Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur VW-Käferhaube mit Hakenkreuz kommt doch ins Museum
Nachrichten Kultur VW-Käferhaube mit Hakenkreuz kommt doch ins Museum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 24.01.2017
Die VW-Käferhaube des österreichischen documenta-Künstlers Wolfgang Flatz.
Die VW-Käferhaube des österreichischen documenta-Künstlers Wolfgang Flatz. Quelle: dpa
Anzeige
Wolfsburg

Asyl für ein Kunstwerk aus Blech: Eine aus einer Ausstellung im Wolfsburger Gewerkschaftshaus verbannte VW-Käferhaube mit Hakenkreuz des österreichischen documenta-Künstlers Wolfgang Flatz wird nun vom Kunstmuseum der Stadt gezeigt. Nachdem die IG Metall die Haube aus Angst vor Missverständnissen aus einer Ausstellung mit anderen Motorhauben wieder entfernt hatte, präsentiert das Kunstmuseum die Haube nun aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar.

Die Gewerkschaft hatte das Kunstwerk, das auf die Wurzeln des VW-Konzerns im Nationalsozialismus anspielt, zunächst wieder abgehängt, weil sie es mit einem erklärenden Begleittext versehen wollte. „Das Kunstwerk mit dem Hakenkreuz ist unserer Meinung nach nicht von allein erklärbar“, betonte der Erste Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg, Hartwig Erb. Den von Künstler Flatz erhobenen Zensurvorwurf wies er aber zurück. Eigentlich habe die Gewerkschaft die Haube samt Text wieder aufhängen wollen, so eine IG Metall-Sprecherin. Jetzt aber steht sie bis zum 3. März im Foyer des Kunstmuseums.

„Was kann ein Kunstmuseum tun in Zeiten wie diesen? Wir können und wollen nicht demonstrieren, aber wir können Kunst ausstellen“, sagte Museumsdirektor Ralf Beil am Dienstag. „Es geht um eine einfache, aber wichtige Geste: um die Ermöglichung von Öffentlichkeit und einen offenen Umgang mit historischer Wahrheit - auch und gerade in Wolfsburg“, sagte Beil. „Es geht um das Museum als gesellschaftspolitischen Ort, als Schutzraum und Forum des Nachdenkens über Geschichte und Gegenwart.“

Dass es um seine Werke und Aktionen Wirbel gibt, ist Performance-Künstler Flatz gewohnt. So ließ er vor drei Jahren für eine Protestaktion für mehr Tierschutz 63 splitternackte Menschen in einem dreigeschossigen Gitterkäfig posieren. Für großen Protest sorgte eine weitere Aktion 2001 in Berlin, wo er zur Vorstellung einer Single von ihm einen abgehäuteten, kopflosen Kuhkadaver von einem Hubschrauber abwerfen ließ.

Von Michael Evers 

Stefan Arndt 24.01.2017
Daniel Alexander Schacht 26.01.2017