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Kultur US-Autor will Grass-Preis nicht
Nachrichten Kultur US-Autor will Grass-Preis nicht
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13:46 13.04.2012
Foto: Die Kritik an Grass hält an.
Die Kritik an Grass hält an. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Bremen

Das Israel-kritische Gedicht von Günter Grass schlägt in der Literaturszene weiter hohe Wellen. Der US-Autor Dave Eggers sagte kurzfristig seine Teilnahme an der Verleihung des Literaturpreises „Albatros“ der Günter Grass Stiftung am Freitagnachmittag in Bremen ab. Eggers bleibe fern, „weil er im Lichte der momentanen Debatte vor allem endlose Fragen zu Grass, Israel und dem Iran beantworten müsste“, hieß es in einer kurzen Stellungnahme der Agentur des Schriftstellers, die der Verlag Kiepenheuer & Witsch übermittelte.

Die in Bremen ansässige Günter Grass Stiftung bedauerte die Absage. „Das Ganze ist extrem kurzfristig“, sagte Geschäftsführerin Donate Fink der Nachrichtenagentur dpa. „Die Absage von Eggers richtet sich nicht gegen den Preis“, betonte sie. Der „Albatros“ gilt als einer der höchst dotierten Literaturpreise in Deutschland.

Der 1971 in Chicago geborene Autor teilt sich die mit 40.000 Euro verbundene Auszeichnung mit seinen beiden Übersetzern Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. 25.000 Euro des Preisgeldes gehen an den Autor, 15.000 Euro an die Übersetzer. Die Günter Grass Stiftung vergibt den Preis seit 2006 alle zwei Jahre an Autoren und ihre Übersetzer.

Literaturnobelpreisträger Grass hatte in seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ geschrieben, dass die Atommacht Israel den Weltfrieden bedrohe und das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen könne. Damit hatte er heftige Kritik ausgelöst. Israel verhängte ein Einreiseverbot gegen den 84-Jährigen.

Die Jury würdigt mit dem „Albatros“ Eggers’ 2011 in Deutschland erschienenen Roman „Zeitoun“ über einen amerikanisch-syrischen Unternehmer, der den Opfern des Hurrikans „Katrina“ in New Orleans helfen will und dabei ins Visier der Terrorismusfahnder gerät. „Dave Eggers hat ein beeindruckendes Plädoyer für Zivilcourage geschrieben“, hieß es in der Begründung der Jury. „Die Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann hat die Überzeugungskraft dieses herausragenden Textes glänzend vermittelt.“

Eggers gründete 1993 mit Freunden das Magazin „Might“ und fünf Jahre später den unabhängigen Verlag McSweeney’s, in dem er seine Bücher veröffentlicht. 2001 erschien in Deutschland sein Erstlingsroman „Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität“. Für diesen erhielt er 2000 eine Nominierung für den Pulitzer Preis. Seither veröffentlichte er sechs weitere Bücher beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, darunter „Bei den Wilden Kerlen“ 2009 und „Zeitoun“ 2011. Der 41 Jahre alte Eggers lebt heute in der Umgebung von San Francisco.

Eggers’ Verlag Kiepenheuer & Witsch wollte die Absage zu der Preisverleihung im Bremer Rathaus nicht weiter kommentieren. „Wir akzeptieren selbstverständlich die Entscheidung des Autors“, sagte Sprecherin Gudrun Fähndrich. Der Schriftsteller hatte bereits im März erklärt, seinen Teil des Preisgeldes einer Stiftung für Demokratie und Menschenrechte spenden zu wollen.

dpa

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