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Nachrichten Kultur Violinwettbewerb kommt in die Kinos
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19:26 29.03.2012
Von Jutta Rinas
Foto: „Violinissimo“ wird am Sonntag, 1. April, 11 Uhr, in den Hochhaus-Lichtspielen uraufgeführt.
„Violinissimo“ wird am Sonntag, 1. April, 11 Uhr, in den Hochhaus-Lichtspielen uraufgeführt.
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Hannover

Mozart, immer wieder Mozart. Immer wieder erklingt in der hannoverschen Musikhochschule dasselbe Violinkonzert: Nr. 4, D-Dur, Köchelverzeichnis 218. Es ist Semifinale im Internationalen Violinwettbewerb Joseph Joachim Hannover 2009, dem mit 50.000 Euro für den Sieger höchstdotierten Violinwettbewerb der Welt. Hochbegabte junge Geiger wie die blonde Französin Solenne Païdassi, die in Hannover studiert, die in Deutschland geborene, koreanische Geigerin Clara-Jumi Kang oder der Israeli Itamar Zorman kämpfen um den Einzug in die letzte Runde. Selbstbewusst erlebt man sie auf der Bühne, mit großem Ton und großer künstlerischer Überzeugungskraft umwerben sie Publikum und Juroren.

In dem Dokumentarfilm von Stephan Anspichler und dem hannoverschen Filmemacher Radek Wegrzyn - Sohn des Künstlerischen Leiters des Wettbewerbs, Krzystof Wegrzyn - reden die öffentlich so strahlend wirkenden Musiker auch über ihre Zweifel und ihre Versagensängste. Clara-Jumi Kang beispielsweise, ein Wunderkind, verbindet mit jenem Mozart-Konzert einen ihrer größten Erfolge - und die wohl dramatischste Krise ihres Lebens. Sie spielt das Stück mit nur elf Jahren Daniel Barenboim vor und nimmt den Dirigenten so für sich ein, dass er ein Konzert mit ihr und dem Chicago Symphony Orchestra plant. Kurz vor dem Auftritt bricht Kang sich beim Basketballspiel den kleinen Finger: ein Trümmerbruch. Es steht lange nicht fest, ob sie den Finger je wieder gebrauchen kann.

Solenne Païdassi quält sich als Jugendliche anderthalb Jahre mit „Mozart Nummer 4“ und findet keinen Zugang: „Irgendwann gab mein Lehrer es auf.“ Auch sie erlebt als Jugendliche eine schwere Krise. Sie geht, kaum Englisch sprechend, nach London. Ein Jahr lang redet sie mit kaum jemandem außer ihrem Geigenlehrer, bricht die Ausbildung nach einem Besuch zu Hause bei ihrer Familie in Frankreich abrupt ab und macht monatelang nichts. „Ich hatte so sehr versucht, alle glücklich zu machen, meine Lehrer, meine Familie, alle außer mir“, erzählt sie leise. „Irgendwann kam ich drüber weg“, sagt sie leichthin, als impliziere das, dass es dann mit dem Geigespielen selbstverständlich weitergehen musste, als sei „London“ eine Erfahrung gewesen, die zu einem Musikerleben dazugehört.

Es gibt ein Bild (siehe unser Foto oben), da sieht man Solenne Païdassi schon im Abendkleid in der noch leeren Oper für einen Auftritt proben. Wegrzyns Film beleuchtet auch diese Seiten, die Stunden langen Übens, die Einsamkeit, die Nervosität vor dem Auftritt, all jene Momente, die dazugehören, wenn man als Solist irgendwann vor einem großen Publikum stehen will. Wegrzyn schneidet sie zwischen die Stationen des Wettbewerbs: die erste Runde, die Enttäuschung Zormans, als er nach dem Semifinale ausscheidet, die Auftritte von Kang und Païdassi im Finale im Großen Sendesaal des NDR.

Eine Jubelszene am Ende gibt es nicht. Der Gewinner ist ein anderer: der erst 16-jährige Fumiaki Miura. Kang wird Zweite, Païdassi Vierte. Im Abspann erfährt man, dass die Porträtierten allesamt später andere große Wettbewerbe gewinnen. Der Kampf um eine Solistenkarriere geht weiter.

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