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13:59 17.09.2009
Die Übersetzer Angela Koonen (v.l.), Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher. Quelle: ddp
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Am Dienstag erschien die englische Ausgabe des Romans, am selben Tag um 6.01 Uhr kam eine mit mehreren Passwörtern gesicherte E-Mail mit dem 509 Seiten umfassenden Manuskript in dem Bergisch Gladbacher Verlagshaus an.

Seitdem tickt die Uhr für die sechs Übersetzer und den Lektor, die dort gleichzeitig an dem Manuskript arbeiten. Sie haben nur zehn Tage Zeit für eine druckreife Fassung des deutschen Textes, der am 14. Oktober erscheinen soll.

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Ebenfalls wenig Zeit, genauer gesagt nur zwölf Stunden, hat Harvard-Professor Robert Langdon, Held von Dan Browns neuem Roman „Das verlorene Symbol“, Zeit, um in der amerikanischen Hauptstadt Washington die Pläne von machtgierigen Freimaurern zu entlarven.

Mit seinen Romanen „Illuminati“ und „Sakrileg“ ist der ehemalige Englisch-Lehrer Brown zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller der vergangenen Jahre geworden. Kritiker belächeln seine Verschwörungsgeschichten, in denen Kirche, Politik und Wirtschaft ineinander verflochtene Komplotte schmieden, doch die Fan-Gemeinde ist begeistert. So wurde allein „Sakrileg“ in 44 Sprachen übersetzt und weltweit rund 50 Millionen Mal verkauft.

Brown, den seine ausgefeilten Szenarien zum mehrfachen Millionär gemacht haben, wusste auch sein jüngstes Werk marketingtauglich zu inszenieren. Über den Inhalt des Romans hatte er striktes Stillschweigen verfügt, nur sechs Menschen in den USA durften den Text vor der Veröffentlichung am 15. September lesen.

Das zwang seinen deutschen Verlag, Neuland zu begehen: „Wir haben uns entschieden, ein Team von Übersetzern im Haus zusammenzuziehen und sie den Roman gleichzeitig übersetzen zu lassen“, erläutert Verlagsleiter Marco Schneiders. Dabei wird das Buch nicht in gleichgroße Blöcke aufgeteilt, sondern den sechs Übersetzern werden jeweils unterschiedliche Handlungsstränge zugeordnet, um Browns verschachtelten Roman-Aufbau gerecht zu werden.

Im Team sind nach Angaben von Schneiders Theologen, Historiker, Politologen und Sprachwissenschaftler. Die entscheidenden Fäden laufen beim Verlagsleiter persönlich zusammen.

Eine neue Erfahrung für Übersetzer wie Dietmar Schmidt: „Zunächst war sogar überlegt worden, dass drei Kollegen für mehrere Wochen in die USA fahren, um dort das Buch noch vor dem Erscheinen der Originalausgabe zu übersetzen“, berichtet er. Als dies nicht möglich war, tauschten Schmidt und seine Kollegen die heimischen Arbeitszimmer mit den Büros in der Verlagszentrale: „Die Situation ist schon etwas ungewöhnlich, aber wir sind es ja gewohnt, auch unter Zeitdruck gut zu arbeiten“. Normalerweise hat ein Übersetzer alleine etwa drei Monate für einen vergleichbaren Roman zu Verfügung.

Erschwerend kommen Browns reichlich eingestreute Querverweise zu den Freimaurern, bei denen die deutschen Begriffe teilweise aufwendig nachrecherchiert werden müssen. Abschalten von der Arbeit fällt unter diesen Umständen nicht leicht, räumt Schmidt ein: „Da nimmt man den Roman mit ins Hotel und findet sich in den Träumen schon mal in Washington wieder.“

Für den Verlag steht der Erfolg des Buches schon jetzt fest. So wurde zuletzt die Startauflage des dann 768 Seiten umfassenden Werkes um 200 000 Stück auf eine Million Exemplare erhöht. Nähere Informationen zur Handlung will sich der Verlagsleiter noch nicht entlocken lassen. Nur ein Detail verrät er: „Die Zahl 33 wird in dem Roman eine entscheidende Rolle spielen“.

Erstes Kapitel von „Das verlorene Symbol“ ist bereits im Internet zu lesen

Das erste Kapitel der deutschen Ausgabe von Dan Browns neuem Roman „Das verlorene Symbol“ ist bereits auf den Seiten des Internetbuchhändlers weltbild.de zu lesen. Die englische Ausgabe des neuen Buches des US-Bestsellerautors erschien bereits am Dienstag, die deutsche Fassung soll am 14. Oktober in den Handel kommen. Auch die nächsten beiden übersetzten Kapitel werden nach und nach auf weltbild.de zu lesen sein, wie die Verlagsgruppe Weltbild am Donnerstag in Augsburg mitteilte.

ddp