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Kultur Überzeugender Nicolas Cage in "Bad Lieutenant"
Nachrichten Kultur Überzeugender Nicolas Cage in "Bad Lieutenant"
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14:15 18.03.2010
Von Ernst Corinth
Der Cop und seine Geliebte: Terence (Nicolas Cage) und Frankie (Eva Mendes) Quelle: Fox

Da haben sich zwei gefunden, die dem Kino schon beinahe abhandengekommen waren: Werner Herzog und Nicolas Cage. Der Hollywood-Star hat in jüngster Zeit hauptsächlich durch seine finanziellen Probleme von sich reden gemacht. Und um den 1942 in München geborenen Filmemacher, der schon seit Jahren in den USA lebt, war es in Deutschland ruhig geworden. Seine größten Erfolge als europäischer Autorenfilmer liegen mehr als 20 Jahre zurück. Zuletzt hat Herzog sehenswerte Dokumentationen wie etwa „Grizzly Man“ (2005) gedreht – die bei uns nurmehr auf DVD erschienen. Nun ist Herzog zurück: Erst fungierte er auf der gerade zu Ende gegangenen Berlinale als Jurychef, nun präsentiert er „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ mit Cage in der Hauptrolle.

Schon vor dem Kinostart provozierte der Titel einen Streit darüber, ob es sich um ein Remake von Abel Ferraras gleichnamigem Film aus dem Jahr 1992 handelt. Ferrara soll geschäumt haben, als er erfuhr, dass Herzog eine neue Version seines Kultfilms gedreht hat. Herzog beteuerte, Ferraras „Bad Lieutenant“ gar nicht gesehen zu haben. Viele Gemeinsamkeiten haben die Filme nicht, außer dass im Mittelpunkt ein drogensüchtiger Cop steht.

Tatort ist dieses Mal nicht New York, sondern New Orleans. Während der Überflutung der Stadt durch Hurrikan „Katrina“ rettet Polizist Terence eher widerwillig einen Gefangenen vor dem Ertrinken. Eine heldenhafte Tat, die ihm eine Beförderung zum „Lieutenant“ einbringt. Doch verletzt er sich dabei so heftig am Rücken, dass er von nun an chronisch unter Schmerzen leidet. Mit Alkohol und Drogen aller Art bekämpft er seine Qualen. Terence ist ein Drogenabhängiger, der einen Fall aufklären muss, bei dem es um die Ermordung von fünf illegalen Einwanderern geht. Objektiv geht es dem Cop also richtig dreckig, Herzog zeigt dies jedoch augenzwinkernd. Es ist fast schon ein Running Gag, wie sich der süchtige Polizist bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten Drogen beschafft: bei Festnahmen, Hausdurchsuchungen oder in der Asservatenkammer.

Cage spielt diesen Typen überzeugend. Der Mitvierziger schlurft gebückt wie ein alter Mann über die Leinwand, reagiert jedoch blitzschnell, wenn es darauf ankommt. Zwischendurch lässt er sich von seiner Geliebten, der Prostituierten Frankie (lässig: Eva Mendes), trösten. Terence gelingt ganz nebenbei das „Kunststück“, sich von einer Verdächtigen sexuell bestechen zu lassen und gleichzeitig deren Partner mit Waffengewalt feuernd auf Distanz zu halten. Eine ungemein komische Szene, die genauso originell ist wie das Auftauchen seltsamer Tiere: Leguane kriechen wie Urviecher durch die Kulissen. Und wann hat man schon mal eine Verkehrskontrolle aus der Sicht eines Alligators gesehen?

Obwohl der Film in der zweiten Hälfte düstere Töne anschlägt, wirkt er wegen dieser surrealen Einfälle bisweilen wie eine Satire auf die populären Polizistenfilme. Cage hat die Regieanweisung Herzogs in die Tat umgesetzt, die sprichwörtliche Sau rauszulassen. Wie er das macht, macht Lust auf mehr. Auch auf mehr Kino von Werner Herzog.

Remake oder nicht? Egal.
 Originell mit
surrealen Einsprengseln.


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