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Kultur Veranstaltungen erinnern an Kurt Schwitters
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20:08 03.02.2014
Das Flair des Alltags im Kunstraum: Kurt Schwitters um 1926. Quelle: Archiv
Hannover

Alter Karton, abgerissene Fahrkarten und ein verrückter Kopf: Der Dadaist Kurt Schwitters erhob zu einer Zeit, als in Kunstausstellungen noch Marmorstatuen und Ölgemälde dominierten, banale Stoffe zu Materialien der Kunst. Er ließ Anfang des 20. Jahrhunderts das Flair des Alltags in den Kunstraum hinein. Und zur Verblüffung des Publikums auch das Chaos der Straßen, auf denen er unterwegs war, um Baustoffe für seine „Kathedrale des erotischen Elends“ einzusammeln - als ein Clochard der Kunst.

Für Momente kann kunstferne Kunst einen besonderen Zauber des Lebendigen entfalten. Dann wird aber auch sie vereinnahmt vom Geist des Musealen. Schwitters, der heute 125 Jahre alt geworden wäre, ist längst museal. Für einen musealen Künstler aber ist er erstaunlich lebendig.

Seit den sechziger Jahren wird er periodisch wiederentdeckt. Eine Riege junger und jüngster Künstler nennt den zwischen bildender Kunst, Poesie und Musik changierenden Künstler ihren Ahnherrn. Große Schwitters-Verehrer sind beispielsweise Thomas Hirschhorn, Anthony Cragg, Timm Ulrichs und Gregor Schneider. Schwitters ist ein ausgesprochener „Künstlerkünstler“, einer, der Kollegen beeinflusst.

Pop-Art, Nouveau Réalisme und Aktionskunst der sechziger Jahre seien nachhaltig von dem Dadaisten inspiriert, sagt Isabel Schwarz vom Sprengel Museum in Hannover, wo derzeit der umfangreiche literarische Nachlass Schwitters’ gesichtet, ediert und erforscht wird. Collage und Assemblage, die Idee des Künstlerarchivs, der Gebrauch vorgefundener Materialien und begehbare Collagen wie der Merzbau: In all diesen Bereichen sei Schwitters ein Pionier gewesen.

Einer der ersten Autoren, die ein internationales Publikum auf den eigenwilligen Künstler hinwiesen, war Brian O’Doherty 1976 im amerikanischen Kunstmagazin „Artforum“. In dem einflussreichen Essay „In der weißen Zelle“ („Inside the White Cube“) ging er ausführlich auf Schwitters und dessen Merzbau ein. Der Hannoveraner habe bereits 40 Jahre vor den künstlerischen „Environments“ einen umfassenden Künstlerraum geschaffen, „eine sich wandelnde, polyphone Konstruktion aus vielen Gegenständen“, schrieb O’Doherty.

Schwitters hat es mit zu verantworten – neben Marcel Duchamp –, dass man heute in Galerien und Museen auf so viel alltägliche Materialien stößt, auf Pappe, Spanplatten, Treibholz und andere Fundstücke. Der französische Kunsthistoriker und ehemalige Leiter des Pariser Centre Pompidou, Jean Clair, sah auf der vergangenen Venedig-Biennale 2011 vor allem „Gerümpel“ und „Talentlosigkeit“. Clair hatte selber einmal eine Venedig-Biennale geleitet.

Der russische Philosoph Boris Groys sieht es nüchtern. In seinem Buch „Über das Neue“ legte er schon 1999 dar, dass die Einbeziehung der „außerkulturellen Wirklichkeit“ das grundlegende Verfahren einer nach Innovation strebenden Kunst sei, die sich nicht auf die kulturelle Tradition beziehe, sondern ihr Tun als Traditionsbruch auffasse. Mit Schwitters gesprochen: „Ich pfeife auf die Ideale / Ich fraß den Apfel mit der Schale.“

Klein, aber fein: Mit vier Produktionen zeigt das Tanzfestival das Schaffen junger Choreografen - Stilistisch und thematisch sehr unterschiedlich, boten sie zum Teil extravagante Unterhaltung.

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