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Kultur Uraufführung von „Sampled Identity“ in Hamburg
Nachrichten Kultur Uraufführung von „Sampled Identity“ in Hamburg
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21:25 26.02.2012
Von Martina Sulner
Foto: Grenzüberschreitend: Hip-Hop trifft Streicher des Ensembles Resonanz.
Grenzüberschreitend: Hip-Hop trifft Streicher des Ensembles Resonanz. Quelle: Jan-Rasmus Nippels
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Hamburg

 Das Signal ist eindeutig: Das hier wird auch ein sportiver Abend. Zwar beginnt „Sampled Identity“ fast wie ein klassisches Streichkonzert, doch schon bald schleudern die ersten Beteiligten erst ihre (nicht echten) Instrumente und dann ihre Stühle zur Seite, reißen sich die dunklen Jacken herunter und entpuppen sich als das, was sie sind: Tänzer der HipHop Academy Hamburg. Gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz zeigen sie in dem Projekt „Sampled Identity“ die schwierig-schöne Suche nach der eigenen Persönlichkeit.

„Sampled Identity“ ist eine Gemeinschaftsproduktion der HipHop Academy und des Ensembles Resonanz in Kooperation mit Kampnagel und den Kunstfestspielen Herrenhausen. Beim hannoverschen Festival, das sich in diesem Jahr ums Thema „Fragiles Gleichgewicht“ dreht, wird das grenzüberschreitende Projekt am 15. Juni zu sehen sein. Das Ensemble Resonanz, bekannt für vielfältige musikalisch-theatralische Partnerschaften, war schon mehrmals Gast der Kunstfestspiele. Für die Tänzer, Rapper und Beatboxer, alle so um die 20, wird es der erste Auftritt in Hannover sein.

Die Hamburger Academy arbeitet sehr erfolgreich: Was die Tänzer bei der Uraufführung zeigen, ist virtuos und manchmal sogar atemberaubend. Die Männer und die eine Frau bewegen sich zu klassischen Streicherklängen, die sich manchmal mit elektronischer Musik zu einem Klangteppich verweben und mitunter im schroffen Kontrast zur modernen Musik stehen. Das ist mitreißend, und die Ausdrucksfähigkeit der Tänzer, die bei allem Tempo auch Gefühle wie Verunsicherung, Sehnsucht oder Einsamkeit in Bewegung umsetzen, enorm.

An die 20 Leute tanzen oder musizieren. Komponist Tobias Schwencke hat die Musik geschrieben und (bereits existierende) Stücke verschiedener Genres arrangiert; auf der Bühne ist ein Graffiti-Künstler in Aktion, und der hannoversche Rapper Spax war als ein künstlerischer Berater engagiert. Doch Regisseur Volker Schmidt, der schon am Jungen Schauspiel Hannover gearbeitet hat, kann die Fülle an Beteiligten und Ideen nicht bündeln. Die einzelnen Szenen, in denen die Hip-Hopper ihre Geschichten tanzend erkunden, wirken beliebig aneinandergefügt. Es fehlt die dramaturgische Zuspitzung. Ginge nicht am Ende der Szenen (meistens) das Licht kurz aus, wäre kaum zu erkennen, dass hier ein Schlusspunkt gesetzt worden sein sollte.

„Identität ist ein Prozess“, schreibt Regisseur Schmidt im Programm-Flyer. Vielleicht begreift er auch „Sampled Identity“ als Prozess und überarbeitet den Abend. Tänzern, Musikern und Zuschauern wäre es zu wünschen.
Tosender Beifall vom überwiegend jungen Publikum.

Die Kunstfestspiele Herrenhausen (1. bis 17. Juni) stellen ihr Programm am 1. März vor, dann beginnt auch der Vorverkauf. Fest stehen neben dem „Sampled Identity“-Termin die Auftritte von Martin Grubinger (3. Juni) und Musicbanda Franui (10. Juni).