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Kultur V. Platareanu / Alexandra Maria Lara: "Und bitte!"
Nachrichten Kultur V. Platareanu / Alexandra Maria Lara: "Und bitte!"
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13:44 03.01.2011
Valentin Platareanu / Alexandra Maria Lara: „Und bitte! Die Rolle unseres Lebens“. Kindler. 304 Seiten, 19,95 Euro.
Valentin Platareanu / Alexandra Maria Lara: „Und bitte! Die Rolle unseres Lebens“. Kindler. 304 Seiten, 19,95 Euro. Quelle: HAZ-Bild
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„Es ist merkwürdig, aber ich erinnere mich deutlich an das Muster der Bettwäsche. Es war ein roter Stoff mit weißen Blümchen. Diese Bettwäsche werde ich nie vergessen.“ Alexandra Maria Lara ist vier Jahre alt, als ihre Eltern beschließen, zu dritt mit einem Urlaubsvisum aus Rumänien nach West-Berlin zu flüchten.

Als Vizedirektor des Bukarester Nationaltheaters ist ihr Vater Valentin Platareanu damals eine angesehene Persönlichkeit. Er liebt das Schauspiel, doch je erfolgreicher er wird, desto öfter gerät er mit dem kommunistischen Regime, dessen Verboten und dem rumänischen Geheimdienst aneinander. Für seine Tochter Alexandra wünscht er sich ein besseres Leben – ein Leben in Freiheit.

Auf den Rücksitz eines weißen Ladas gebettet und in die Blümchenbettdecke gehüllt, geht es für Alexandra schließlich Richtung Westen. Ihre Eltern fürchten, dass sie es nicht bis nach West-Berlin schaffen werden, dass ihnen jemand vorher auf die Schliche kommt. Doch an der Grenze können sie aufatmen. Mit den Worten „Und bitte!“ lässt der Grenzsoldat die Familie passieren. Ein neues Leben beginnt für die Flüchtlinge. Ein Leben, für das sie anfangs weit weg von Kamera und Bühne Fliesen schrubben müssen.

Von der ersten Seite an ist man angetan vom Mut des Autors, seiner Entschlossenheit, für die Freiheit seiner Familie zu kämpfen, und gebannt von seiner Art über die Geschichte Rumäniens zu schreiben. Fast beiläufig erfährt der Leser etwas über das Ceausescu-Regime, und doch oder gerade deshalb fesselt einen das Schicksal Rumäniens.

„Und bitte!“ ist eine Liebeserklärung des Autors an die Freiheit, an das Theater und an seine Tochter Alexandra Maria Lara. Man kennt sie von großen Rollen, etwa als Hitlers Sekretärin Traudl Jung aus „Der Untergang“ oder als Jurorin in der Wettbewerbsjury der 61. Filmfestspiele in Cannes. Der Gründer der Schauspielschule Charlottenburg präsentiert uns hier nun die private Seite seiner berühmten Tochter, wie sie sich beispielsweise über ihre erste Coca-Cola in Deutschland freuen kann oder fasziniert die erste Rolltreppe ihres Lebens benutzt.

Platareanu schafft es, auch über harte Zeiten leicht und charmant zu schreiben, ohne den Ernst der Lage zu verleugnen. „Mein Vater ist ein Meister des Erzählens“, schreibt Alexandra Maria Lara im Vorwort des Buches. Da kann man ihr nur zustimmen.

Valentin Platareanu / Alexandra Maria Lara: „Und bitte! Die Rolle unseres Lebens“. Kindler. 304 Seiten, 19,95 Euro.

Frauke Lahmsen

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