Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Überraschungscoup: F.K. Waechters Nachlass in Hannover
Nachrichten Kultur Überraschungscoup: F.K. Waechters Nachlass in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:10 14.02.2009
Von Uwe Janssen
Quelle: Wilhelm-Busch-Museum

Nirgends blühte der Nonsens, diese vollkommene Unvollkommenheit deutschen Humors so wie in der Neuen Frankfurter Schule. Das Universaltalent dieser Spaßguerilla war Friedrich Karl Waechter. „Wahrscheinlich“, hat er ein Federvieh mal sagen lassen, das mühevoll einen Kopfstand in einem Stiefel macht, „guckt wieder kein Schwein.“ Wie viel Selbstzweifel Waechter in diesen berühmt gewordenen Satz gelegt hat, haben wir nie erfahren. Fest steht nur: Irgendwann guckten alle. Und nun gucken alle nach Hannover. Das Wilhelm-Busch-Museum kann den gesamten zeichnerischen Nachlass des 2005 verstorbenen Künstlers sein Eigen nennen und feiert das mit einer großen Werkschau auf zwei Etagen.

250 Kostproben sind zu sehen, das ist üppig, aber gerade mal ein Sechzehntel des gesamten Erbes. Die Hälfte der 4000 Blätter hat das Museum als Schenkung übernommen, für die andere Hälfte haben Sponsoren – die Sparkassen-Finanzgruppe, die Stiftung Niedersachsen, das Land und die Kulturstiftung der Länder – rund eine Million Euro aufgebracht.

Das Universaltalent dieser Spaßguerilla war Friedrich Karl Waechter.

Mit diesem Geld wurde ein Volltreffer finanziert, man kann durchaus von einem Coup sprechen. Denn niemand hätte sich gewundert, wenn das Erbe des Künstlers in Frankfurt geblieben wäre. Doch in seinem Testament hatte F.K. Waechter verfügt, dass sein Werk nicht auseinandergerissen werden soll. Und um dieses Werk angemessen präsentieren zu können, fehlte nach Ansicht der Witwe Cornelia Volhard-Waechter in Frankfurt einfach der Platz – was man dort freilich ein bisschen anders sieht. Doch die Entscheidung für Hannover ist gefallen, auch, weil Waechter und Museumspatron Busch eine künstlerische Linie verbindet. Frankfurt soll bei Leihgaben bevorzugt werden, aber das Wilhelm-Busch-Museum ist der große Gewinner, stärkt seinen internationalen Ruf, und die Stadt Hannover ist um eine Attraktion reicher.

Was aber soll man zeigen beim ersten Heimspiel des Waechter-Erbes? Die Ausstellungsmacher haben sich für einen Querschnitt entschieden, der in den frühen Sechzigern beginnt. Waechter, von der stumpfen Arbeit als Grafiker bei der Oberbadischen Annoncenexpedition in Freiburg genervt, bekommt eine Nullnummer einer „deutschen satirischen Monatsschrift“ namens „pardon“ zugeschickt, er schickt sie mit Verbesserungsvorschlägen nach Frankfurt zurück – und kann kurze Zeit später hinterherreisen: als neuer Cheflayouter von „pardon“.

Mit Robert Gernhardt und F.W. Bernstein heckt er – meist am Kneipentisch – kleine Genialitäten in Wort und Bild aus, der „Welt im Spiegel“-Einleger im Heft wird zum Hit. Als später die ¬„Titanic“ erscheint, schreibt Waechter schon Theaterstücke und ist mehrfacher Kinderbuchautor – der „Anti-Struwwelpeter“ (1970) und das 1975 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis geehrte „Wir können noch viel zusammen machen“ sind in der oberen Etage zu sehen. Nebenan finden sich auch politische Zeichnungen und ein paar Hiebe gegen die Kirche.
1981 lässt er zwei Männer am Kneipentisch streiten, ob man über den Papst Witze machen darf. „Den Papst soll man auf keinen Fall verunglimpfen“, sagt der eine (mit weißer Kappe), der andere poltert: „Das ist doch hohles Geschwätz von dir, das meinst du doch nicht ehrlich!“ und haut sein Gegenüber vom Hocker. „Ich bin doch der Papst!“, stammelt der Papst, und sein Gegenüber ist untröstlich. „Warum sagst du das nicht gleich? Ich zahl alle Runden.“

Waechter zeichnet diese Szene mit ebenso flüchtigem wie rasantem Strich, seine Figuren schimmern oft mehr, als dass sie schillern, sie bleiben wie auch manche Bildtexte im Ungefähren, im fast Fertigen und zwingen einen umso mehr in die Geschichte oder Episode. Ein bisschen Eigenleistung verlangt Waechter dem Betrachter schon ab. Man denkt sich also seinen Teil. Manchmal entdeckt man dabei phantastische Wortbildspielereien, eine von ihnen ist „Mein Schädel, aus dem Kopf gezeichnet“. Und manchmal redet man sich ein, Sinn gefunden zu haben, ertappt sich aber dabei, von Unsinn reingelegt worden zu sein. Und fühlt sich wie der Mann, dem sein Waffeleis die Zunge rausstreckt.

Der Deutschen Verhältnis zum Sex entkrampfte Waechter auf seine Weise – unter anderem mit den „11 bekanntesten Stellungen bei der Selbstbefriedigung des Mannes“ – dringlichst nicht zur Nachahmung empfohlen. Wer es doch probieren möchte: Die Anleitung hängt im Busch-Museum, untere Etage, ganz hinten.

Bis zum 10. Mai, dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr. Eröffnung ist am Sonntag, 15. Februar, um 11.30 Uhr.

Kultur „Deutschland 09“ - Die Gegenwart im Kurzfilm

Kurz vor Ende der Berlinale haben am Freitag 13 namhafte Regisseure aus Deutschland ihren gemeinsamen Episodenfilm „Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ vorgestellt.

13.02.2009

Anhänger von Mahatma Gandhi können in Kürze in New York das Brillengestell, die berühmten Ledersandalen und die Uhr ihres Idols ersteigern.

13.02.2009

Stephenie Meyer hat gute Chancen, dieses Jahr einen Rekord aufzustellen. Seit Tagen führt „Bis(s) zum Ende der Nacht“ die Verkaufshitliste beim Internethändler Amazon an – obwohl es das Buch erst von morgen an zu kaufen gibt.

12.02.2009