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Kultur Vivid Voices singen barfuß im Pavillon
Nachrichten Kultur Vivid Voices singen barfuß im Pavillon
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21:14 11.11.2015
Homogen, aber nicht uniform: Vivid Voices. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Die Versuchung ist groß, einfach die Augen zu schließen. Dann verdichtet sich das Gehörte, die Stimmen schieben sich über- und ineinander, steigern sich zu einer mächtigen Klangmasse. Beim Hinschauen lässt sich hingegen genauer differenzieren, woraus sich diese musikalische Macht zusammensetzt. Das beglückt nicht weniger an diesem Abend im Kulturzentrum Pavillon. Die Vivid Voices, der Jazzchor der Musikhochschule Hannover, ist jüngst noch mal gewachsen. Mehr als 50 Sänger stehen auf der Bühne. Barfuß, das ist ihr Markenzeichen. Ihre Kleidung sagt viel über den Charakter des Ensembles. Schwarz, Rot- und Grautöne, nicht uniform, und doch ein homogenes Ganzes. Es bleibt Raum für Individualität.

A-capella im Doppelpack: Die Vivid Voices standen im Pavillon gemeinsam mit der kanadischen Band EH440 auf der Bühne. 

Schließlich setzt sich der Chor aus Studierenden unterschiedlichster Instrumente zusammen. Jeder bringt seine Perspektive auf Musik mit. Chorleiterin Claudia Burghard schafft es, dieses Potenzial zu bündeln, dabei aber den Blick auf die Menschen nicht zu verstellen. Vielleicht haben Vivid Voices deshalb so viele Fans, vielleicht gewinnen sie deshalb einen Wettbewerb nach dem anderen. Leidenschaft und Dynamik übertragen sich auch im Pavillon schnell auf das Publikum.

Vieles hängt dabei auch von der Auswahl der Stücke ab. Der Chor hat keine Angst vor populären Erscheinungsformen des Jazz. Und vor allem nicht vor komplex arrangierten Popsongs. Vivid Voices ergänzen das Vertraute um Zwischentöne, um hybride Grenzlaute, obskure Miniaturen, Scat-Soli, um warme Melancholie und beschwingte Klarheit. Sie vervielfachen die Musik.

Doch mit den Ovationen im Stehen für den Jazzchor ist das Doppelkonzert nicht zu Ende. Fünf Gäste aus Toronto, die danach die Bühne übernehmen, zeigen als Kontrastprogramm die ganze Bandbreite des A-cappella-Gesangs auf. Vor einigen Jahren fanden sich die Profimusiker zum Ensemble EH440 zusammen. Der Name verbindet den Kammerton A, der mit 440 Hertz schwingt, mit dem flapsig-umgangssprachlichen „eh“, das in Kanada so viel bedeuten kann wie „hä?“. Schnell wird klar: Diese Musiker haben ausreichend Bühnenerfahrung im Showbusiness, haben Soloprogramme, Musicalrollen und Fernsehauftritte hinter sich. Sie nutzen in selbst komponierten Songs alle Möglichkeiten des Genres. Das ist in seiner Mischung aus Rock, Pop, Soul, Funk, Rap, Hip-Hop und sogar Elektro musikalisch durchaus beeindruckend. Doch die Routiniertheit der Präsentation lässt es ein wenig glatt erscheinen. Und zeigt rückblickend nochmals umso deutlicher den großen Charme, der die Musikalität der Vivid Voices aus Hannover begleitet.

von Thomas Kaestle

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