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Kultur "Toy Story 3" kommt in die deutschen Kinos
Nachrichten Kultur "Toy Story 3" kommt in die deutschen Kinos
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22:06 28.07.2010
Von Stefan Stosch
Raus aus dem Kinderzimmer: Cowboy Woody, Spaceranger Buzz und Cowgirl Jessie unterwegs. Quelle: dpa

Die meisten Kinohelden, die in jugendlichen Jahren ihre Karriere beginnen, werden irgendwann erwachsen: Harry Potter zum Beispiel, der Oger Shrek und nun auch Andy. Andy? Welcher Andy? Stimmt, an den muss man sich nicht unbedingt erinnern. Andy war 1996 eine etwas ungelenke menschliche Nebenfigur, die wirklichen Helden hießen Cowboy Woody und Space­ranger Buzz Lightyear.

Echte Charaktere waren das, allerdings aus Plastik und damit keinem biologischen Alterungsprozess unterworfen. Zwei wunderbare Abenteuer haben sie in den beiden ersten „Toy Story“-Filmen in Andys Kinderzimmer erlebt. Aber aus dem zieht Andy jetzt aus. Er will aufs College. Und was wird jetzt aus dem Cowboy, dem Spaceranger und all dem anderen Spielzeug, das immer dann zum Leben erwacht, wenn die Menschen nicht hinschauen?

Das ist die Grundidee im dritten Teil von „Toy Story“. Der erste Teil dieser Reihe entstand vor nunmehr 15 Jahren komplett am Computer. Bis dahin gab es solche Filme nicht. „Toy Story“ aus dem Pixar-Studio markierte, man darf das so pathetisch sagen, einen Markstein der Kinogeschichte. Danach kamen „Findet Nemo“ und „Ice Age“ und wie die Kassenknüller alle heißen. Ein ganz neues Kinogenre hatte Tüftler John Lasseter erfunden – die Computertrickfilme aus dem Pixar-Studio, das heute zu Disney gehört, erkennt man an der hüpfenden Schreibtischlampe im Vorspann.

Inzwischen werden solche Filme auch jenseits von Hollywood produziert, zum Beispiel in Hannover, wo gerade „Konferenz der Tiere“ entsteht (Kinostart: 7. Oktober), heute beinahe schon verpflichtend in 3-D.

Doch ist 3-D nur die Technik, noch keine originelle oder wenigstens gute Geschichte. Die haben sich die Pixar-Leute jedoch schon zehnmal einfallen lassen, egal, ob sie von einem Müllschlucker namens „Wall-E“ oder vom Lebensabend eines Grantlers in „Oben“ erzählten. Und auch im nunmehr elften Film ist es ihnen gelungen, anrührende (Plastik-)Charaktere zu erschaffen. US-Regisseur Lee Unkrich, der beim ersten „Toy Story“-Film noch als Cutter dabei war, hatte auch viel Zeit dazu: „Toy Story 2“ kam bereits 1999 heraus, danach herrschte lange Ruhe im Spielzeugkarton.

Im dritten Teil stellt sich die Frage, wie sie jede Familie kennt, in der die Kinder das Haus verlassen: wohin mit dem Spielzeug? Bislang allerdings hatten wir Menschen das ganze Drama noch nicht wirklich erkannt. Das dürfte sich nun ändern. Mancher Zuschauer wird wohl nach dem Kinobesuch sein altes Spielzeug hervorkramen und ihm einen Ehrenplatz auf Lebenszeit einräumen. Denn jetzt beobachten wir den Tag X konsequent aus Spielzeugsicht.

Die Alternative für die Plastikfreunde klingt grauenhaft. Zur Wahl stehen eine Pappkiste mit der Aufschrift „Dach­boden“ oder eine schwarze Mülltüte, die am Straßenrand entsorgt werden soll. In diesem „Toy Story“-Film steckt wie auch in seinen Vorgängern ein bisschen mehr als gute Kinderunterhaltung: Er lässt sich durchaus auch als Plädoyer gegen die Wegwerfgesellschaft verstehen.

Durch die Verkettung einiger Zufälle landen die Freunde in einer Kindertagesstätte. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich schnell als kleiner Horror­laden: Menschliche Rabauken malträtieren den Kartoffelmann, den Dino Rex, das rosa Schwein Specki, das Cowgirl und all die anderen. Die Lebensdauer von Spielzeug, so wird bereits am ersten Tag klar, schrumpft an diesem Ort des Grauens auf ein Minimum zusammen. Und schlimmer noch: Ein harmlos aussehender Knuddelbär verwandelt die Kita nachts in ein Gefangenenlager für Spielzeug. Aus dieser Folterhölle muss Cowboy Woody die anderen heraushauen.

Problemlos trägt diese Geschichte über eineinhalb Kinostunden – anders als bei mancher Fortsetzung, die wir in jüngster Zeit gesehen haben. Hier wird nicht einfach nur ein sattsam bekannter Stoff noch mal durchgenudelt. Hier wimmelt es von guten Einfällen. Der Spaceranger wird zwischendurch auf spanischen Betriebsmodus geschaltet und zeigt plötzlich Qualitäten als Latin Lover. Und erst die Begegnung von Barbie und Ken! Es könnte die große Liebe sein, würde sich Ken nicht auf die Seite des hinterhältigen Knuddelbären schlagen – weshalb Barbie wichtige Informationen aus Ken herauspresst, indem sie den Inhalt seines Kleiderschranks genüsslich vor seinen Augen zerpflückt.

Es geht also zur Sache in diesem Film für die ganze Familie. Besonders gruselig ist ein einäugiges Riesenbaby, das sich den Auftritt in einem echten Horrorfilm verdient hätte. Ganz kleine Zuschauer seien gewarnt. Irgendwann sind Cowboy und Spaceranger im Müllwagen zur Verbrennungsanlage unterwegs, wo das Feuer am Ende des Förderbandes lodert. Doch wenn’s wirklich drauf ankommt, haben Cowboy und Co. noch immer eine Lösung gefunden.

Das Schönste an „Toy Story“ ist: Bei allem Actiongetöse wird klar, dass zum richtigen Spielen Phantasie gehört. Buzz Lightyear zum Beispiel ist nur ein Weltraumheld, wenn ein Kind dran glaubt.

Es klappt auch bei Erwachsenen.

Aus Liebe zum Plastik: Anrührende Fortsetzung. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.

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