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Kultur VGH-Stiftung wird zehn Jahre alt
Nachrichten Kultur VGH-Stiftung wird zehn Jahre alt
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13:20 11.10.2010
Von Simon Benne
Friedrich von Lenthe ist Jurist. Der 57-Jährige, der aus Lenthe stammt, wo seine Familie das Obergut besitzt, arbeitet als Rechtsanwalt und Notar. Seit Gründung der VGH-Stiftung vor zehn Jahren ist er deren Vorstandsvorsitzender. Quelle: Michael Thomas
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Herr von Lenthe, vor zehn Jahren wurde die VGH-Stiftung aus der Taufe gehoben ...

Damals stand das 250-jährige Gründungsjubiläum der Landschaftlichen Brandkasse an, der Keimzelle der VGH. Das nahmen wir zum Anlass, die Stiftung zu gründen. Die VGH-Versicherungen statteten diese damals mit 25 Millionen Mark aus. Ihre Gremien sind mit dem Kuratorium der Stiftung auch personell eng verflochten. Unsere Geschäftsführung teilen wir uns mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung – wir sind also ausgesprochen schlank organisiert.

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Sie haben seitdem Hunderte Kulturprojekte gefördert – gibt es da überhaupt einen roten Faden?

Unser Kuratoriumsvorsitzender, der Loccumer Abt Horst Hirschler, hat von Anfang an darauf geachtet, dass wir insbesondere Kindern und Jugendlichen Bildung und Werte vermitteln. Das Thema ist inzwischen modern: Heute reden alle von Bildungspolitik, Pisa-Studie oder Integration. Wir haben schon damals die Weichen richtig gestellt. Unser Leseförderprojekt Julius-Club zum Beispiel ist ein Erfolgsmodell: Im vergangenen Jahr haben dabei 6000 Kinder mitgemacht. Und eine sinnvollere Beschäftigung als das Lesen lässt sich doch schwer denken, oder?

Sie fördern auch große Literatur­veranstaltungen. Gibt es dabei so etwas wie eine Qualitätskontrolle?

Natürlich. Beim Literaturfest beispielsweise ist es einmal vorgekommen, dass ein großer Star sich überhaupt nicht auf die Lesung vorbereitet hatte. So einer wird dann von uns nie wieder eingeladen. Andererseits freuen sich auch renommierte Autoren, wenn sie in den Lesezyklus LiteraTour Nord aufgenommen werden, bei dem wir Hauptförderer sind. Als in diesem Jahr der Schriftsteller Matthias Politycki als Preisträger geehrt wurde, hat er sich ehrlich über die Auszeichnung gefreut. Das war auch ein Kompliment für uns.

Im Jahr 2009 haben Sie mehr als die Hälfte der 148 eingegangenen Förderanträge bewilligt. Fördern Sie da nicht mit der Gießkanne?

Nein. Meist klären wir schon bei Gesprächen im Vorfeld ab, ob und wie ein Antrag bei uns oder einer anderen Stiftung Sinn macht. Bei uns fiel der größte Anteil zuletzt auf den Bereich Literatur und vor allem auf Leseförderung – vor Denkmalpflege, Bibliothekswesen oder Museums­pädagogik. Künftig wollen wir mildtätige Projekte stärker unterstützen. In dem Bereich sind bislang Hospize und Tafeln unser Schwerpunkt.

Kritiker monieren, dass Stiftungen heute das Kulturleben prägen und dabei ganz ohne demokratische Kontrolle und nach Gutsherrenart agieren können ...

In unseren Gremien sitzen sehr wohl demokratisch gewählte Amtsträger, beispielsweise Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil. Was gefördert wird, entscheiden Kuratorium und Vorstand in aller Regel einstimmig. Wenn es um Dinge wie das Literaturfest oder die von uns finanzierten Bibliothekspreise geht, achten wir darauf, dass wir eine qualifizierte Jury haben. Da geht es dann um die Sache. Und was Gutsherren anbelangt, kann ich Ihnen – nicht ganz uneigennützig – im Vertrauen sagen: Die sind gar nicht so schlimm.