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Kultur UB 40 kehrt zu seinen Anfängen zurück
Nachrichten Kultur UB 40 kehrt zu seinen Anfängen zurück
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00:15 06.02.2017
UB 40 beim Konzert im Capitol. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Der kryptisch erscheinende Bandname UB 40 steht für "Unemployment Benefit, Form 40", das Arbeitslosenformular Großbritanniens. Und das Artwork ihrer ersten Platte, mit der UB 40 nun also noch einmal touren, ist genau das: ein Abdruck des sonnengelben Formulars mit dem Albumtitel als Stempel: "Signing Off". Das sagt viel aus über den einstigen Geist, aus dem diese Band entsprang.

Jetzt tourt UB 40 also damit und es zeigt sich, wie aktuell die Texte immer noch (oder wieder) sind. Ansonsten ist das Programm trotz soliden Reggaes und Dubs relativ uninspiriert, sie spielen halt die Songs des Albums und einige ihrer Hits, das Ganze bedauerlicherweise mit einem lange Zeit viel zu markanten Bass, der wenig von Stimme und anderen Instrumenten durchlässt.

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Mit "Signing off" hatte die Band 1980 große Zeichen gesetzt. Es war das erstes Album der Band, manche behaupten: ihr bestes. Und dennoch ist die Band in Deutschland - ganz im Gegensatz zu Großbritannien -  vor allem durch die Radio tauglichen Coverversionen anderer Künstler bekannt geworden wie den Elvis Song "Can't help falling in love", "I got you babe", den Song ihrer Entdeckerin, der Pretenders-Sängerin Chrissie Hynde, oder dem Neil-Diamond-Cover "Red Red Wine". Die Begeisterung für die Hits merkt man auch im Capitol: Das Publikum hält sich fast durchgängig zurück, bewegt sich leicht rhythmisch, bei den Hits aber wie "Here I am" oder "Red Red Wine"wird getanzt, gejubelt, mitgesungen. 

Bilder vom Auftritt der siebenköpfige Band UB 40 im fast ausverkauften Capitol. 

"Signing Off", dieses erste Album kam damals prompt auf den zweiten Platz der britischen Charts. Es versprach mit den Intependent Klängen etwas Neues, Unbekanntes. Diese Klänge klingen im Capitol gelegentlich noch an. Vor allem aber überzeugten 1980 die Texte: Es waren die frühen Jahre der Thatcher-Ära, es waren damit auch die Jahre des Punk und des Aufstands. Arbeitslosigkeit, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit werden in Songs thematisiert, in "Shame of burden" heißt es "As a nation we're following blindly /No one stops to question why / Our money's supporting an army /and a boy in Soweto dies" - ein Song, der im Capitol fast untergeht.

Auch ist die Performance recht reduziert. Das mag vielleicht mit der Familienbande zu tun haben, denn die Band spielt nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung. Ali Campbell, Frontman und Bruder des Bassisten Robin Campbell, hat die Band 2008 verlassen, Duncan, der Bruder der beiden, hat seitdem dessen Part eingenommen. Duncan Campbells musikalischer Werdegang ist jedoch bescheiden, er war zuvor Casino-Betreiber und leitete einen Fish-and-Chips-Shop.

Seine Stimme kann den Drive seines Bruders nicht nachahmen, überhaupt wirkt das Konzert lieblos, die Interaktion mit dem Publikum bleibt größtenteils aus, Ansagen sind kurz und unpersönlich. Zu den bekannteren Stücken wie "I be your baby tonight" werden Arme geschwenkt, nur so richtig springt der Funke nicht über. Erst als gegen Ende Astro den Gesangspart übernimmt und mit seinem Reggaesound überzeugt, wird die Stimmung gelöster, dann kommen auch die großen Hits. Endlich. Das Publikum zeigt sich dankbar.

Von Katharina Derlin

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