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Kultur Uwe Tellkamp: "Die Schwebebahn"
Nachrichten Kultur Uwe Tellkamp: "Die Schwebebahn"
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09:55 15.11.2010
Von Martina Sulner
Uwe Tellkamp: „Die Schwebebahn. Dresdner Erkundungen“. Insel Verlag. 167 Seiten, 19,90 Euro. Quelle: HAZ-Bild

Der Begriff „Sensationserfolg“ wird oft überstrapaziert. Auf Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ jedoch trifft die Bezeichnung zu. Das Buch über ein paar Dresdener Familien in den letzten Jahren der DDR wurde 2008, wenige Wochen nach seinem Erscheinen, mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und zum Bestseller. Mittlerweile gibt es eine Bearbeitung fürs Theater, die das Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt hat, eine Verfilmung soll folgen. „Der Turm“, immerhin 973 Seiten lang und nicht ganz einfach zu lesen, stieß auf solch ein Interesse, weil in diesem Roman die untergehende DDR so komplex beschrieben ist wie in keinem Roman zuvor. Die Lektüre hat vielen westdeutschen Lesern das Gefühl gegeben, jetzt endlich zu begreifen, wie es in der DDR – zumindest bei Dresdner Bildungsbürgern – zugegangen ist.

Heute erscheint Tellkamps neues Buch „Die Schwebebahn“, und diese „Dresdner Erkundungen“, wie der Untertitel lautet, knüpfen an „Der Turm“ an. In den Geschichten, Personenbeschreibungen und autobiografischen Skizzen geht es um zwei Lieblingsthemen des 1968 geborenen Autors: um seine Heimatstadt Dresden und um die Frage, was Zeit und Erinnerung eigentlich bedeuten. Tellkamp schlendert durch die Stadt, sucht nach Überresten des früheren Dresden. Er beschreibt Industrieanlagen aus der DDR, er stellt sich Gebäude vor, wie sie vor der Zerstörung der Stadt 1945 ausgesehen haben könnten. Er schildert alteingesessene Geschäfte und spürt dort nach, was vom großbürgerlichen Dresden der Vorkriegzeit überlebt hat. Dabei hinterfragt er, was diese Stadt tatsächlich ausmacht – jenseits des aktuellen PR-Getöses um Frauenkirche und Christstollen.

Einer Erzählhaltung, die chronologisch und linear beschreibt, misstraut Tellkamp zutiefst. Von der „Bedenklichkeit einer nur vorwärtsgerichteten“ Handlung schreibt er. Er sucht vielmehr das Alte im Aktuellen, überlegt, wie die Gegenwart unseren Blick aufs Vergangene prägt. „Der gegenwärtige Augenblick schiebt sich wie ein Prisma über Bruchstücke der Vergangenheit und ordnet sie zu vorläufigen Kaleidoskopen. Das Eigentliche, wer weiß es?“, heißt es an einer Stelle. Tellkamp gibt nicht vor, es zu wissen. Er fühle sich „als Dichter den Malern zugehörig“. Getreu dieser literarischen Standortbestimmung schafft er mit der „Schwebebahn“ eher ein vielschichtiges Bild der Stadt, das sich aus zahlreichen Bildern zusammensetzt. In den 33 Kapiteln bekommt man durchaus ein Gefühl für die Atmosphäre Dresdens. Doch Tellkamp schreibt in der ersten Hälfte des Buches dermaßen geschraubt und gestelzt, dass es dem Leser auch auf die Nerven gehen kann. Die Sätze sind unendlich lang und verschachtelt, die vielen Sprachbilder oft schief und pathetisch.

Der zweite Teil des Buches wirkt unfertiger und roher – und gerade dadurch eindringlicher. Die Skizzen der Dresdener Neustadt, die Begegnungen mit Menschen, die Erinnerungen Tellkamps an sein Medizinstudium – da passt der Text des schön gestalteten Buches mit den abgedruckten Stadtansichten von Werner Lieberknecht zusammen. Die SchwarzWeiß-Bilder des Dresdener Fotografen sind zwischen 1980 und 2010 entstanden. Etwas mehr von der Prägnanz und Strenge dieser Bilder hätten der „Schwebebahn“ gut getan.

Uwe Tellkamp: „Die Schwebebahn. Dresdner Erkundungen“. Insel Verlag. 167 Seiten, 19,90 Euro.

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