Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur ... oder endlich Philip Roth?
Nachrichten Kultur ... oder endlich Philip Roth?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:17 30.09.2014
Der Pulitzer Preis-Gewinner und Autor Philip Roth. Quelle: Gretchen Ertl
Anzeige

So gehört es sich auch: Um die weltweit wichtigste Literaturauszeichnung wird jedes Jahr reichlich Wirbel gemacht. Und zwar schon bevor die Schwedische Akademie an einem Donnerstag Anfang, Mitte Oktober bekannt gibt, wer den Literaturnobelpreis erhält. Die Auszeichnung gilt als bedeutendste für Autoren schlechthin - zumindest ist sie mit 870 000 Euro Preisgeld die am höchsten dotierte. Im Vorjahr hat die Kanadierin Alice Munro den Preis erhalten, 2012 ging er an den chinesischen Romancier Mo Yan; Herta Müller wurde ebenso geehrt wie Günter Grass und Octavio Paz.

Manche Autoren gerieten - wie der Nigerianer Wole Soyinka oder der Japaner Kenzaburo Oe - durch die Auszeichnung erst in den Blick vieler Leser anderer Länder. Einige Autoren hatten bei der Preisvergabe den Zenit ihres Wirkens überschritten: Die geschätzte Doris Lessing war bei der Preisverleihung immerhin schon 88 Jahre alt. Viele Beobachter glauben, dass die Schwedische Akademie einem festen Muster folgt: Auf eine ausgezeichnete Frau folgt ein Mann, auf einen Lyriker ein Romancier, auf einen Europäer ein Afrikaner. Am 9. oder 16. Oktober soll es diesmal soweit sein. Wir wissen nicht, wie die Schwedische Akademie entscheidet, doch wir stellen unsere Favoriten schon mal vor - den ewigen Kandidaten Philip Roth inklusive.

Anzeige

Philip Roth!

36 neue Kandidaten seien auf der Liste der Namen für den Literaturnobelpreis, verkündete der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Peter Englund, schon im Februar dieses Jahres. Dabei hätte einer der ewigen Favoriten, Philip Roth, den Preis endlich verdient. Wie kein anderer hat dieser Schriftsteller der amerikanischen Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten. Wie immer bei wirklich großen Autoren können wir uns alle darin wiederfinden. Für Überraschungen hat das Komitee in den vergangenen Jahren oft gesorgt. Die Entscheidung für den 81-jährigen Roth wäre eine sehr große – und endlich einmal eine Wahl, der man uneingeschränkt folgen kann.

Peter Handke!

Der Nobelpreis für Literatur sollte nicht an jemanden vergeben werden, der gerade ein paar wichtige Bücher geschrieben hat. Weil der Preis einen Dichter und seine Dichtung auszeichnet und nicht dafür vergeben wird, dass einer sympathisch rüberkommt, sollte er an Peter Handke gehen. Der Autor hat spezielle Ansichten zu Serbien. Aber das hat nichts mit der Frage zu tun, ob er ein großer Dichter ist oder nicht. Seine Bücher – stetig erscheint ein neues – machen den Leser sensibel. Sie verändern unsere Wahrnehmung. Nach der Lektüre eines Buches von Handke ist man ein anderer. Er erinnert uns daran, was Literatur bewirken kann.

Juli Zeh!

110 Personen wurden bislang mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, darunter nur 13 Frauen. Juli Zeh hat es verdient, in eine Reihe mit Preisträgerinnen wie Herta Müller oder Elfriede Jelinek gestellt zu werden. Bereits im Alter von 40 Jahren weist Zeh ein beeindruckendes Werk vor. Auf überraschende Weise stellt sie geltende Normen infrage. Ihre Spezialität ist die Verquickung zwischenmenschlicher Geschichten mit politisch-gesellschaftlicher Analyse. Infolge ihres Engagements gegen einen digitalen Überwachungsstaat steht Juli Zehs Name zudem für eine neue Politisierung ihrer Schriftstellergeneration.

Lydia Davis!

Selbst der Buchhändler meines Vertrauens hatte den Namen Lydia Davis bis vor Kurzem noch nie gehört. Das ist – denken wir an die Preisträger vergangener Jahre – nicht die schlechteste Voraussetzung. Tomas wer? Hieß es bei Tranströmer (2011). So unbekannt ist Davis allerdings nicht: 2013 hat sie den Man Booker International Prize gewonnen – für „Kanns nicht und wills nicht“, soeben auf Deutsch erschienen. Die Amerikanerin schreibt eigenwillige Kurzgeschichten, manche extrem kurz. Texte, die oft wie Momentaufnahmen wirken und ihre Kraft entfalten, sobald man hinter die Wörter schaut. Das ist so besonders in der Form wie persönlich, skurril, poetisch.

Michael Ondaatje!

Nein, er hat nicht nur „Der englische Patient“ geschrieben. Und nein, sein bekanntestes Buch ist nicht unbedingt sein bestes. Michael Ondaatje ist ein Meister und Magier: Von der ersten Seite an ist der Leser in der Geschichte, spürt die Atmosphäre und folgt gebannt dem Werdegang der Figuren. Bildgewaltig und dabei geradlinig schreibt der Kanadier, der auf Sri Lanka geboren wurde, über die Zumutungen des Lebens und der Liebe, über die Schrecken des Kriegs – und darüber, dass Literatur die zerrütteten Menschen in seinen Büchern manchmal heilen kann. Erzählend erklärt er die Welt, ohne sie zu vereinfachen.

Kultur „Silber“-Trilogie - Auf die Schwesterlichkeit
Sabrina Mazzola 29.09.2014
29.09.2014
Kultur Kunstaktion in Hannover - Afrikas Transfer
Daniel Alexander Schacht 28.09.2014