Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Tron: Legacy“: Verloren in der Cyberwelt
Nachrichten Kultur „Tron: Legacy“: Verloren in der Cyberwelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:21 28.01.2011
Von Stefan Stosch
Der Guru: Jeff Bridges.
Der Guru: Jeff Bridges. Quelle: Walt Disney
Anzeige

Die achtziger Jahre, das war die Zeit, als Computerspiele noch aus zwei beweglichen Balken bestanden, zwischen denen ein Lichtpunkt als Tennisball hin und her flog. Dass es in gar nicht allzu ferner Zukunft, nur mal so als Beispiel, kabellose Internetverbindungen oder berührungsempfindliche Oberflächen geben würde, war damals schwer vorstellbar. In diesem quasi noch vordigitalen Zeitalter kam 1982 „Tron“ von US-Regisseur Steven Lisberger ins Kino, ein Science-Fictions-Spektakel über die Verschmelzung von Computerspiel und Wirklichkeit – das war weniger ein Blick in die Zukunft des Computers als ein Blick in die Zukunft des Kinos mit minutenlangen computergenerierten Sequenzen und futuristischem Lichtdesign.

Klar, dass Hollywood nachlegen würde. Allerdings hat das ein bisschen länger gedauert als üblich. Knapp 30 Jahre später ist es nun so weit. „Tron: Legacy“ ist da, ein dreidimensionales Cyberspace-Epos mit Déjà-Vu-Effekt: Jeff Bridges persönlich mischt wieder mit als der Programmierer Kevin Flynn, der schon im ersten Film in dem von ihm selbst geschaffenen Computerspiel verschwand.

Da hockt er nun schon wieder, ein Gefangener seiner eigenen digitalen Kreaturen, die inzwischen zerstörerische Ziele verfolgen, von denen die Menschheit selbst betroffen sein könnte. Es gibt Bridges sogar zweimal: einmal als barfüßigen Computer-Guru im weißen Kimono und einmal als bösen Gegenspieler seiner selbst, dann allerdings als digital verjüngtes Pixel-Double namens Clu. Flynns Sohn Sam (Garrett Hedlund), ein rebellisches und draufgängerisches Menschenexemplar, will den Original-Papa aus diesem Paralleluniversum retten.

Der eigentliche Star in diesem Film aber ist wieder die Verpackung. Der bisherige Werbeclip-Regisseur Joseph Kosinski hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Ein 3-D-Leuchtstreifen-Universum hat er kreiert, einen neonbunten Gladiatorenspielplatz, eine von Licht durchflutete Design-Hölle – und eine Art Western mit erbaulichen, pseudoreligiösen Elementen. Dazu gibt’s die schwelgerisch-pompöse Musik des französischen Elektronikduos Daft Punk.

Und doch hat man sich schnell satt gesehen an dieser Show der Spezialeffekte. Denn der Originalitätsanspruch wird nur ansatzweise eingelöst. Was in einem anderen Film als Hommage an die großen Meister akzeptiert worden wäre, wirkt hier wie eine hochgezüchtete Kopie. Beleuchtete Getränke haben wir schon bei Hitchcock gesehen, Laserschwerter bei „Star Wars“, martialisches Kriegsgerät auf der Enterprise und eine viel verrücktere Bar bei Stanley Kubrick (in „Clockwork Orange“). Ein wirklich hübscher Einfall sind die sogenannten Lichtrenner, Motorräder, bei denen Fahrer und Maschine organisch verschmelzen.

Der Kampf zwischen den „Usern“ und den „Programmen“, zwischen Menschen und Computer entbrennt. Irritierenderweise sind auch die Programme in Menschengestalt unterwegs (so wie schon im Originalfilm). Man darf sich deshalb nicht wundern, wenn der digitale Jung-Bridges, eine Art mutiertes Masterprogramm, seine Gefolgschaft auf einer Art Reichssportfeld zum Kampf gegen die Eindringlinge mit den Worten aufruft: „Seid gegrüßt, Programme!“

Mit der Handlung sollte man sich nicht zu lange aufhalten. Erstaunlich bestenfalls, dass Held und Sohnemann Sam ungefähr so emotionsarm ist wie ein Computerprogramm. Der Jüngling ist so sehr aufs Ballern aus, wie es Computerspielern immer nachgesagt wird. So holpert und stolpert diese Vater-Sohn-Geschichte ihrem spannungsarmen Finale entgegen. Dieser Film hat weder etwas mit der Kinozukunft noch mit der von Computerspielen zu schaffen. Irgendwie beruhigend: Das Glück dieser Erde liegt doch nicht in der Computerwelt.

Verrutschtes Paralleluniversum: Müde Fortsetzung. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.

Ernst Corinth 26.01.2011
Karl-Ludwig Baader 26.01.2011