, wieder mal geglückt.

Da ließ sich zwischen seinen Filmen und seinen Rollen nur schwer unterscheiden. Sex sei für ihn eine „Flucht ins Paradies“, bekannte er einmal. Insgesamt brachte er es auf fünf Ehefrauen. Aus der ersten Verbindung mit Janet Leigh stammt Jamie Lee Curtis, heute selbst eine Hollywoodberühmtheit („Ein Fisch namens Wanda“). Bei Dreharbeiten lernte Curtis die damals 16-jährige deutsche Schauspielerin Christine Kaufmann kennen. Diese Ehe hielt ganze vier Jahre.

„Es ist, wie wenn die Zeit stirbt“, hat Kaufmann gestern bei der Nachricht vom Tod ihres Exmannes gesagt. Und ein bisschen ist es ja auch so: Curtis stieg auf zum Star in den Fünfzigern. Als das Studiosystem unterging, behauptete sich Curtis wie nur ganz wenige andere, etwa Rock Hudson. Insgesamt trat Curtis in mehr als 140 Filmen auf.

Sein größtes Kapital war sein umwerfendes Aussehen. Mehr hatte der am 
3. Juni 1925 in der Bronx als Bernard Schwartz geborene Gossenjunge zunächst ja auch nicht zu bieten. Seine Eltern waren bettelarme jüdisch-ungarische Einwanderer. Sie betrieben eine kleine Schneiderei. Eine ordentliche Schulbildung war nicht drin. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich in New York bei Erwin Piscator ausbilden und tingelte durch die Provinz.

Doch schon in seiner ersten, gänzlich unbedeutenden Kinorolle in Robert Siodmaks Film „Gewagtes Alibi“ deutete sich an, wie unwiderstehlich dieser Bursche war. Obwohl sein Name im Abspann nicht einmal auftauchte, erhielt das Universal-Studio Waschkörbe voller Schmachtbriefe „an den schönen Jungen, der in dem Film tanzt“. Auf Werbetouren rissen ihm die Mädchen die Kleider vom Leib. Ja, Curtis beeinflusste sogar die Mode: Seine Schmalztolle, der sogenannte „Curtis Cut“, wurde von Elvis Presley kopiert.

Dass Curtis ebenso über schauspielerisches Können verfügte, wurde erst später klar. In Western („Winchester 73“, 1950), in Abenteuerfilmen mit Burt Lancaster („Trapez“, 1956) oder Kirk Douglas („Spartacus“, 1960) behauptete er sich glänzend. Eine Sternstunde erlebte er an der Seite von Sidney Poitier im Sträflingsdrama „Flucht in Ketten“ (1958). Die Rolle brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein – die Auszeichnung selbst sollte er nie erhalten, auch nicht als „Frauenmörder von Boston“ (1968), einer seiner wenigen späteren Ausbrüche aus dem Komödienfach.

Dafür gelang Curtis Anfang der siebziger Jahre etwas, was für einen Hollywoodstar damals geradezu als unschicklich galt: Er ließ sich fürs Fernsehen anheuern. In der britischen TV-Serie „Die Zwei“ löste er als amerikanischer Playboy Danny Wilde gemeinsam mit dem britischen Lord Brett Sinclair (Roger Moore) Kriminalfälle auf die launige Art. Damals galt er als der bestbezahlte Fernsehschauspieler seiner Zeit.

Das Geld sicherte ihn ab bei sich häufenden Skandalen. In dem scheinbar stets so gut aufgelegten Star müssen Ängste und Schuldgefühle gelauert haben – er fühlte sich stets für den Unfalltod seines kleinen Bruders Julius in den Bronx verantwortlich. Seine Tochter Jamie Lee Curtis schrieb über den Vater: „Etwas quälte ihn sein ganzes Leben, und er suchte Erleichterung bei Frauen, in Drogen und Alkohol.“

Am Mittwochabend ist Tony Curtis im Alter von 85 Jahren in seinem Haus nahe Las Vegas gestorben. Seine fünfte Ehefrau Jill Vandenberg war bei ihm. Was sie auf seinen Grabstein schreiben soll, hat Curtis schon vor zwei Jahren bekannt gegeben: „Nobody’s perfect.“ Niemand ist vollkommen: Das ist der Schlusssatz aus Wilders Komödie „Manche mögen’s heiß“.

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