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Kultur US-Hardcore-Band Beartooth spielen im Capitol
Nachrichten Kultur US-Hardcore-Band Beartooth spielen im Capitol
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13:21 01.06.2017
„Das ist die größte Show, die wir als Headliner in Europa je gespielt haben", sagt Shomo, Sänger der Band.
„Das ist die größte Show, die wir als Headliner in Europa je gespielt haben", sagt Shomo, Sänger der Band. Quelle: Franson
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Das Einlasspersonal im Capitol ist ruppiger als sonst an diesem Abend. Es fasst kräftiger zu bei der Leibesvisitation, die Kommunikation ist eher einsilbig – offenbar geht es darum, Entschlossenheit und Stärke zu zeigen. Eigentlich sollte das Konzert der US-amerikanischen Band Beartooth im Musikzentrum stattfinden, der Veranstalter hatte mit etwa 300 Gästen gerechnet. Gekommen sind schließlich 1400 Fans, um eine Band zu feiern, deren Sänger Caleb Shomo als einer der Hardcore-Stars der Stunde gilt. Vor einem Jahr spielte Beartooth im Capitol noch als Vorband der Kollegen August Burns Red. Jetzt kann Shomo es kaum fassen: „Das ist die größte Show, die wir als Headliner in Europa je gespielt haben.“ Fast artig bedankt sich der Vierundzwanzigjährige immer wieder bei seinen größtenteils etwa gleichaltrigen Gästen für deren Begeisterung.

„Das ist die größte Show, die wir als Headliner in Europa je gespielt haben", sagt Shomo, Sänger der US-Hardcore-Band Beartooth. Am Mittwochabend ist die Band im Capitol aufgetreten.

Manch einer von denen mag beim Konzert etwas breitbeiniger unterwegs sein als der durchschnittliche Capitol-Besucher. Wer aber die Nervosität des Einlasspersonals verstehen möchte, sollte sich einige Songtexte von Beartooth durchlesen. Das aktuelle Album heißt „Aggressive“, dessen erste Songs tragen neben dem Titelsong die Titel „Hated“ und „Loser“. Es geht darum, wie es sich anfühlt, ein Einzelgänger zu sein, ein Ausgestoßener, ein Verlierer. „Kaut uns durch, spuckt uns aus, ihr wisst, was ihr da züchtet – eine verlorene, aggressive Jugend“, singt Shomo in „Aggressive“. Und fährt fort: „Es ist an der Zeit, Rache zu suchen, ohne jedes Mitleid – wir teilen jetzt aus.“ Würde man das neue Album bei einem Amokläufer finden: Die Medienpsychologen wären schnell mit ihren Urteilen.

Solche Texte sind jedoch für einen frustrierten Mittzwanziger fast immer eher ein Ventil als eine Anleitung zur Gewalt. Die Fans fühlen sich verstanden, können jedes Wort auswendig und singen lauthals mit. Darüber hinaus ist Caleb Shomo jedoch eher schwer zu verstehen: Er brüllt und grölt seine Texte meist. Wenn er zwischendurch in melodiösen Gesang verfällt, ist das eher wie ein kurzer Anlauf für den nächsten emotional hervorgepressten Wortschwall. Metal, Punk und Stadionrock klingen als Einflüsse aus der harten, schnell treibenden Musik. Shomo jedoch bezeichnet sie simpel als Rock’n’Roll. Der habe ihm mehr als einmal das Leben gerettet und sei niemals unterzukriegen. Wie als Bekenntnis trägt er ein T-Shirt der Hardrock-Legenden AC/DC. Bei den Zugaben hat er es durch eines von Motörhead ersetzt, Pionieren des Heavy Metal.

Caleb Shomo kommuniziert viel mit seinem Publikum. Er animiert es, in die Hocke zu gehen, aufzuspringen, zu hüpfen, sich zu umarmen, sich zu formieren, auf Schultern zu klettern und sich mit dem ganzen Körper der Musik zu ergeben. Es ist fast ein wenig beängstigend, zu sehen, wie er die Menge im Griff hat. Als er andeutet, eigentlich sei doch jeder ein Sänger, werden die Fans zum Chor – und die Szenerie verliert jede Bedrohlichkeit. Shomo macht deutlich: Eigentlich geht es immer nur darum, in der Musik nicht alleine zu sein.

Von Thomas Kaestle

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