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Kultur Kein Sex mehr in der Oper
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00:28 09.05.2015
Von Stefan Arndt
„Zensurbeamte verstehen eben kein Latein“: Der Pianist und Komponist Fazil Say. Quelle: Bernd Thissen/dpa
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Izmir

Lyrik ist nicht immer ganz leicht zu verstehen, und das Problem verschärft sich sicher noch, wenn die Worte in einer fremden Sprache gesungen werden. Trotzdem wäre das eine erstaunliche Begründung dafür, dass das Opernhaus im türkischen Izmir auf Anweisung des Kulturministeriums die für Sonnabend geplante Premiere von Carl Orffs „Carmina Burana“ abgesagt hat. Genau davon gehen derzeit aber viele türkische Medien aus.

Auch „Nazim-Oraturium“ gestoppt

Vorausgegangen war ein Gastbeitrag des Pianisten und Komponisten Fazil Say in der Zeitung „Cumhuriyet“. Say ist, obwohl weltweit der renommierteste türkische Musiker, bei der Erdogan-Regierung seit Längerem in Ungnade gefallen: Nach einigen spitzen Twitter-Nachrichten wurde er vor zwei Jahren sogar wegen Beleidigung religiöser Gefühle verurteilt. Nun wurde auch die Aufführung seines neuen „Nazim-Oratoriums“ in Antalya von staatlichen Zensoren gestoppt.

Die Lücke im Spielplan wurde mit Orffs Klassiker geschlossen. Say reagierte darauf, indem er in seinem Artikel daran erinnert, dass auch die hochmittelalterlichen Texte, die Orff für sein berühmtes Stück vertont hat, nicht ganz auf Linie der türkischen Regierung lägen. In einigen Passagen würden Glücksspiel und Alkohol verherrlicht – beides sei im Islam jedoch verboten. Und damit nicht genug: In einem Lied werde gar ein zehnstündiger Liebesakt beschrieben.

„Die Zensurbeamten des Kulturministers verstehen eben kein Latein“, schreibt Say. „Sonst hätten sie erkannt, wie unschuldig das ,Nazim-Oratorium’ im Vergleich zur ,Carmina Burana’ ist.“ Die so Beschuldigen haben Says satirische Anmerkungen nun offenbar wörtlich genommen. Unmittelbar nach Erscheinen des Textes wurde die geplante Premiere in der staatlichen Oper Izmir abgesagt – offiziell aus „technischen Gründen“. Sollten sich die Verantwortlichen zwischenzeitlich auch mit Fremdsprachen wie Italienisch vertraut gemacht haben, dürfte sich diesmal allerdings nur schwer Ersatz finden: Opern ohne Liebesszenen sind rar.

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