Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Vergesst nicht zu schwärmen!“
Nachrichten Kultur „Vergesst nicht zu schwärmen!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:20 20.03.2015
Der „geheimnisvolle Sänger“ singt von der „schönen Drogendealerin“: Olli Schulz im Pavillon. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Warum hat Olli Schulz eigentlich so viele Fans? Eine Clique leicht angetrunkener Studenten wollte das genau wissen. In der langen (wirklich sehr langen) Schlange vor dem Pavillon suchten die jungen Leute recht lautstark nach einer Antwort.

Olli Schulz, der Kumpeltyp unter den Künstlern, tritt mit seiner Band im Pavillon auf.

Einer von ihnen ist überzeugt: „Weil er melancholisch und witzig zugleich ist, und das zieht ganz unterschiedliche Leute an!“ Der junge Mann kann seine These mit Fakten stützen: Olli Schulz’ Alben tragen Titel wie: „Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich dir die Beine“, „Es brennt so schön“ und „Warten auf den Bumerang“.

Das aktuelle Album des Liedermachers heißt „Feelings aus der Asche“. Als die Platte im Januar 2015 erschien, stieg sie auf Platz vier in die deutschen Albumcharts ein. Damit ist „Feelings aus der Asche“ Olli Schulz’ bisher erfolgreichstes Album. Viele der Konzertbesucher kennen den Liedermacher eher als Fernseh-Blödelmann bei „Circus Halligalli“ oder aus der auf mehreren Sendern laufenden Radiosendung „Sanft und sorgfältig“, in der Olli Schulz zusammen mit seinem Freund und Kollegen Jan Böhmermann diskutiert, philosophiert, abschweift. Im Gegensatz zu Böhmermann ist Schulz kein großer Zyniker. Er hat sich eine gewisse kindliche Begeisterung erhalten. „Man sollte nicht immer alles analytisch sehen“, findet Schulz. Lässig steht er auf der Bühne, um ihn herum seine Band. „Multikulti“ sein diese nun, so Schulz, denn die Gruppe wurde um die australische Sängerin und Gitarristin Kat Frankie ergänzt. Zwischen den Liedern erzählt Olli Schulz Witze und Anekdoten und zeigt sogar peinliche Fotos aus seiner Punkerjugend. Schulz ist nicht der Star, den man anhimmelt, sondern der Kumpeltyp unter den Künstlern.

Er bedankt sich, dass so wenige auf ihre Handys starren. Leider sei das keine Selbstverständlichkeit mehr. „Ihr hört alle so aufmerksam zu!“, ruft Schulz. Jemand ruft etwas Unverständliches rein. „Halt die Klappe!“, schnauzt der Musiker. „Ich hab gerade ein Kompliment gemacht!“ Ein Betrunkener grölt zum wiederholten Male seinen Musikwunsch. „Hör auf rumzubrüllen, ich mache das nicht! Ja, sei beleidigt und schreib auf Facebook, ich hätte dich verraten und verkauft. Ich lösch das dann.“ Olli Schulz ist ein alter Hase im Musikgeschäft und weiß: „Ein gutes Publikum muss man brechen und neu zusammensetzen.“

Sogar Klaus Meine von den Scorpions ist Olli-Schulz-Fan, sagt Schulz und zeigt ein Beweisfoto. Schulz erzählt davon, wie sie sich auf einer Party trafen. „Pfui!“, ruft jemand, offenbar kein Scorpions-Fan. „Ist doch egal, ob das geil oder scheiße ist“, findet Schulz. „Hab mal ein bisschen Respekt, Alter! Alles und jeder hat seine Existenzberechtigung.“ Nur die kühlschrankgroßen Bälle, die von der Band ins Publikum geworfen wurden, gehen Olli Schulz nach wenigen Liedern so auf die Nerven, dass er die Besucher auffordert, sie zu zerstechen. „Kennt ihr das, wenn man Sachen so niedlich findet, dass man reinschlagen will?“, fragt er. Hinter ihm werden Bilder von süßen Tieren an die Wand projiziert. Jedes Bild passt zu einem Lied, und jedes Lied hat eine Geschichte. Olli Schulz ist ein Geschichtenerzähler. Mit alltäglichen Kleinigkeiten fängt es an, dann wird es absurd und auch melancholisch. Schulz haut bei seinen Indie-Pop-Songs in die Saiten wie ein Heavy-Metal-Gitarrist und singt die Geschichte: Beim Feiern in Hamburg traf er eine schöne Frau, die ihm alle Drinks bezahlte und offensichtlich viel Geld hatte. „Irgendwann habe ich sie gefragt, wo sie denn das ganze Geld her hat“, gibt der Musiker das Gespräch wieder.

„Und sie sagte, dass sie mit Koks dealt.“ Er habe nachgehakt: „Wirklich?“ Sie antwortete: „Quatsch, das sind klein geriebene Kopfschmerztabletten. Die Asis merken das nicht.“ Olli Schulz fand das „ziemlich cool und abgebrüht“. Er erzählt weiter: „Wir haben noch zwei Drinks getrunken und dann meinte sie: Ich muss mal kurz abhauen, der eine da hat’s gemerkt.“ Die Frau kam nicht zurück, und Olli Schulz stellte sich vor, wie es wohl weitergegangen wäre. Er widmet ihr ein Lied, in dem er die Abenteuer der „schönen Drogendealerin und des geheimnisvollen Sängers“ schildert. Es sei schön, so der Musiker, in dieser zynischen Welt noch für jemanden oder etwas schwärmen zu können. „Darum: Vergesst nie zu schwärmen. Vor allem von mir! Nein, ich meine natürlich: für alle.“

Von Mirjam Kay Kruecken

Kultur Schrille Kunst in Wolfsburg - Da steckt doch der Wurm drin ...

Deformation ist alles: Erwin Wurm lässt es in seiner Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg richtig krachen - und zeigt auch, womit der Mann wirklich denkt.

Daniel Alexander Schacht 19.03.2015

Er ist ein glänzender Vorleser. Und er hat den dicksten Krimi der Saison vorgelegt. Der amerikanische Krimistar James Ellroy erklärt in Hannover sein Erfolgsrezept - Wir erfahren von ihm, dass er mit Hand auf Papier schreibt, dass er keine Ironie und keinen Nihilismus mag, sondern Großes.

Rainer Wagner 19.03.2015

Kunst liegt nicht immer nur im Auge des Betrachters. Eine  Ausstellung in Baden-Württemberg richtet sich an Schnüffler. Die Besucher können die Werke geradezu einatmen.

19.03.2015