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Kultur Verpatzte Premiere bei "Precht"
Nachrichten Kultur Verpatzte Premiere bei "Precht"
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01:00 03.09.2012
Der Philosoph Richard David Precht unterhält sich in der neuen Philosophiesendung "Precht" mit dem Neurobiologen, Hirnforscher und Bildungskritiker Gerald Hüther. Quelle: dpa
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Berlin

Das ZDF war mit Vorschusslorbeeren großzügig. Richard David Precht, 47 Jahre alter Bestsellerautor, Philosoph und Publizist, sei ein "Glücksfall" für den Kulturauftrag des Senders, ließ Hauptredaktionsleiter Peter Arens schon vor der Premiere der neuen Philosophiesendung "Precht" wissen. Bei seinem Einstand am späten Sonntagabend konnte der neue Nachdenk-Papst die hochfliegenden Erwartungen dann aber doch nicht so ganz erfüllen.

Precht ("Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?") war sich mit seinem Studiogast so einig, dass kein wirklicher Diskurs aufkam. "Skandal Schule - Macht lernen dumm?", unter diesem provokanten Titel tauschte er sich in der vorab aufgezeichneten Sendung 45 Minuten lang mit dem Neurobiologen, Hirnforscher und notorischen Bildungskritiker Gerald Hüther aus. "In unseren Schulen werden die Kinder von den falschen Lehrern nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet", konstatiert der Gastgeber gleich im Vorspann. "Ist das nicht ein unglaublich ineffizientes System?" Hüther darauf: "Das ist wirklich 'ne Katastrophe."

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Ganz nah sitzen die Beiden beieinander, die Kamera immer groß auf dem Gesicht. Ein von unten beleuchtetes Glastischen verströmt warmes Licht, und im Hintergrund schweben blaue Leuchtkugeln vorbei wie Scheinwerfer auf einer weit entfernten Autobahn. "Wir wollen denken. Und wir wollen Menschen beim Denken zusehen", so hat Regisseur und Produzent Gero von Boehm ("Wortwechsel") das Konzept beschrieben, mit dem die neue Sendung nach zehn Jahren "Das Philosophische Quartett" ablösen soll. Der gepflegt langhaarige Precht (blaue Augen, blaues Hemd, viel Brust) versucht dabei eine Gratwanderung zwischen Fragesteller und Gesprächspartner. Aber so sehr er auch immer wieder charmante Betroffenheit auf sein ebenmäßiges Gesicht zaubert - letztlich bleibt doch jeder zu oft bei den eigenen Gedanken hängen.

Der Gastgeber möchte seinen vorbereiteten Exkurs zur Humboldtschen Bildungspolitik loswerden, Hüther seine Hirnforschung. "Warum hört man nicht längst auf Menschen wie Sie?", will Precht einmal wissen. Ja, warum eigentlich nicht? Natürlich ist es ein Skandal, dass in einem Land wie Deutschland immer noch fünf bis zehn Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen. Doch sehr vieles, was es dazu zu sagen gibt, hat mit handfester Politik und nicht mit Philosophie zu tun - selbst wenn man es mit ein paar hübschen Philosophenzitaten garniert ("Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist").

Zumindest für die nächste Sendung am 7. Oktober lässt "Precht" ein bisschen mehr Brisanz erwarten: Da hat der linksliberale Pop-Philosoph den Springer-Chef Mathias Döpfner ("Die Freiheitsfalle") zu Gast, es geht um das Thema "Gefährliche Freiheit".

dpa

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