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Kultur „Twelve“ zeigt die dunkle Seite der jungen Reichen
Nachrichten Kultur „Twelve“ zeigt die dunkle Seite der jungen Reichen
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19:39 13.10.2010
Gut im Geschäft: Mike (Chase Crawford). Quelle: Tobis

White Mike nimmt keine Drogen. Er vertickt sie jedoch, und sein Geschäft läuft gut. In Joel Schumachers US-Drama dröhnen sich privilegierte Kids der Upper East Side ihr Hirn mit Drogen zu, um der Langeweile ihrer Luxuswelt zu entkommen. Alles dreht sich hier nur um Geld, Sex und gutes Aussehen.

US-Serienstar Chase Crawford ­(„Gossip Girl“) spielt den 17-jährigen Drogendealer Mike, der selbst nicht raucht, nicht trinkt und noch nie einen Joint probiert hat. Nach dem Tod seiner Mutter hat er die Schule geschmissen, um seine ehemaligen Klassenkameraden mit Rauschgift zu versorgen. Als die neue Droge „Twelve“ auftaucht, will er diese nicht in sein Sortiment aufnehmen; sie ist ihm zu gefährlich: Sie wirkt, so heißt es hier, „erst wie Koks, dann wie Ecstasy“ und macht sofort abhängig. Da Nachfrage besteht, vermittelt er seine jungen, zahlungskräftigen Kunden an den Dealer Lionel (Curtis Jackson alias 50 Cent). Ein folgenschwerer Fehler?

Der Zuschauer folgt White Mike durch New York, wo sich die Jugendlichen auf die Party des Jahres vorbereiten. Der Geburtstag von It-Girl Sara (Esti Ginzberg) steht kurz bevor.

Getragen wird der Film von wuchtig-pulsierenden Beats – und von den zahlreichen Nachwuchsschauspielern. Neben Emma Roberts, Rory Culkin und Zoe Kravitz beeindruckt besonders Emily Meade in der Rolle der Einser-Schülerin Jessica, die der Modedroge „Twelve“ verfällt. Bald ist die junge Frau zu allem bereit, um an den gefährlichen Stoff zu kommen.

„Twelve“ bietet schnelle Schnitte, harte Dialoge und einen allgegenwärtigen Erzähler, der das Geschehen sarkastisch aus dem Off kommentiert. Und ­irgendwann hebt der Film mit der Psychedelic-Funk-Nummer „15 to 20“ der „Phenomenal Handclap Band“ ab zum gleichsam explosiven wie erschreckenden Finale. Was als rauschende Fete beginnt, endet in blutiger Gewalt. Auch ohne Drogenkonsum erzielt der Film beim Kinobesucher Wirkung.

Die „New York Times“ urteilte über die Romanvorlage des damals gerade 17-jährigen Nick McDonell: „So schnell wie Speed und so erbarmungslos wie Acid.“ Der Autor McDonell war selbst ein Kind der Upper East Side. Er wusste vermutlich sehr genau, wovon er schrieb. Regisseur Schumacher, einst dem Hollywoodmainstream verhaftet („Die Jury“, „Batman & Robin“, „8 mm“), legt mit „Twelve“ einen düsteren Independent-Film vor.

Sex, Drugs und ein böses Erwachen: Die volle Dröhnung. Cinemaxx Nikolaistraße, CineStar.

Julia Fischer

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